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[Rezension] Sternenhimmeltage von Trish Doller

 

 

Titel: Sternenhimmeltage
Autor: Trish Doller
Verlag: Carlsen Verlag
Genre: Jugendbuch, Coming of Age
Erscheinungsdatum: 01.07.2016
Isbn: 978-3-551-31439-0

Ich danke dem Carlsen Verlag für die Übersendung des Rezensionsexemplars.

 

 

 

Inhalt:

Zwölf Jahre zieht Callie schon mit ihrer Mutter von Ort zu Ort, als eine Polizeikontrolle alles verändert. Plötzlich steht die 17-Jährige in einem Hafenstädtchen in Florida, vor einem Mann, an den sie sich kaum erinnert: ihr Vater Greg. Denn Callies Mutter hat sie als Kind entführt… Obwohl Greg und seine Familie sie herzlich aufnehmen, fällt Callie das neue „alte“ Leben nicht leicht. Zum Glück gibt es Alex, den jungen Schwammtaucher, in dessen Nähe sie sich auf Anhieb wohlfühlt. Doch kann – und will – Callie wirklich bleiben?

Meinung:

Während ich diese Zeilen schreibe, hängen die Gefühle, die das Lesen des Romans in mir ausgelöst haben noch nach. Gestern Abend nach dem zu Bett bringen meiner Tochter habe ihn begonnen und konnte ihn kaum aus der Hand legen. Nun liegt er frisch zugeklappt neben mir und ich habe dringend das Bedürfnis euch mitzuteilen, warum er mir so gut gefallen hat.

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Ich bin wirklich sehr gut in das Buch reingekommen. Es wird, wie viele Bücher des Genres auch, aus der ersten Person erzählt, wodurch Callies Gefühlswelt für den Leser komplett offen gelegt wird. Dieser Schreibstil, der zwar jugendlich wirkt jedoch einen gewissen Tiefgang aufweisen kann, nimmt einen mit auf Callies Achterbahnfahrt der Gefühle. Ihre Liebe zu ihrer Mutter, aber auch der Ärger auf sie über das unstetige Leben und das Entreissen des Vaters werden sehr anschaulich und realistisch geschildert. Die Verhältnisse, in denen sie aufwachsen musste, haben sie gezeichnet. Im Gegensatz zu anderen Büchern dieser Art merkt man die Recherchearbeit, die für das Beschreiben eines solches Szenarios von Nöten ist, die in dieses Werk eingeflossen ist. Wer eine solche Kindheit und eine derart kaputte Mutter hat ist selbstweit ein Stück gebrochen. Oft muss ich bei Büchern mit einem solchem Themenkomplex – vor allem wenn es sich um New Adult handelt – bemängeln, dass die Protagonistinnen schon nach kürzester Zeit ihre Gemütsstimmung auf fröhlich vergnügt – und vor allem – schwer verliebt, ändern.  Callie fasst nur langsam Vertrauen zu dieser, ihr völlig neuen, Welt und jeder ihrer Handlungen wirkt dabei echt und nicht an den Haaren herbeigezogen. Ich hatte zugegebenermaßen ein wenig die Sorge, dass auch hier die Hauptcharakterin, das Geschundene Mädchen, sich sofort der neuen Situation anpasst, als hätte es ihr altes Leben nicht gegeben. Darauf folgende Partys und ein Leben in Saus und Braus. Doch stattdessen fiebert man Callies Zerrissenheit zwischen dem Gefallen an ihrem neuen Familienglück und dem Zurückwünschen zu ihrem alten, vertrauten, Leben mit. Der Roman konnte mit einem Tiefgang überraschen, den ich mir für mehr Bücher dieser Art wünschen würde. Callie hat trotz des endlich vorhandenen Lebens mit ihrem Vater, das sie sich schon so lange gewünscht hat, weiterhin mit den Spuren der Vergangenheit zu kämpfen und lernt langsam, was es wirklich heißt, eine Familie zu haben. Ihre Mutter hat aus Liebe und Verlustangst und den Zwängen ihrer Krankheit heraus gehandelt. Und trotz allem was vorgefallen war, ist Callie nach wie vor an ihrer Seite. Aber, wie weit darf die Liebe einer Mutter gehen und wie viel kann so ein Kinderherz verkraften?

Aufgrund ihrer Erfahrungen in der Vergangenheit muss Callie außerdem lernen, was echte Freundschaften und Beziehungen bedeuten. Die aufkommende Romanze zeigt ebenfalls ein realistisches Gesicht. Da wird nicht von ewiger Liebe nach dem ersten Treffen, jedoch von zuvor nie gefühltem Vertrauen und Geborgenheit gesprochen.

Wie man im Anhang der Autorin erfährt, gibt es das griechisch geprägte Hafenstädtchen Tarpon Springs auch in der Realität. Der Ort und vor allem seine Bewohner wurden lebhaft und liebevoll beschrieben. Ab und an hatte ich tatsächlich nicht mehr das Gefühl, vom Setting her in den USA zu sein. Ein wahrscheinlich interessanter Schauplatz. Wenn euch das Spiel „Life is strange“ gefallen hat, werdet ihr dieses Buch auch mögen. Es gibt zwar keine Zeitsprünge, aber das leicht melancholische Gefühl, das einen beim Spielen stets begleitet hat, ist auch hier wieder zu finden.

Der Abschluss des Romans lässt mich wehmütig zurück aber ich bin dankbar über diesen Ausgang. So habe ich ihn mir gewünscht und nur so ist er dem Rest des Romans würdig.

Ich kann mir das Buch auch gut als Lektüre für Schulklassen vorstellen.

Zitat:

„Ich frage mich, ob ich auch so denken würde, wenn ich mein ganzes Leben in dieser Stadt verbracht hätte und nicht das Mädchen wäre, das genug davon hat, durch die Gegend zu ziehen, das einfach eine Weile an einem Ort bleiben möchte“ – Seite 245

Fazit:

„Sternenhimmeltage“ ist ein gefühlvoller Jugendroman über das zu Hause ankommen. Ein Zuhause, was man nie gekannt, jedoch immer vermisst hat. Es ist ein Buch, das auch ältere Leser begeistern wird und mit einer unerwarteten Tiefe aufweisen kann. Reichlich verdiente 5 von 5 Sterne.

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