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Rezension zu Bluescreen von Dan Wells

Rezension zu Bluescreen von Dan Wells

Titel: Bluescreen
Autor: Dan Wells
Übersetzer: Jürgen Langowski
Verlag: Piper
Genre: Sci-Fi/Jugendbuch?
Preis: 12,99 €
Erscheinungsdatum: 04.10.2016
Isbn: 978-3492280211

„Bluescreen“ ist der erste Band der Mirador-Reihe. Wann der nächste Teil erscheinen wird ist mir noch nicht bekannt.


Rückentext:

Los Angeles im Jahr 2050: Eine Stadt, in der du tun und lassen kannst, was du willst – solange du vernetzt bist. Durch das Djinni, ein Implantat direkt in deinem Kopf, bist du 24 Stunden am Tag online. Doch im Netz lauert ein dunkler Feind, der nur auf dich gewartet hat…

Meinung:

Der Titel ist mir bereits vor Erscheinungsdatum ins Auge gefallen. Mehrfach schlich ich um ihn herum und entschloss mich dann letzte Woche doch für den Kauf. Der Rückentext klang einfach zu spannend, um dieses Buch nicht zu lesen. Jedoch konnte dieses „anteasern“ meine Erwartungen nicht erfüllen:

Zum einen war mir nicht klar, dass es sich bei diesem Titel um Jugendbuch handelt. Der oben zitierte Rückentext lies nicht darauf schließen und ich habe mir abgewöhnt, die längere Inhaltsangabe im Inneren zu lesen, da ich dort häufig für das komplette Buch gespoilert wurde. Wie mittlerweile bekannt sein dürfte, bin ich ein großer Fan von Jugendbüchern jeglicher Genres. Warum störte es mich also hier? Es ist zum einen die Erwartungshaltung. Man beginnt einen Roman und erwartet, eine ungefähre Richtung vorzufinden. Stellt sich dann heraus, dass der Inhalt etwas komplett anderes bereithält, kann sich schnell Enttäuschung breitmachen. Aber vor allem war es hier die Art und Weise der Umsetzung. Es gibt wahnsinnig viele Jugendbücher, die man unabhängig der Altersempfehlung lesen kann. Sei es zum Beispiel, weil der Held für sein Alter besonders reif und weltgewandt ist. „Bluescreen“ gehört nicht zu dieser Sorte. Dan Wells hat es geschafft, dass ich mit keinem der vorkommenden Charaktere warm werden konnte.

Marisa und ihre Freundinnen gehören einer Gruppe Overworl-Spielerinnen an. Sie führen kämpfe in fiktiven VR-Welten durch, schwänzen die Schule und schlagen sich die Nächte in Clubs um die Ohren. Man kann sich nicht entscheiden, ob das Kleid zu kurz und der Dealer, der deine beste Freundin abschießt nicht doch irgendwie attraktiv ist. Hätte ich ein solches Drama gewollt, wäre ich auf Gossip Girl umgestiegen. Ihre Familie, aber besonders Marisa und ihr Freundeskreis blieben für mich komplett blass und austauschbar und bedienen dabei sämtliche Klischees, die man Jugendlichen nur so anheften kann. Bei Marisas kleiner Schwester hatte ich ständig Pinkie Pie aus My little Pony vor Augen.

Der Schreibstil konnte mich dann auch nicht mehr abholen. Auch wenn die Eingangsszene zunächst noch spannend gestaltet wurde, driftete es schnell in das Alltagsleben von Marisa ab. Erst im weiteren Verlauf, als sie selbst plötzlich zwischen der Droge und der Realität hin- und hergerissen scheint, wird erneut Spannung erzeugt. Zu diesem Zeitpunkt hatte mich Wells allerdings schon verloren.

Ich hatte auch nie ein Gefühl dafür, wie ich mir diese fiktive Zukunft vorzustellen haben. Los Angeles besteht aus weiten Teilen aus Slums. Marisas Familie schlägt sich mit dem Familienrestaurant gerade so durch aber anscheinend hat sie dennoch genügend Geld für ihre technischen Spielzeuge, Partys und Kleidung. Es wird auf die reichen Kinder geschimpft, aber bis auf die Tatsache, dass diese in großen Häusern leben, sehe ich keinen großen Unterschied. Im Rückentext wird davon gesprochen, dass „du tun und lassen kannst, was du willst – solange du vernetzt bist“. Dies trifft wenn überhaupt nur dann zu, wenn man wie Marisa ein Hacker ist und sich so mal eben aus der Schule schleichen kann.

Die eigentliche Botschaft, ein kritischer Umgang mit unserer medialen Welt, ging irgendwann einfach für mich unter. Ich wollte wirklich eine sachliche und objektive Meinung zu diesem Buch verfassen aber ich hatte schon sehr früh einen Punkt erreicht, an dem ich mich nur noch bis zum Ende hin durchgequält habe. Dabei hätte der Roman sehr viel zu bieten: Ein (virtueller) Drogenkrieg, Onlinegames ähnlich wie Overwatch, Roboter, die einem den Haushalt abnehmen, Action und eine gruselige Vorahnung dessen, was uns in Bezug auf die Digitalisierung erwarten könnte.

Fazit:

Dan Walls konnte mich mit seinem Auftakt zur Mirador-Reihe leider nicht abholen. Es waren vor allem die stereotypischen Charaktere, die mir das Lesen erschwert haben. Als dann einmal die Luft raus war, konnte mich auch der Spannungsaufbau zum Ende hin nicht mehr mitreissen. Somit gehört „Bluescreen“ zu einem weiteren Roman, dessen Reihe ich nicht vervollständigen werde.

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