Buch vs. Film, Highlights

[Buch vs. Film] Du neben mir

„Das Buch ist immer besser als der Film“ ist ein Satz, den sicher jeder Bücherwurm schon einmal von sich gegeben hat. Auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen, schaffen es viele filmische Adaptionen nicht, das besondere Gefühl des Romans zu transportieren. Aber wie ist es in einem Fall wie diesem, wo mir schon der Roman nicht ganz zusagen konnte? Meine Einschätzung hierzu erfahrt ihr heute in der zweiten Ausgabe von „Buch vs. Film“.

Bildquelle: imdb.com

Eckdaten:

Originaltitel: Everything, Everything
Deutscher Titel: Du neben mir
Kinostart: 22.06.2017
Cast: Amandla Stenberg, Nick Robinson
IMDb Bewertung: 6,3

 

 

Die Rezension zum Film enthält keine Spoiler.

Inhalt:

Die 17-jährige Madeline hat noch nie das Haus verlassen, denn sie leidet an einer seltenen Immunkrankheit. Bisher war das kein Problem, weil sie es nicht anders kennt. Doch als im Nachbarhaus der geheimnisvolle Olly einzieht, kommen sich die beiden so nah, wie es für Madeline möglich ist. Plötzlich möchte sie die Welt außerhalb ihres sterilen Zimmers entdecken, die sie sonst nur aus Büchern kennt. Selbst wenn es bedeutet, dafür ihr Leben zu riskieren.

Meinung:

Vorab möchte ich mich noch einmal bei Sebastian von cbj/cbt für die Einladung zur Pressevorführung bedanken sowie bei meinem Mann, der sich extra frei genommen hat, um auf die Kinder aufzupassen.

Ehrlicherweise muss ich eingangs erwähnen, dass ich mit wenigen Erwartungen in die Vorstellung gegangen bin. Ich fand den Roman soweit niedlich und habe auch spüren können, dass Yoon mit ihrem Debüt eine ganz besondere Geschichte erzählen wollte, allerdings konnte er sich in meinen Augen nicht von anderen Jugendbücher, die momentan erscheinen, abheben. Genaueres dazu könnt ihr in meiner Rezension nachlesen. Auch diese ist spoilerfrei gehalten.

Eine ganz tolle Überraschung war, dass der Film im Original (ohne Untertitel) vorgeführt worden ist. Da ich den Roman ja auch im Original und auch erst kurz vor dem Anschauen des Films gelesen hatte, war ein Vergleich der beiden dadurch noch mehr gegeben. Hierdurch ist mir auch aufgefallen, dass einige Dialoge eins zu eins übernommen wurden, was mir gut gefallen hat. Obwohl ich englische Filme und Serien lieber mit englischen Untertiteln schaue hatte ich keinerlei Probleme, der Handlung folgen zu können. Ein großer Vorteil, von Jugendfilmen/-romanen.

Der Film lebt sehr von den beiden Hauptfiguren und den Einstellungen auf diesen. Besonders gut hat mir gefallen, dass Maddys Zeichnungen und Heimschulprojekte verwendet wurden, um die Unterhaltungen, die komplett online stattgefunden haben, spannender darzustellen. Allerdings haben mir eine Mischung aus den Kameraeinstellungen sowie den Aufeinandertreffen von Madeline und Olly doch teilweise arges Unbehagen bereitet. Die beiden waren, nicht nur bei den ersten Treffen, sehr verschämt und wortkarg, so dass es zu einigen Momenten kam, die ich mit dem Wort „Fremdschämen“ am besten umschreiben könnte. Dass die Kameraeinstellung dann auch teilweise komplett das Gesicht in Nahaufnahme zeigt, machte dies nicht besser. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dies gut finden soll oder nicht. Dank der beiden habe ich mich wieder wie ein Teenager beim ersten Date fühlen können, was genau betrachtet aber eigentlich nichts Gutes ist.

