Buch vs. Film, Highlights

[Buch vs. Film] 13 Reasons Why

Hallo meine Lieben!

Nachdem ich vor kurzem die Netflix-Serie zu „Tote Mädchen lügen“ nicht und über Ostern den Film zu „Nerve“ beendet habe, kann mir die Idee für dieses neue Format. Ich bin generell nicht so der Fan von Buchverfilmungen, da diese tödlich in die Hose gehen können (bestes Beispiel Eragon), aber es gibt auch einige Fälle, in denen mir die Serie (PLL, TVD) oder der Film (Gone Girl) besser gefallen haben. Zur Allgemeinen Information muss ich noch dazu sagen, dass wir Serien und Filme im Original (bei Englisch mit englischen, bei allen anderen Sprachen mit deutschen Untertiteln) schauen. Ob ich das Buch auf Deutsch oder Englisch gelesen habe, werde ich dabei schreiben (hier: Buch auf Deutsch, Serie auf Englisch), eine evtl. Rezension verlinken.

Heute mag ich euch meine Eindrücke zur Serie 13 Reasons Why schildern.

Eckdaten:

Originaltitel: 13 Reasons Why
Deutscher Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Verfügbar auf: Netflix
Serienstart: 31.03.2017
Staffeln: 1 (eine weitere ist ist Planung)
Folgen: 13
Cast: Dylan Minette, Katherine Langford
IMDb Bewertung: 9/10

Diese Bewertung wird Spoiler erhalten. Wenn ihr also weder das Buch gelesen, noch die Serie geschaut habt, lest bitte nicht weiter und wenn doch, dann auf eigene Gefahr.

Ebenso spreche ich für die Serie eine Triggerwarnung aus für alle, die weder sexuelle Gewalt, noch SVV in expliziter Darstellung sehen können. Mehr dazu aber später.

Inhalt:

Zwei Wochen nach dem Selbstmord seiner Mitschülerin Hannah Baker erhält der High-School-Schüler Clay Jensen ein Päckchen von Hannah. In diesem findet er mehrere Kassetten vor, auf denen Hannah 13 Personen Schuld an ihrem Selbstmord, darunter auch Clay, gibt. Während er die Kassetten hört, kommt er den dunklen Geheimnissen von Hannah und vielen anderen Mitschülern auf die Spur.

Meinung:

Wie ich bereits in meiner Rezension zur Romanvorlage angemerkt, habe ich mir das Buch nur geholt, um vorbereitet in die Serie starten zu können. Mein größter Kritikpunkt am Roman ist, dass er für mein Empfinden den Selbstmord glorifiziert und romantisiert. Es werden keine Konsequenzen aus den Handlungen der Mitschüler gezogen oder Alternativen aufgezeigt, wie man sich Hilfe suchen kann. Versteht mich bitte nicht falsch. Gerade ich bin ein Fan von Büchern ohne Happy Ends. Es geht mir nicht darum, dass Hannah diesen Schritt gegangen, sondern wie der Autor damit umgegangen ist gerade in Bezug darauf, dass der Roman für ein jüngeres Publikum gedacht ist.

Im Gegensatz zum Buch, verläuft die Handlung in der Serie über mehrere Tage. Buch-Clay hört sich alle Tapes innerhalb einer Nacht an und interagiert auch nicht mit den anderen Leuten, die auf den Tapes verewigt worden sind. Dies stellt damit auch den größten Unterschied zwischen Roman und Serie dar. Dadurch gibt es im Buch nur zwei Erzählstränge: Den von Clay in der Gegenwart und die von Hannah auf den Tapes kurz vor ihrem Selbstmord. Die Serienadaption wirft ihr Augenmerk jedoch nicht nur auf die Gründe für Hannas Selbstmord, sondern auch auf die Menschen, die sie für diesen verantwortlich macht. Hierdurch wird das scharz-weiß Konstrukt des Romans über den Haufen geworfen, was mir sehr zugesagt hat. Die Botschaft, die sowohl Buch als auch Serie überbringen wollen ist die, dass man seine Worte und Taten gut wählen und abwiegen sollte da man nie weiß, was sie anrichten können. Dies kommt im Roman allerdings nur sehr einseitig rüber, da wir nur Hannahs Sicht der Dinge serviert bekommen. Dadurch sind alle anderen einfach nur böse. Die Serie beleuchtet hingegen die teilweise schwierigen Verhältnisse, aus denen Hannahs Mitschüler kommen und zeigen dadurch, warum sie so geworden sind, wie sie eben sind. Dies rechtfertig keinesfalls ihre Taten, lässt sie aber menschlicher erscheinen und nicht so plakativ und schemenhaft wie in der Romanvorlage.

