Rezensionen

Rezension zu Marthas Widerstand von Kerry Drewery

Durch eine bevorstehende Leserunde auf Lesejury.de wurde ich auf diesen Roman aufmerksam. Er erinnerte mich aufgrund des Titels sehr an „Die Rebellion der Maddie Freeman“, auch wenn sich die Thematik unterscheidet. Da ich jedoch nicht bis zum Beginn der Runde warten wollte, hatte ich mir abends spontan das ebook gekauft. Aufgrund einer recht unruhigen Nacht war das Buch auch bis zum nächsten Tag beendet. Dies lag allerdings leider nicht an dem Unterhaltungswert von „Marthas Widerstand“.

Daten:


Titel: Marthas Widerstand
Autor: Kerry Drewery
Übersetzer: Sabine Bhose
Verlag: ONE (Bastei Lübbe)
Genre: Dystopie | Jugendbuch
Preis: Gebunden 16,00 € | ebook 11,99 €
Erscheinungsdatum: 16.03.2017
Isbn: 978-3846600436

 

Marthas Widerstand ist der erste Teil einer Reihe. Band 2 wird voraussichtlich im Frühjahr 2018 bei ONE erscheinen.

Klappentext:

Martha ist des Mordes angeklagt und sitzt in der ersten von sieben Zellen. Sieben Tage lang stimmt das gesamte Volk darüber ab, ob sie freigesprochen oder in eine kleinere Zelle verlegt wird. Die siebte und letzte Zelle ist klaustrophobisch klein, und genauso klein sind Marthas Chancen auf einen Freispruch. Denn die Umfragen zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung sie sterben sehen will. Doch was wäre, wenn Martha genau darauf spekuliert. Um dem Volk zu zeigen, dass es nicht in einer perfekten Demokratie lebt, sondern von den Machthabern perfide manipuliert wird? Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem viel mehr als ein einzelnes Menschenleben auf dem Spiel steht. (ONE)

Meinung:

„Guten Abend, meine Damen und Herren, und willkommen bei unserer heutigen Ausgabe von Death to Justice!“

Die Idee eines gesellschaftskritischen Romans, der sich mit dem „Auge um Auge“ Prinzip befasst ist nicht neu, versprach durch den Klappentext und den kurzen Blick in die Leseprobe jedoch ein thrillerartiges Lesevergnügen. Das Buch und die Idee dahinter hatten dabei sehr viel Potenzial, das jedoch kaum genutzt wurde.

Mir fehlte es vor allem an der Strukturiertheit. Verschiedene Erzählweisen trafen aufeinander und ich wusste oft nicht so recht, was ich davon halten sollte. Aus Marthas Sicht wurde entweder in der 1. Person aus dem Präsens erzählt, wenn sie gerade in ihrer Zelle saß und der Leser Einblick in ihren Alltag in Todestrakt bekam. Dazu kamen eine Art Selbstgespräche, die jedoch an eine Person aus ihrem näheren Umfeld gerichtet waren. Dieser, in der Vergangenheitsform verfasste, innerliche Dia- bzw. Monolog diente dazu, Marthas Situation zu erklären und wie sie dorthin geraten konnte. Generell beschränkte sich ein großer Teil der Erzählung der Geschichte aus Dialogen. Durch den Einsatz von Rückblenden wäre es nicht zu den Längen gekommen, die den Lesefluss erheblich gestört haben. Zusätzlich wurden Kapitel aus Sicht der Psychologin Eve eingeführt. Durch den Einsatz dieser Figur wurde die Atmosphäre in Richtung Thriller gelenkt, was wirklich spannend gewesen wäre, hätte mich auch nicht der Schreibstil so abgeschreckt. Die dritte Erzählweise wäre vielleicht noch die interessanteste gewesen. In der TV-Sendung „Death is Justice“ der „Auge um Auge Productions“ wurden die TV-Zuschauer jeden Tag mit den neusten Informationen über die aktuellen Kriminalfälle gefüttert. Eingebaut wurde dies ähnlich eines Skripts eines Theaterstückes. An sich eine spannende Erzählweise, gäbe es nicht ebenfalls all die bereits erwähnten. Alles in allem hatte ich mehr das Gefühl, einem Schulaufsatz zu folgen, denn einem fertigen Roman. Das Gefühl, ein unfertiges Manuskript vor Augen zu halten, ließ sich leider nicht abschalten.