In meiner Rezension zum Buch hatte ich moniert, dass Olly nur als Mittel zum Zweck (Maddys neuentdeckter Freiheitsdrang) eingebaut wurde, da es ihm an charakterlicher Tiefe gefehlt hat. Jetzt, nachdem ich den Film gesehen habe, würde ich am liebsten dahingehend zurückrudern, denn der filmische Olly überbiete dies leider bei Weitem. Hat Olly im Roman noch Hobbys und Interessen sowie eine Hintergrundgeschichte, existiert er im Film lediglich dafür, Loveinterest zu sein und Maddys Entwicklung voranzutreiben. Die Liebesbeziehung, die hier entsteht ist aus diesem Grunde leider auch nicht wirklich nachvollziehbar. Mir fehlten auch diese besonderen Kleinigkeiten und Anekdoten, die die beiden im Buch so liebenswert erscheinen ließen. Das Hinarbeiten auf den Plottwist ist auch hier mit kleinen Hinweisen gestreut, auf die es sich zu achten lohnt.

Die Musik allerdings war jedes Mal sehr gut auf die Szenen ausgewählt und konnte die Stimmung jeweils perfekt untermalen. Die Playlist auf Spotify habe ich euch hier verlinkt, falls ihr einmal reinhören wollt.

Gut zu wissen:

Die Einstellungen, die in der Handlung Maui zeigen, sind itatsächlich im Majahuitas Resort in Mexiko gedreht worden.

Wer konnte mich mehr Überzeugen:

In meinen Augen handelt es sich bei „Du neben mir“ um eine nette Sommerromanze, von der man – trotz des ernsten Themas – nicht zu viel Tiefgang erwarten sollte. Ohne die Vorkenntnisse des Romans hätten sich mir einige Details nicht so gut erschließen können. Die Idee, die beiden in Maddys Schulprojekte zu setzen war wirklich sehr niedlich, aber ansonsten fehlte es eindeutig an Innovationen. Und so bleibt „Du neben mir“ ein netter Film mit tollen Bildern, jedoch schwachen Charakteren, den ich generell einem jüngere Publikum ans Herz legen würde. In diesem Fall ist der klare Sieger der Roman, den ich auch empfehlen kann, wenn ihr jugendliche Liebesgeschichten mit kleinen Besonderheiten mögt.

Könnte dir auch gefallen

4 thoughts on “[Buch vs. Film] Du neben mir

  1. Ich muss ja gestehen, dass ich mir das Buch nur wegen dem ersten Trailer gekauft hatte. Langsam frage ich mich aber, ob es sich überhaupt lohnt ins Kino zu gehen. Das Buch fand ich gar nicht mal so schlecht, auch wenn mir das gewisse etwas gefehlt hat.
    Deinem Vergleich nach, spare ich mir das Ticket wohl lieber. Toller Beitrag 🙂
    Liebe Grüsse
    Laura

    1. Hallo Laura, dies ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck. Wenn man so viele Jugendbücher liest und die entsprechenden Filme schaut ist man auf kurz oder lang ja auch sehr übersättigt. Der Film läuft ja erst noch an, vielleicht wartest du noch weitere Kritiken ab. Mit den Bloggern konnte ich, bis auf meine Begleitung (die ihn auch süß, aber nicht besonders fand), nach dem Film nicht mehr sprechen, allerdings mit Journalisten die für Onlinemagazine schreiben. Bei ihnen kam er auch nicht so gut weg. Mal sehen, wie die Meinungen nach Filmstart so ausfallen.

      Liebe Grüße,
      Kit

  2. Toller Vergleich und schöner Artikel!
    Das Buch liegt nach wie vor ungelesen hier herum, auch wenn ich eigentlich total neugierig darauf bin.
    Den Film werde ich mir definitiv erst danach anschauen, dann also eher auf DVD, oder auf Netflix irgendwann.

    Liebe Grüße,
    Nicci

  3. Ein sehr spannender Vergleich! Ich habe das Buch noch nicht gelesen, habe es aber noch vor.
    Ich kann zwar verstehen, dass man nicht alles vom Buch verfilmen kann, aber ich finde es trotzdem sehr schade, wenn gerade bei den Charakteren so „gespart“ wird. Wenn Charakterzüge und -entwicklungen fehlen und wenn sie nur als Loveinterest rüber kommen. 🙁
    Liebe Grüsse
    Julia

Kommentar verfassen