Dass die Serie auf 13 Folgen aufgeteilt wurde, liegt aufgrund der 13 Tapes nahe, sie wurde in meinen Augen jedoch sehr dadurch aufgebauscht. Clay läuft verzweifelt durch die Gegend und fragt sich, warum ausgerechnet er was damit zu tun haben soll und man möchte ihn permanent anschreien, doch einfach weiter zu hören. Selbst die anderen weisen ihn mehrfach daraufhin. Ein paar Folgen weniger hätten der Serie dadurch wirklich helfen können, Längen zu vermeiden.

Natürlich hat jeder beim Lesen eines Romans andere Vorstellungen davon, wie die einzelnen Charaktere aussehen. Selbst dann, wenn sie im Vorfeld beschrieben werden. Somit kann man es auch keinen Leser/Zuschauer recht machen, wenn der Cast gewählt wird. Katherine Langford wäre dadurch auch niemals meine erste Wahl gewesen, um die Rolle der Hannah zu besetzen. Dafür entspricht sie einfach viel zu wenig den Beschreibungen im Roman. Da sie ihre Rolle in meinen Augen jedoch gut gespielt hat, habe ich irgendwann einfach über die Unähnlichkeiten hinweg gesehen.

Achtung, es folgt sensibler Inhalt.

Im Gegensatz zum Roman werden die Vergewaltigungen (Anmerkung: Im Roman ist es nur eine) und der Selbstmord explizit gezeigt. Es wird weder ausgefadet, noch eine Filmeinstellung gewählt, in der man nur teile der Szenerie sieht. Nein, es wird voll draufgehalten. Für diese drei Folgen gibt es zu Beginn auch Triggerwarnungen, denen man wirklich folgen sollte, wenn man darauf sensible reagiert. Für mich waren die Vergewaltigungsszenen viel zu heftig und ich habe mich ohrenzuhaltend weggedreht und habe gewartet, dass mich Martin darauf hinweist, dass es weiter geht. Und obwohl ich durch diese beiden Umstände hätte gewarnt sein müssen, hat mich der Suizid kalt erwischt. Die Serie schönigt wirklich nichts und so muss der Zuschauer dabei sein, wenn sich Hannah in der Badewanne die Pulsadern aufschneidet. So heftig wie alleine schon dieser Teil war, so gab mir die darauf folgende Szene den Rest, in der Hannah von ihren Eltern gefunden wurde. Seitdem ich selbst Mutter bin reagiere ich auf so etwas noch mehr, als vorher schon. Ich will nicht sagen, dass mir das Leiden von ihren Eltern mehr zusetzt, als Hannahs Pein, aber der Gedanke, seine eigenen Kinder so vorfinden zu können sorgt dafür, dass sich mir der Magen umdreht. Danach mussten wir auch erst einmal pausieren, um das Gesehene verarbeiten zu können.

Was ich noch erwähnt haben möchte: Es gibt Leute die andere angekreidet haben zu spoilern, in dem sie im Netz über Hannahs Selbstmord geschrieben haben. Dies ist eindeutig kein Spoiler! Die Inhaltsangabe verrät dies und auch der Umstand, dass in den ersten Folgen bereits über ihre Beerdigung gesprochen wird.

