Rezensionen

Tracy Chevalier – Die englische Freundin *4,5 Sterne*

Inhalt:

Als die Sklavenfrage Amerika entzweite – ein großer Frauenroman von Bestsellerautorin Tracy Chevalier. Die junge Quäkerin Honor verlässt 1850 aus Liebeskummer ihre Heimat, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird sie von einer harten Realität eingeholt, die Frage der Sklaverei spaltet die Nation. Zu ihrer einzigen Vertrauten wird die temperamentvolle Hutmacherin Belle. Dass sich ausgerechnet der Sklavenjäger Donovan für Honor interessiert, bringt sie in eine schwierige Lage, und sie muss sich zwischen schönen Worten und mutigem Handeln entscheiden.

 

Meinung:

Ich habe dieses Buch im Zuge einer Leserunde auf lovelybooks.de lesen dürfen und bedanke mich hier nochmals sehr dafür. Leserunden bringen mir öfters Bücher nahe, die ich mir selbst nie gekauft hätte. Da die Hauptperson Honor eine Quäkerin ist und ich Atheistin bin, hätte ich mir diesen Roman wahrscheinlich nicht gekauft, da mich der religiöse Hintergrund abgeschreckt hätte. Ich bin doch aber sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben.

Honor wirkt sehr schüchtern und unselbstständig. Nachdem ihr Verlobter sie für eine andere „Freundin“ (Bezeichnung der Quäker für andere Quäker) versetzt bricht sie zusammen mit ihrer Schwester von London nach Amerika auf um dort beim Verlobten ihrer Schwester Grace  zu leben. Grace stirbt jedoch ziemlich bald nach der Ankunft und so muss sich Honor zum ersten Mal alleine durchs Leben schlagen. Die Umstellung fällt ihr nicht leicht, da Amerika noch jung und im Aufbruch ist. Sie vermisst das beständige Leben zu Hause doch aufgrund ihrer Angst vor der Rückseite sieht sie sich gezwungen, ihr Leben nun in Amerika zu planen.

Die Charaktere verhalten sich ihrer Zeit entsprechend und benützen keine Wörter, die eher in unsere Zeit passen würden. Trotzdem lässt sich die Geschichte flüssig und verständlich lesen. Nach kurzer Zeit fühlt man sich direkt in die Story reingezogen und merkt gar nicht wie viel Zeit beim lesen vergeht bzw. das im Buch selbst erst wenige Tage vergangen sind. Honor geht es ebenso:

Seite 66:

„[…] während Hudson – der Ort, in dem Grace begraben liegt – schon Ewigkeiten hinter mir zu liegen scheint, dabei bin ich erst seit drei Tagen in Wellington.“

Der Erzählstil ist nüchtern und realistisch, was gut zur damaligen Zeit passt. Honors wahre Gefühle und Eindrücke erwarten den Lesern immer am Ende eines  jeden Kapitels in ihren Briefen nach Hause. Die Beschreibung zum Nähen der Quilts hat mir sehr gut gefallen, obwohl ich mich vorher nie mit diesen auseinandergesetzt habe. Durch Leserundenteilnehmerinnen, welche selbst schon Quilts genäht haben, wurde schnell klar, dass die Autorin sich eingängig mit dieser Thematik befasst hat und dies überzeugend zu Papier bringen konnte.

Das Thema der Sklaven und Flüchtlinge kam mir ein wenig zu kurz bzw. hatte ich zunächst gehofft, dass Honor aufsässiger sein würde. Da dies aber überhaupt nicht zu ihrem Charakter gepasst hätte und so auch nicht zur Story war dies dann so in Ordnung. Für meinen persönlichen Geschmack hätte der Roman auch gerne 100 Seiten mehr haben können, was – wie ich finde – vielen Geschichten und deren Aufbau zu Gute kommen würde.

Alles in allem hat er mir sehr viel Spaß gemacht diesen Roman zu lesen und werde mir auch sicher weitere Bücher der Autorin zulegen.

 

Fazit:

Hier vergebe ich 4,5 Sterne.

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