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[Rezension] Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher

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Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Autor: Jay Asher
Übersetzer: Knut Krüger
Verlag: cbt
Genre: Jugendbuch
Preis: 8,99 € Taschenbuch / 7,99 € ebook
Erscheinungsdatum: 08.10.2012
Isbn: 978-3570308431

Klappentext:

Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf »Play« – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon

Meinung:

Erstmalig auf den Autor aufmerksam wurde ich durch sein Buch „Dein Leuchten“, welches um die Weihnachtszeit rum gefühlt auf jedem Blog und jedem Bookstagramprofil zu finden war. Gelesen habe ich es allerdings nicht. Da nun eine Serienadaption zu seinem Buch „Tote Mädchen lügen nicht“ (im Original „Thirteen Reasons Why) für Ende März auf angekündigt wurde, musste ich es vorher einfach noch schnell lesen. Auch wenn ich mir Serien und Filme damit selbst spoilere, so würde mir doch der „Da war im Buch aber anders!“ Aspekt fehlen.

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Das Buch startet direkt mit dem Erhalt des Päckchens und auch wenn Clay dies zunächst noch für einen miesen Scherz hält, wird doch schnell klar: Es ist Hannahs letzte Botschaft. Namen und Orte sollen erklären, warum sie diesen verzweifelten Schritt gegangen ist. Clay ist sich sicher, dass er nichts mit ihrem Tod zu schaffen hat. Aber wieso erhält er dann die Kassetten? Er hat sich doch wirklich nichts zu Schulde kommen lassen, war immer nett zu ihr. Oder etwa doch nicht? Mit Clay zusammen muss der Leser herausfinden, welche Umstände zu Hannahs Tod geführt haben. Ihre Aufzeichnungen werden kursiv dargestellt, um sie von Clays Erzählungen zu unterscheiden.

„Ich bin mir sicher, dass ich auf dieser Liste nichts zu suchen habe. Ich habe nichts Falsches getan“

– Seite 45

Schnell war ich von der Geschichte gefesselt und sehr zu zum Leidwesen meines Schlafbedürfnisses habe ich das Buch an einem Abend/einer Nacht zu Ende gelesen. Das Gefühl, unbedingt über jedes Detail bescheid wissen zu wollen, war einfach zu groß und mit einem flauen Gefühl im Magen bin ich schlafen gegangen. Der Roman hinterlässt einen üblen Beigeschmack, denn die Botschaft ist klar: Überlege gut dein Handeln und deine Worte, denn sie können schlimme Folgen nach sich ziehen. Gerade unter dem Aspekt, dass dies ein Jugendbuch ist, finde ich die Message was dies anbelangt, gut umgesetzt. Fachlich bin ich jedoch nicht ganz überzeugt worden. Dies liegt vor allem an Hannahs Gefühlen. Es ist hart und es tut mir leid, weil sie nunmal das Opfer in dieser Geschichte spielt, aber ich habe nicht mit ihr als Person, sondern vielmehr mit all den echten Menschen, die Mobbing zum Opfer gefallen sind/fallen mitgefühlt. Weil ich genau weiß, dass diese Dinge da draußen im „echten Leben“ passieren. Doch um mit Hannah mitfühlen zu können, war sie als Figur zu unausgebaut. Die Einblicke in ihre Psyche waren dafür zu wenig. Durch die Kassetten versucht sie ehrlich zu sein und ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Alles, wirklich alles raus zu lassen,

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 was sie vorher immer nur Gedacht, aber nie ausgesprochen hat. Und entweder, sie versteckt auch weiterhin ihre Gefühle und Ängste, oder aber ihr Charakter ist einfach zu stark, zu stabil. Diese Rezension fällt mir dieses Mal wirklich schwer zu schreiben und ich hoffe ihr versteht was ich meine. Natürlich will man seinen Peinigern niemals zeigen, wie sehr sie einen

 

wirklich verletzten. Aber wenn ein Charakter mit all seinen Feinden abrechnet, sollte doch greifbar sein, woher das alles kommt. Vielleicht liegt es aber auch an der Aneinanderreihung der von ihr geschilderten Ereignisse, die eine gewisse Unglaubwürdigkeit hervorrufen. Was ich versuche auszudrücken ist, dass mir der Selbstmord einfach zu konstruiert, zu gewollt wirkt.  Ein jeder Selbstmord ist einer zu viel. Oft sind die Gründe für die Umstehenden nicht nachvollziehbar. Besonders was das Thema Depressionen betrifft, stoßen die Betroffenen auf Unverständnis – ich weiß leider, wovon ich schreibe. Deswegen: Wenn die Protagonistin, die es betrifft, nicht zu ihrem eigenen Tod passt, dann stimmt etwas mit der Umsetzung des Romans nicht. Vielleicht mag es auch an der geringen Seitenzahl (288 + große Zeilenabstände und Buchstaben) liegen, dass der Autor  hier nicht mehr in die Tiefe gehen konnte. Oder aber es sollte nicht zu krass werden, da es immer noch ein Jugendbuch ist. Meiner Meinung nach sollte gerade im Hinblick darauf, dass es sich um einen Jugendroman handelt, nichts geschönt werden.

Gut zu wissen:

Die Serie zu „Tote Mädchen lügen nicht“ startet am 31.03.2017 auf Netflix und wird 13 Folgen umfassen. In den Hauptrollen werden Dylan Minnette und Katherine Lanford die Rollen von Clay und Hannah spielen.

Quelle Bilder: imdb.com

Fazit:

„Tote Mädchen lügen nicht“ ist kein Buch, dass mich mit voller Gewalt umgehauen hat, aber dessen Botschaft eindeutig klar ist. Nicht die Geschichte selbst, sondern die, die sie weiterspinnt, macht betroffen und regt zum Nachdenken an.