Wer konnte mich mehr Überzeugen:

13 Reason why oder eben „Tote Mädchen lügen nicht“ ist eine der Beispiele die zeigen, dass es eine filmische Adaption eben doch besser machen kann. Den Umstand, dass immer mehr Bücher statt in Filme in Serien adaptiert werden begrüße ich sehr. So kann wirklich das ganze Potenzial ausgeschöpft werden. Dinge, die dadurch hinzugedichtet werden (bei zum Beispiel bei Game of Thrones) funktionieren nicht immer, im Fall von 13 Reasons why haben sie der Geschichte jedoch gut getan. Was ich von der Information, dass es eine weitere Staffel geben soll, in der die Gerichtsverhandlungen behandelt werden halten soll, weiß ich noch nicht und dazu muss ich mir erst noch ein paar Gedanken machen. Die Idee hört sich grundsätzlich gut an, den Abschluss von Staffel 1 fand ich jedoch gut gewählt und das bewusste offen lassen schafft genug Raum für eigene Spekulationen. Ich würde das Buch der Serie vorziehen, aufgrund des expliziten Inhalts ist jedoch nicht dafür geeignet von jedem geschaut werden zu können.

 

Bildquelle: imdb.com

4 thoughts on “[Buch vs. Film] 13 Reasons Why

  1. Hut ab – ich hab direkt aufs Buch verzichtet 😛

    Ich hatte auch damit geliebäugelt einen Beitrag zu mindestens zur Serie zu schreiben … dann aber – warum auch immer – wieder verworfen, somit lese ich einfach deinen und gib hier meine Worte wieder (=

    Interessant, denn bei der Serie dachte ich auch wirklich immer „Warum braucht er so lange, ich würde das nicht über Tage machen“ – erklärt sich aber auch gut selbst, eben da es auch um die „Neben“Charaktere geht, ihre Sichtweise/ihr Part – die Auseinandersetzungen miteinander – somit ist es wirklich schön einen Beitrag von jemanden zu lesen, indem beides vorgestellt/verglichen wird.

    Da ich eben den Vergleich nicht habe, finde ich die Schauspielerin der „Hannah“ sehr gut gewählt, Sven und ich fanden sie gerade passend – kein Püppchen, kein Klischee

    Ich finde es sehr passend das alle Seiten beleuchtet werden und eben nichts beschönigt oder umschrieben wird – die Gedanken die sich dazu entwickeln – denn dies muss man sich bewusst machen
    -SPOILER-
    Es begann mit einem harmlosen Bild, welches zugeschnitten, verbreitet und falsch ‚hineinbeurteilt‘ wurde. Gerade dies finde ich so erschreckend und so nahe an der Realität zugleich! Und das die Serie ganz klar Trigger-Warnungen eingebaut hat gefiel mir sehr gut, in Bezug auf die Missbrauchszene, sowie auch dem Auffinden von Hannah

    Liebe Grüße
    Janna

  2. Vielen Dank für diesen tollen Vergleich!
    Ich hab das Buch nie gelesen, als es erschienen ist war ich irgendwie noch zu jung dafür und auch inzwischen hab ich kein Interesse daran. Genauso verhält es sich mit der Serie. Ich höre aus allen Ecken, wie toll die doch ist und dass ich die un.be.dingt anschauen muss. Aber irgendwie hab ich da momentan keine Lust drauf (mal abgesehen davon, dass ich kein Netflix Konto habe). Ich bin einfach kein Serientyp – und noch dazu hab ich zwar prinzipiell kein Problem mit diesen ganzen Szenen, die du angesprochen hast, aber so richtig Lust hätte ich da auch nicht drauf, um ehrlich zu sein. Das zieht mich zu sehr runter :\

    Aber genau aus diesem Grund danke ich dir für diesen aufschlussreichen Beitrag, der meine Meinung, ob ich 13 Reasons why schauen/lesen werde, nochmals gefestigt hat!
    Liebe Grüße,
    Emily

  3. Hey 🙂

    Ich hab ja ehrlich gestanden nicht mehr viele Erinnerungen an das Buch gehabt, als ich angefangen habe, die Serie zu schauen … An einige Dinge konnte ich mich dann beim Schauen wieder erinnern, aber die Details waren überhaupt nicht mehr präsent (vielleicht auch gut so, sonst sitze ich immer und denke, das ist anders und das hätte ich anders gelöst 😀 ). Da mir die Serie aber gut gefallen hat, schätze ich, dass ich wohl auch zu der Fraktion gehöre, die die Serie besser findet 😉 .

    Liebe Grüße
    Ascari

    PS: Wirst du eigentlich den Like-Button für die Blogartikel wieder einbauen? Habe ihn schon ein bisschen vermisst 😉

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