Durch dieses Durcheinander an Erzählsträngen blieben mir die zuvor genannten Figuren auch nahezu fern. Es ergab sich einfach keine Möglichkeit, ihnen näher zu kommen und hinter den Charakter blicken zu können. Auch hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Es ist so viel im Vorfeld vorgefallen, das nur am Rande Erwähnung findet und nicht ausreichend rekonstruiert wird, dass es den Anschein hatte, mitten in eine Geschichte gestolpert zu sein. In einem Roman ins kalte Wasser geworfen zu werden führt oft zu einem gewissen Spannungsaufbau, hier allerdings wirkte es doch sehr fehlplatziert. Die eingebaute Liebesgeschichte, die natürlich nicht fehlen durfte, litt ebenfalls an den fehlenden Informationen und wurde aus diesem Grund auch einfach nur noch von mir hingenommen.

Am meisten zusagen konnte mir der moralische Appell an die Leserschaft, der deutlich zu spüren war. Ein kompletter Abbau des Rechtssystems hin zu fragwürdigen Gesetzesentscheidungen, die per Fernsehabtimmung gefällt werden, sind, wenn man sich die aktuelle weltpolitische Lage ansieht, nicht unbedingt ein fernes Romankonstrukt. Leider wurde diese potenziell interessante Idee durch nicht ganz ausgedachte Thrillerelemente ausgebremst. Die vermeintlich ermittelten Person wurde von allein Seiten durch ein ständiges Wiederholen von „Das kann ich Ihnen nicht sagen“ bzw. „Das kann ich Ihnen noch nicht sagen“ Sätzen künstlich hingehalten.

Insgesamt soll die Reihe, so weit ich das in Erfahrung bringen konnte, drei Bände umfassen. Das Ende ist hierdurch offen gehalten, was mich insoweit enttäuscht zurück lässt, da ich mir Band 2 nicht kaufen werde. Auch wenn in den letzten Kapitel das Tempo deutlich angezogen wurde, hatte mich das Buch bis zu diesem Punkt leider so enttäuscht, dass sich an dieser Entscheidung nichts ändern wird.

Fazit:

„Marthas Widerstand“ hätte ein spannender Auftakt zu einer neuen dystopischen Jugendbuchreihe werden können. Leider überwiegen seine Schwächen, die größtenteils der wirren Erzählweisen geschuldet sind. Leider kann ich für diesen Roman keine Leseempfehlung aussprechen, da er sich nicht von anderen Jugendbüchern dieser Art abzuheben weiß.

Weitere Informationen:

Meinungen anderer Blogger:

Wortgeflumselkritzelkram | Daily Thoughts of Books | Readdreamer

Buch kaufen:

Verlag | Amazon

8 thoughts on “Rezension zu Marthas Widerstand von Kerry Drewery

  1. Hey 🙂

    Die Leserunde gibt es jetzt erst? Das Buch ist ja doch schon eine Weile heraußen … Und ich hatte es damals auch bei mir rezensiert. Im Gegensatz zu dir haben mich die wechselnden Schreibstile jetzt nicht so gestört, im Gegensatz, ich fand sie sogar spannend, weil sie sich aus dem gewohnten Schema abgehoben haben. Das ganze Buch ist einfach anders als das, was man in dem Genre gewöhnlich so findet, deswegen hat es mir so gut gefallen :).

    Was die Charaktere angeht, kann ich dir aber recht geben, das stimmt schon, dass sie einem nicht so sehr ans Herz wachsen. Das ist definitiv dem Schreibstil geschuldet. Denke aber auch hier, dass das Absicht war, dass die Autorin das bewusst so gestaltet hat.

    Ich hab bisher übrigens nur von einer Dilogie gehört, dass es drei Teile werden sollen, ist mir neu. Ich finde den Cliffhanger aber nicht schlimm, ich könnte auch problemlos bei Band 1 aufhören und wäre mit dem Ergebnis zufrieden.

