Rezensionen

[Rezension] Frostfluch von Jennifer Estep

Daten:

frostfluch

Titel: Frostfluch „Mythos Academy 2“
Autor: Jennifer Estep
Übersetzer: Vanessa Lamatsch
Verlag: Piper
Genre: Urbanfantasy, Jugendbuch
Preis: 9,99 €
Erscheinungsdatum: 13.07.2015
Isbn: 978-3492280327

Klappentext:

Gwen Frost lebt. Noch. Denn die Schnitter des Chaos haben es auf sie abgesehen. Und deshalb muss Gwen an der Mythos Academy kämpfen lernen.

Meinung:

Nachdem der erste Teil der Reihe – „Frostkuss“ – wider erwarten spannend und unterhaltsam war, hatte ich mir direkt den nächsten Teil der Serie bestellt. Doch leider konnte die Fortsetzung meine Erwartungen in keiner Weise erfüllen.

Geschuldet ist dies zum größten Teil der Wiederholungen, mit denen versucht wurde, das Buch künstlich in die Länge zu ziehen. Bis ca. Seite 68 bestand der Roman tatsächlich nur aus der Wiedergabe des ersten Bandes. Mir ist klar, dass ursprünglich zwischen den Erscheinungsdaten im amerikanischen Original größere Abstände lagen. Doch sollte man den Lesern – auch wenn es sich zum großen Teil um ein junges Publikum handelt – durchaus zutrauen können, sich an die Begebenheiten aus dem Vorgänger erinnern zu können. Ein solche Reihe, die aufeinander aufbaut, wird in der korrekten Reihenfolge gelesen. Es macht überhaupt keinen Sinn, die Anfänge der Bücher so zu gestalten, dass Quereinsteiger locker hinein finden könnten. Eine kurze Wiedergabe am Anfang muss einfach ausreichend sein. Vor allem, da sich diese Wiederholungen noch bis über Seite 100 weiter durchziehen. Zwar kommt die Story zu diesem Zeitpunkt endlich weiter ins Rollen, doch jedes Mal wenn man denkt, jetzt geht es einfach nur weiter, werden offensichtlich Dinge aus dem ersten Band wieder aufgewärmt. Dieser Umstand hat mir den Lesespaß wirklich arg verdorben. Und soweit ich das von anderen Lesern, die bereits die andern Bände gelesen haben, erfahren habe, wird sich in den Folgebücher nichts dahingehend ändern. Natürlich kann man Bücher auch auf diese Art und Weise füllen, aber ich sehe dies als Verrat an den Lesern an. Die Spannung wurde bewusst auf die letzten 100 Seiten gelegt, damit man das Gefühl bekommt, unbedingt weiter lesen zu wollen. Dies hatten wir bereits – wenn auch nicht in einem ganz so krassen Rahmen – bei House of Night (auf das ich auch noch einmal Bezug nehmen muss) und bei der Selection Reihe. Seifenopern im free tv funktionieren auf der selben Basis.

Wie wäre meine Bewertung ohne diesen schlechten Einstieg in das Buch ausgefallen? Auch nicht viel besser. Da der Klappentext nicht viel zur Geschichte verrät, eine kurze Einführung ohne Spoiler:

Es ist Winter und die Mythos Academy macht ihren jährlichen Ausflug in die Berge zum Winterkarneval. Alle freuen sich auf das Skifahren, auf die Jahrmärkte und die wilden Partys bei Nacht. Alle, außer Gwen. Obwohl sie mittlerweile Freunde gefunden hat, fühlt sie sich immer noch als Außenseiterin zwischen all den reichen Kids. Wer jetzt sagt, „hey, das kenne ich doch bereits aus Band 1“: ja ihr Selbstmitleid zieht sich auch wieder komplett durch diesen Teil der Reihe. Auch eine Entwicklung ihres Charakters, der noch gegen Ende von Teil 1 zu spüren war ist hier nicht mehr vorhanden. Eher im Gegenteil. Auch wenn man den Umstand betrachtet, dass sie 17 ist, gerät sie aufgrund ihres naiven Verhaltens von einer dummen Situation in die nächste. Es wirkt, als ob ihre Entwicklung in die entgegensetzte Richtung verläuft. Und egal was irgendeine Figur vorher angestellt hat: hilft sie ihr einmal, ist plötzlich alles vergessen und alle reiten gemeinsam lächelnd in den Sonnenuntergang…

