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Rezension zu Alles in Buddha von Victoria Seifried *4 Sterne*

Rezension zu Alles in Buddha von Victoria Seifried

Titel: Alles in Buddha
Autor: Victoria Seifried
Verlag: Heyne
Genre: Chic-Lit
Erscheinungsdatum: 08.08.2016
Isbn: 978-3-453-41924-7

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Inhalt:

Voll erleuchtet? Das ist Mia Meinecke bestimmt nicht, doch alles läuft bei ihr perfekt – bis sich ihr Leben dazu entschließt, den Bach runterzugehen. Ihr Freund Mark trennt sich plötzlich von ihr, vor lauter Kummer blamiert sie sich vor ihrem Freundeskreis, und dann wird sie auch noch wegen eines dummen Missverständnisses fristlos gekündigt! Mia muss dem Chaos entfliehen und beschließt, mit ihrem besten Freund Hugo für drei Wochen um die Welt zu reisen. Damit nach ihrem großen Trip wieder alles besser läuft als vorher, schließen die beiden eine Wette ab: Mia muss ihren Herzschmerz besiegen, und Hugo soll mit knapp dreißig endlich entjungfert werden. Doch die beiden haben die Rechnung ohne das Leben gemacht.

Meinung:

Gleich auf den ersten Seiten wird klar, dass das nette Cover nicht vom Inhalt ablenken kann. Wir haben es hier knallhart mit Chic-Lit zu tun. Es trieft zunächst nur so vor den üblichen Klischees. Doch hat der Schreibstil etwas, dass einen direkt abholt und mitnimmt. Und wer bis jetzt noch nicht abgeschreckt wurde, weil der Klappentext und das Cover vielleicht etwas anderes versprochen haben, kann sich mit den beiden Protagonisten auf eine humorvolle und überraschend tiefergehende Reise begeben.

Zunächst lernen wir Mia – aus deren Sicht in der 1. Person die Geschichte erzählt wird – kennen und ja, zu anfangs war sie mir  nicht sehr sympathisch. Doch schnell habe ich einige Parallelen zwischen unseren Familienverhältnissen gefunden und ich konnte sie verstehen. Aber was mochte ich zu anfangs nicht an ihr:

Mia ist ziemlich unglücklich, da sich ihr über alles geliebter Marc von ihr getrennt hat. Tut mir leid, ich untertreibe. Sie zerfließt in Selbstmitleid. Und schnell kommt raus, dass sie alles dafür getan hat, um für  ihn „perfekt“ zu sein. Und der geübte Leser wird hier sofort sagen: „ja Mädel, vielleicht war das ja der Grund? Wieso verbiegst du dich so für ihn?“. Auch Hugo, ihr bester Freund noch aus Grundschultagen, versucht ihr immer wieder klar zu machen, dass Marc nicht der richtige für sie ist. Man mag ins Buch springen und sie anbrüllen „Hör auf ihn! Such dir lieber jemanden, bei dem du so sein kannst, wie du wirklich bist!!“.

Und als ob diese Trennung nicht auch genug wäre, verliert sie aus einem wirklich absurden Grund ihren Job und blamiert sich vor dem kompletten Freundeskreis, weil sie sich nach Jahren das erste Mal wieder betrinkt. Es steht fest, Mias Leben ist im Eimer. Aber auch bei Hugo sieht es nicht all zu rosig aus. Fast 30 Jahre und noch nie eine Freundin, oder gar einen Kuss (geschweige denn das Erste Mal) kann der Junge mit dem Waschbärbauch vorweisen. Den beiden ist klar, dass sie etwas ändern müssen und ausgerechnet ein kleines Mädchen bringt die beiden auf die großartige Idee, einmal um die Welt zu reisen. Okay, die ganze Welt wird es nicht werden. Und länger als drei Wochen können sie auch nicht weg. Und dann wäre da auch noch Hugos Kater Marie. Aber was kann da schon schiefgehen?

Die Autorin hat wirklich einen tollen Humor. Die Erlebnisse, so absurd wie sie teilweise sind, konnten mich wirklich zum Lachen bringen und wirkten in keiner Weise überzogen oder künstlich witzig. Trotz der anfänglichen Oberflächlichkeit bekommt der Roman nach und nach eine Tiefe, die ich mir für jede Lektüre dieser Art wünsche, aber oft nur bei Autorinnen wie Kerstin Gier o.ä. finde.

Auch wenn die großen beiden Aspekte des Romans das Überstehen der Zurückweisung sowie die erfolgreiche Entjungferung sind,  bleibt genügt Raum für kleine Geschichten aus dem Alltag der beiden.

Ein ganz besonderer Punkt war für mich die Freundschaft der beiden. Sie wirkt echt. Direkt aus dem Leben und auf eine wunderschöne Weise ehrlich.

Die bereisten Städte (die ich euch nicht spoilern werde) werden sehr bildhaft beschrieben. Man hat das Gefühl, mit den Charakteren vor Ort zu sein.

Seifried konnte vor allem mit der Charakterentwicklung bei mir Punkten und mit dem Ende war ich mehr als glücklich, obwohl – und gerade weil – ich ein komplett anderes befürchtet hatte.

Den einen Stern habe ich abgezogen, weil dieser Roman auch wunderbar ohne die typischen „Frauenroman“ Klischees ausgekommen wäre. Das hat die Autorin gar nicht nötig. Auch waren mir ein, zwei Begebenheiten ein wenig zu konstruiert.

Er hätte übrigens auch gut ohne den Kater funktioniert. Bitte für das echte Leben notieren: Katzen, die nicht gerne von Zuhause weg sind nicht mit auf solche Reisen nehmen! Danke, eure Katzen-Mama. 🙂

Zitat:

„Es wird dein ganzes Leben lang immer eine Dielende geben. Irgendjemanden, der etwas besser kann oder dem es besser geht als dir selbst. Und bei dir ist das vielleicht nur eine Person. Ich kann dir hundert Leute aufzählen, die ich beneide, aber was nützt es?“ – Seite 35

Fazit:

Eat, Pay, Love meets Chic-Lit. Ein tolles Buch für amüsante Lesestunden. Verdiente 4 Sterne.

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