    Liebe Grüße
    Ascari

    1. Huhu. Solchen Stilbrüchen bin ich ja generell nicht abgeneigt. Aber hier hat es mir einfach nicht zusagen können.

      Das mit der Trilogie wird wieder so ein „wir bringen das in D in drei Büchern raus“ Ding sein. Ich muss nur noch mal raussuchen, wo ich das gefunden hatte.

  2. Genau deine Kritikpunkte habe ich auch schon bei vielen englischen Bloggern zum Original gelesen, daher habe ich es gleich gelassen und bin jetzt auch ziemlich froh drüber. Wirre Erzählweisen mag ich gar nicht und wenn das ganze Buch dann auch noch unfertig wirkt, bin ich raus. Mal abgesehen davon, dass ich die schnelle Entwicklung hin zu Abstimmungen über Strafen doch reichlich seltsam finde.

    Danke dir für die Warnung, sozusagen, davon lasse ich weiterhin die Finger 😉

    1. Guten Morgen. Da muss ich wohl mal bei Goodreads vorbeischauen. Vielleicht wirkt es in der deutschen Übersetzung ja nicht ganz so schlimm, dass es hier nicht so moniert wird. Es war hier einfach wirklich zu viel. Ich bin generell kein Fan von Erzählungen aus der 1. Person im Präsens, wenn dann aber am Ende so ein Durcheinander entsteht, wäre mir diese Erzähweise alleine sogar lieber gewesen.

      Wie schnell genau diese Entwicklung gegangen ist, kann ich leider nicht beurteilen. Soweit ich das mitbekommen habe, gab es keine Angabe des Jahres (oder ich habe es überlesen/vergessen).

  3. Hallöchen Nise,
    Eine schöne Rezension hast du geschrieben. Aber das Buch klingt ja eher enttäuschend. Schade eigentlich, denn ich habe bisher auch viel gutes über den Titel gehört und er steht auch auf meiner Wunschliste. Das muss ich mir jetzt wohl noch mal überlegen…
    Die Idee hat mich sofort interessiert, aber wenn die Umsetzung so blöd ist, ist das ja auch nicht so toll. Ich hatte auch gerade ein eigentlich gutes Buch, wo mir der Schreibstil das Lesevergnügen genommen hat. Das ist dann echt ärgerlich.
    Aber danke für deine ausführliche und gut begründete Meinung zu dem Buch.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Huhu und vielen Dank <3 Ich habe selbst mal gesehen und ja, die Bewertungen allgemein sind sehr positiv. Bei Amazon habe ich aber nun welche gefunden, die kritischer sind und in etwa die gleichen Punkte ansprechen. Von daher bin ich wohl nicht komplett mit der Meinung alleine. ^^

      Ich gebe dir da Recht, ein Buch steht und fällt mit seinem Schreibstil. Zum Beispiel hätte ich mit Sicherheit ein paare nette Ideen, könnte es aber nie so zu Papier bringen, dass ich es auch selber lesen würde. XD

  4. Hm. Jetzt lässt du mich ein bisschen ratlos zurück. Nachdem so viele positiv von dem Buch gesprochen hatten, wollte ich mir das eigentlich auch kaufen. Aber deiner Beschreibung nach werde ich nun wohl doch erstmal abwarten und ein paar bessere Bücher lesen…
    VG Jennifer

    1. Bei Amazon ist das Buch ja ganz gut bewertet. Die negativen Kritiken dazu sagen in etwas das aus, was du auch bei mir gelesen hast. In einem weiteren Kommentar hier auf dem Blog wurde geschrieben, dass es auch viele negative Besprechungen zum englischen Original gibt. Vielleicht liest du dir einfach noch ein paar andere Meinungen durch, bevor du eine Entscheidung fällst. Du könntest dich aber auch auf die Leserunde auf lesejury.de bewerben. Wenn du es dort gewinnst hast du ja die Möglichkeit innerhalb der Leserunde Feedback geben zu können.

      Liebe Grüße,
      Nise

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