Um meinen Unmut über ihr Verhalten einmal zu verdeutlichen: Man ist aus Romanen dieser Art gewöhnt, dass die Hauptcharakterin entweder das unscheinbare graue Mäuschen, was sich ihrer Wirkung auf andere nicht bewusst oder eine Kämpferin wie zum Katniss aus den Hunger Games Büchern ist. Gwen Frost schießt meiner Meinung nach hier mit der ersten Position den Vogel ab. Ist sie doch der Meinung, dass Jungs, die nach ihrem Wissen doch einen ganz bestimmten Schwarm habe, aufgrund dieses Schwarms eigentlich nicht mit ihren reden können. Genau, weil man sich ausschließlich mit dem anderen Geschlecht unterhält, wenn man sich zu diesem sexuell hingezogen fühlt. So geschehen auf Seite 139.

Die Freundschaften, die sie bereits im ersten Band geschlossen hat und wahnsinnig konstruiert wirkten, werden hier um ähnliche Konstellationen erweitert. Dies liegt vor allem daran, dass den Nebencharakteren einzig klischeehafte Wesenszüge verliehen und ansonsten kaum Raum zur Entwicklung gelassen wurden. Sie wurden um die Hauptcharakterin gescharrt um dieser in den entsprechenden Situationen aus der Patsche zu helfen.

Die Ähnlichkeiten zu der Vampir Reihe House of Night von P.C. und Kristin Cast nehmen leider auch immer mehr zu. Wenn man noch ein wenig Harry Potter und Percy Jackson hinzu nimmt, hat man die größten Fandomes alle mit eingearbeitet.

Hat sich die Autorin im ersten Buch noch recht Mühe mit dem Schreibstil gegeben, den ich ja auch in meiner vorherigen Rezension gelobt hatte, driftet er hier in ein seltsames Niveau ab. Das Wiederholen von Wörtern wird als Stilmittel verwendet, um Situationen besonders zu betonen. Meiner Meinung nach funktioniert dies noch nicht einmal in Kinderbüchern. Hier sind die Leser des Romans im Original gefragt. Gab es in der amerikanischen Fassung ebenfalls solche „Ergüsse“:

„[…] Er sah mich mit seinen roten, roten Augen an […]“ – Seite 188; […] der Fenriswolf gab ein schreckliches, schreckliches […] – Seite 190; […] Es muss wirklich, wirklich gut geschmeckt haben […] – Seite 232

um mal nur ein paar davon zu nennen.

Fazit:

Was so hoffnungsvoll mit Band 1 begonnen wurde, wurde mit diesem Teil zu Grabe getragen. Der Roman besteht zum größten Teil nur aus Aufwärmungen aus dem Vorgänger. Erst auf den letzten 100 Seiten wird das Spannungspotenzial genutzt, was aber nicht heißt, dass alle Handlungen und Geschehnisse einer bestimmten Logik gefolgt sind. Bis zum Ende, dass noch einmal richtig mit Spannung und fantastischen bzw. mythologischen aufwarten kann, ist der Rest des Buchs einfach nur mit wahnsinnig viel Teenie-Drama gefüllt.

Für mich war Teil 2 eine Enttäuschung aufgrund derer ich die Reihe nicht fortsetzen werde.

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1 thought on “[Rezension] Frostfluch von Jennifer Estep

  1. Hey Kitsune 🙂
    Da bin ich aber froh nicht weitergelesen zu haben, das hört sich wirklich schräg an 🙁 Vor allem diese Wiederholungen würden mich extrem stören. „Rote, rote Augen“ ehm was? Wie können rote Augen noch roter sein?
    Das Ganze klingt wirklich nicht nach einer Buchreihe die ich mag, zum Glück habe ich nur Band 1 gelesen 😄
    Liebe Grüsse
    Julia

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