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Verlag

Weitere Meinungen:

Sternenbrise
I am Jane
May4la

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25 thoughts on “[Rezension] Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher

  1. Hey 🙂

    Ich hab mir in der Zwischenzeit den Trailer der Serie angesehen – und er sieht durchaus vielversprechend aus. Die Serie bekommt also eine Chance von mir, auch wenn ich das Buch nicht so mochte :).

    Liebe Grüße
    Ascari

  2. Guten Abend 🙂

    Ich habe das Buch auch die Tage gelesen, weil Ende des Monats die Serie startet. Die werde ich auf jeden Fall gucken.

    Mir ging’s mit dem Buch ähnlich wie dir. Einerseits konnte ich nicht aufhören zu lesen (bzw. hören), andererseits habe ich aber so vieles falsch gefunden..

    1. Huhu 🙂 Ich bin ja immer froh, mit meiner Meinung nicht alleine da zu stehen 🙂 Mal sehen, was die Serie so kann. Bin schon sooo gespannt. Obwohl ich mir Hannah ja ganz anders vorgestellt habe. 🙂

      1. Ich hatte sie mir blond vorgestellt. Und ein wenig mehr bitchy. Immerhin hat sie ja den heißesten Arsch der Stufe 😀

        Bei Beschreibung des Aussehens von Figuren passe ich immer nicht so richtig auf, muss ich leider zugeben. Ich habe immer einfach IRGENDEIN Bild im Kopf und wenn das Buch dann verfilmt wird, sage ich SO SIEHT SIE GAR NICHT AUS, auch wenn sie vllt genau so aussieht wie im Buch beschrieben :’D

  3. Huhu (:

    ich habe das Buch damals gelesen, als es erstmals erschienen ist. Das war 2007 und ich passte damals perfekt in die Zielgruppe. Gerade 13 Jahre alt und als ich es ausgelesen hatte, war ich unfassbar berührt und traurig. Ich weiß, dass ich das Buch unfassbar gut gefunden habe, weil es eben nicht so eine Friede, Freude, Eierkuchen Thematik hatte.
    Allerdings bin ich mir mittlerweile sicher, dass ich das Buch nach 10 Jahren nun auch anders sehen werde. Vielleicht wird es tatsächlich Zeit, das Buch erneut zu lesen und mir nun tiefergehende Gedanken darüber zu machen. Mit 13 hat man eben kaum Erfahrungsschatz und Wissen, das in diesem Bereich wichtig wäre.
    Eine sehr schöne Rezension, die mir das Buch wieder zurück ins Gedächtnis gerufen hat.

    Liebe Grüße!
    Anna

    1. Grüß dich. So geht es mir mit einigen Büchern, die ich vor zehn Jahren (oder länger) gelesen habe und die mir damals gut gefallen haben. Oft denke ich über ein Re-Read nach aber dann mache ich es doch nicht aus Angst, den „Zauber“ von damals zu zerstören. 🙂

      1. Ja das stimmt, die Angst, dass es dann einfach nicht mehr so ist wie früher, schreckt manchmal schon ab.. naja, mal sehen ob ich überhaupt die Zeit finde, das Buch ein zweites Mal zu lesen xD

  4. Sehr schöne Rezension!
    Ich kann auch deine Kritik verstehen. Ich kann nicht ganz verstehen, warum sie sich umgebracht hat (was man wahrscheinlich nie verstehen wird, wenn man nicht in solch einer Situation isz). An sich waren die einzelnen Gründe ja eher klein. In dem Bich geht es ja darum wie eins zum anderen führt und alle zusammen genommen hat sie dann wohl so belastet. Dennoch hat auch mir ein wenig mehr Zweifel bei ihren Nachrichten gefehlt. Aber vielleicht hat Hannah auch vor dem Aufnehmen der Kasetten damit abgeschlossen. Und ja vielleicht liegt es auch daran, dass es ein Jugendbuch ist und eine Art Thriller und nicht nur Drama.
    Danke fürs Verlinken 🙂

    1. Vielen Dank. Ja genau, verstehen kann es meist nur derjenige selbst. Aber in diesem speziellen Fall war es mir einfach zu sehr konstruiert. Es musste eine Kette geschaffen werden, egal wie. Ich hoffe man versteht mich. 🙈

  5. Ich hab das Buch vor einigen Jahren gelesen und war begeistert, jetzt bin icb davon nicht mehr sehr überzeugt. Die Message vom Buch find ich super. Man sollte sich bewusst sein, wie die eigene Sprache und das Verhalten andere Menschen verletzen kann.
    Ich erinner mich gut daran, dass ich Hannah zu „oberflächlich“ beschrieben fand. Wie du sehr gut beschrieben hast, hat man das Gefühl dass sie etwas zurückhält.
    Liebe Grüsse
    Julia

  6. Tolle Rezension! Es ist gut, dass du das Thema auch so kritisch beleuchtest. Bei mir ist es schon ein paar Jährchen her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich weiß noch, dass mir das Ende damals etwas prompt kam. Und dass es mich sehr betroffen gemacht, vor allem als sich in einer Stadt ganz in meiner Nähe ein Mädchen das Leben genommen hat, nach Hannahs Vorbild.
    Jetzt freue ich mich auch auf die Serie und will vorher auch unbedingt das Buch noch mal lesen – Danke, dass du mich daran erinnert hast!

    1. Hallo und vielen Dank, diese Rezension hat mich wirklich ins Schwitzen gebracht. Ich will auf keinen Fall etwas relativieren. Ich bin schon sehr auf die Serienumsetzung gespannt. Lass uns doch nach schauen der ersten Folge austauschen, wenn du magst. LG, Kit

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