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[Rezension] Das Herz des Verräters von Mary E. Pearson

Achtung „Das Herz des Verräters“ ist der zweite Teil einer Buchreihe und baut inhaltlich komplett auf den ersten auf. Diese Rezension und auch der Klappentext könnten aus diesem Grund Spoiler enthalten. Bitte die Bewertung daher erst nach Beenden des ersten Bandes lesen, dann sollte sie auch komplett spoilerfrei sein.

Nach dem glanzvollen Start in die Reihe waren meine Erwartungen an den zweiten Teil sehr hoch. Auch mit dem Wissen, dass der zweite Teil einer Trilogie (oder eben hier Tetralogie, da der letzte Teil im Deutschen auf zwei Bücher aufgeteilt wird) oft der Schwächste ist. Und ja, diese Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern auch übertroffen.

Daten

Titel: Das Herz des Verräters –
Die Chroniken der Verbliebenen Band 2
Autor: Mary E. Pearson
Übersetzer: Barbara Imgrund
Verlag: ONE (Bastei Lübbe)
Genre: Fantasy Jugendbuch
Preis: HC 18,00 € | ebook 13,99 €
Erscheinungsdatum: 26.05.2017
Isbn: 978-3846600429

 

„Die Chroniken der Verbliebenen“

Band 1: „Der Kuss der Lüge“ | erschienen am 18.02.2017 | zur Rezension
Band 2. „Das Herz des Verräters“ | erschienen am 26.05.2017 | zur Rezension
Band 3: „Die Gabe der Auserwählten“ | erscheint am 26.10.2017
Band 4: „Der Glanz der Dunkelheit“ | erscheint im Frühjahr 2018

 

Vielen Dank an Netgalley und Bastei Lübbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars in Form eines ebooks. Ich habe mir allerdings zusätzlich das Hardcover gekauft, um die Serie im Bücherregal zu vervollständigen.

Klappentext

Seit Lia in den feindlichen Palast verschleppt wurde, muss sie um ihr Leben fürchten. Rafe ist zwar an ihrer Seite, aber hier kann auch er sie nicht mehr beschützen. Der Komizar von Venda will Lias Tod – und erst als Kaden ihm verrät, dass Lia die Gabe der Vorsehung besitzt, steigert das in den Augen des Feindes Lias Wert. Sie gewinnt Zeit – doch was sagt ihr der Blick in die Zukunft? Lia muss wichtige Entscheidungen treffen und einen Weg finden, um endlich ihrem Gefängnis zu entfliehen. (Bastei Lübbe)

Meinung

Wenn ich schon gedacht hatte, dass unsere Heldin im ersten Band „Der Kuss der Lüge“ eine Wandlung durchzogen hat, so hatte ich mich doch reichlich geirrt. Pearson hat mit Lia eine Protagonistin geschaffen, die sich in einem ständigen Lern- und Reifeprozess befindet und dabei auf erfahren muss, dass ihre Welt nicht ausschließlich in schwarz und weiß einzuteilen ist. Dabei wird sie stärker, teilweise auch skrupelloser, ist dabei jedoch immer darauf bedacht, für das Einzustehen, was in ihren Augen das Richtige ist. Ihre Opferbereitschaft ist dabei authentisch, ohne sie in eine Märtyrerrolle zu drängen. Ihre Handlungen und Denkmuster waren über den ganzen Roman nachvollziehbar und jeweils an ihren Entwicklungsgrad angepasst. Weitere Kapitel aus Sicht von Pauline, Kaden und Rafe sind auch in diesem Band wieder vorhanden, wenn auch nicht mehr in dem Maße, wie noch in Teil 1. Besonders durch die Abschnitte aus Kadens und Rafes Sicht habe ich als Leser weitere Blickwinkel auf Lia erhalten, so dass ihre Charakterentwicklung die Möglichkeit hatte, von außen betrachtet zu wirken. Dies führte dazu, dass sie nicht an Sympathie verlor, was mit Sicherheit der Fall gewesen wäre, hätte sie diese speziellen Geschehnisse aus der Ich-Perspektive erzählt, in der weiterhin alle Abschnitte verfasst sind.

