Neuzugänge

Rezi: Maria Daniela Raineri – Die Lüge zwischen zwei Küssen *4 von 5 Sterne*

Inhalt:

Stefano ist Mitte 30, seine Frau Valentina hat ihn verlassen und er wohnt wieder bei Mamma – höchste Zeit für einen Moment der Selbsterkenntnis!

Mir ist klar, dass Valentina keine Göttin ist. Sie ist eine normale Frau mit normalen ­Fehlern. Tatsache ist, dass auch ich nichts Besonderes bin. Aber vielleicht ist genau das Liebe: wenn zwei ganz gewöhnliche Menschen sich einzigartig und magisch ­fühlen, sobald sie zusammen sind. Bisher weiß niemand so genau, wie das funktioniert. Denn die Liebe ist geheimnisvoll. Sonst würde sie anders heißen. Algebra vielleicht.

Meinung:

Zunächst bedanke ich mich beim Knaur-Verlag dafür, dass ich an der Leserunde zu diesem Roman teilnehmen durfte.

Bereits auf den ersten Seiten habe ich Stefano ins Herz geschlossen. Aus dessen Sicht in der 1. Person wird die Geschichte nüchtern, ehrlich und auch witzig erzählt. Sie fängt mit der Trennung der beiden an und Stefano beginnt über das Geschehene nachzudenken und lässt die Beziehung noch einmal Revue passieren. Der Leser erlebt so das Kennenlernen zwischen Stefano und Vale über ihre Hochzeit bis schlussendlich zur Trennung. Schnell wird klar, dass die beiden alles andere als perfekt sind: Valentina ist egozentrisch und Stefano gibt Stück für Stück einen Teil seines Selbstbewussteins auf, um die Beziehung am Laufen zu halten. Für mich persönlich war Vale viel zu klischeehaft dargestellt. Es mag schon sein, dass die ein oder andere Frau etwas komplizierter als gewöhnlich ist aber hier hat die Autorin die volle Ladung Nervenede-Chiclit-Hauptprotagonisten rausgehauen. Das Verhalten von Stefanos Kumpane in Bezug auf dessen neue Freundin, welches Stefano zu anfangs so genervt hatte, nahm er nach der Zeit immer mehr selbst an, was mich leicht verägerte. Zwischenzeitlich hätte ich ihn gerne geschüttelt und gefragt, was er da mache. Auf der anderen Seite waren seine Bemühungen aber auch sehr süß. Er legte sich so ins Zeug um ihr alles Recht zu machen und sie hat es einfach nicht wahrgenommen. Ein generelles Problem in vielen Beziehung (egal von welcher Seite aus) und Romanen.

Ich finde es erfrischend, einmal auch einen Roman dieses Genres aus Sicht eines Mannes lesen zu können. Die oft einseitige Darstellung „mein Freund versteht mich einfach nicht“ wird so gedreht und der Blick wird auf seine Wünsche und Bedürnisse gerichtet. Im Laufe der Geschichte und vorallem zum Ende hin zeigt sich ein Wandel bei den beiden. Diese Tatsache hat mir meine Anfangseuphorie zurückgebracht und mich mit einem gutem Gefühl beim lesen zurückgelassen.

Das Ende gefiel mir sehr gut, da es viel Raum für Spekualtionen lässt und ich hoffe darauf, dass uns die Autorin in der Zukunft mit weiteren Geschichten rund um Stefano überraschend wird.

Hier vergebe ich 4 von 5 Sternen.

Kommentar verfassen