„Man konnte Lia wohl kaum reizend nennen. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Etwas anderes an ihr schlug mich in den Bann.“ – Position 1028 | 18 % (Kindle)

Pearson schaffte es erneut, Lias Welt vor meinem geistigen Auge auferstehen zu lassen. Waren es in „Der Kuss der Lügen“ noch die farbenfrohen Häuser und Landschaften von Terravin, so irrte ich mit Lia nun durch Vendas düstere und verwinkelte Gassen. Venda ist trost- und seine Bewohner ruhelos, doch mit Lias Ankunft erfahren sie einen Hauch von Hoffnung, von dem zuletzt nur einst gesungene Lieder erzählten. Bruchstücke, die vor den Kapiteln im ersten Teil eingebaut wurden, ergaben nun Sinn und waren dadurch nicht, wie damals zunächst von mir Gedacht, ein hübsches Beiwerk, sondern von Anfang an wichtig. Es sind diese kleinen Details, wie auch die Sprache der Vendaner, die diesen Roman (diese Romanreihe) von anderen seiner Art abheben.

„Die Wahrheiten der Welt wünschen sich, gewusst zu werden.“ – Position 2066 | 37 % (Kindle)

Auch in diesem Teil ist die Liebe wieder vertreten, wenn auch bittersüß. Aber auch wie in seinem Vorgänger drängt sie sich nicht vor die eigentliche Handlung, sondern verwebt sich mit dieser zu einer stimmigen Gesamtgeschichte.

„Angst und Thannis waren zwei Gewächse, die in diesem Land überall zu gedeihen schienen.“ – Position 3715 | 67 % (Kindle)

Die Reihe hat bislang etwas sehr mystisches an sich. Ich würde sie aufgrund des Settings und des runden Worldbuildings in das Genre Highfantasy einordnen, allerdings ganz ohne Drachen, Zwerge und Elfen. Die Magie, die diese Welt bislang umgibt ist deren Bewohnern selbst noch nicht ganz klar. Altes Wissen, dass wieder erweckt werden möchte, genau wie Lias spezielle Gabe, die man bereits im ersten Teil erahnen konnte. Ich sehe dieser Entwicklung sehr entgegen.

Das Ende hat mich leicht schockiert zurück gelassen und ich zähle die Wochen bis zum Erscheinungstermin des dritten Bandes. Ein solcher Cliffhanger ist nicht nett, erzielt jedoch genau seine Wirkung. Auch in diesem Band wurde ich im letzten Drittel noch einmal emotional sehr berührt. Die Autorin scheint sich dies immer für den letzten Abschnitt ihrer Bücher aufzusparen.

Selten schaffen Romane es derzeit, mich so begeistert zurück zu lassen. All die begeisterten Rezensionen auf den verschiedensten Blogs lese ich mit einem Gefühl von Sehnsucht, auch endlich wieder so ein Buch zwischen den SuB (Stapel ungelesener Bücher) zu bekommen. Und noch viel mehr besteht dieser Wunsch im Bereich des Fantasy, was Serien anbelangt. Danke an Mary E. Pearson, dass auch ich nun mit „Die Chroniken der Verbliebenen“ wieder in den Genuss solcher Werke kommen darf. Und bevor ich nun weitere Lobeshymnen singe entlasse ich euch in das Fazit mit dem Rat, dieser Reihe eine Chance zu geben.

Fazit

Meine Erwartungen an die Fortsetzung zu „Der Kuss der Lüge“ wurden mehr als übertroffen. Pearson liefert weiterhin in einer Qualität ab, die es nun in „Die Gabe der Auserwählten“ noch einmal zu toppen gilt. Ich bin mir jedoch sehr sicher, dass sie auch dies meistern wird. Eine Starke Heldin die über sich selbst hinauswächst und ein wundervolles Worldbuildung machen „Das Herz des Verräters“ zu einem würdigen Nachfolger des ersten Bandes.

Meinungen anderer Blogger

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4 thoughts on “[Rezension] Das Herz des Verräters von Mary E. Pearson

  1. Ach, was für eine schöne Rezension. Das Buch liegt auch noch bei mir bereit und wird in Kürze gelesen 🙂
    Jetzt freue ich mich umso mehr darauf.
    Liebe Grüße, Vanessa

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