Rezensionen

[Rezension] Tage wie Chili und Honig von Helena Steegmann

Hinter dem Pseudonym „Helena Steegmann“ verbergen sich direkt zwei Autorinnen. Es ist das erste gemeinsame Werk von Antonia Schulemann und Anke Bracht, worauf ich erst im Nachwort aufmerksam wurde. Ob das Zusammenspiel der beiden Schriftstellerinnen ein Geschmackserlebnis für Lesehungrige ist, erfahrt in meiner heutigen Rezension.

Daten:

Quelle: feelings-ebooks.de

Titel: Tage wie Chili und Honig
Autor: Helena Steegmann
Verlag: Knaur | Feelings
Genre: Liebesroman
Preis: Taschenbuch 9,99 € | ebook 9,99 €
Erscheinungsdatum: 01.06.2016
Isbn: 978-3426518786

 

 

Vielen Dank an das Team von Feelings für die Bereitstellung des ebooks als Rezensionsxemplar.

Klappentext:

Nana arbeitet in Hamburg als erfolgreiche Food-Kolumnistin. Wenn sie über Essen und Genuss schreibt, läuft ihren Lesern das Wasser im Mund zusammen. Was niemand weiß: Nana kann in Wirklichkeit rein gar nichts schmecken, denn nach einem Jahr voller schmerzlicher Trennungen hat sie ihren Geschmackssinn verloren. Sie mogelt sich durch ihren Job – doch die Folgen lassen nicht lange auf sich warten. Als ihr gekündigt wird und die Liebe sich auch nicht auf ihre Seite stellen will, entschließt sie sich zu einer großen Reise. Sie macht sich auf den Weg von Hamburg über Italien nach Istanbul, um zwischen Weingütern, Ölmühlen und Gewürzmärkten ihren Geschmackssinn, sich selbst und die Liebe wiederzufinden. (Knaur)

Meinung:

Die Lektüre von „Tage wie Chili und Honig“ glich einer Achterbahn der Gefühle. Dafür war die Mischung aus guter Unterhaltung, echten Gefühlen sowie vorhersehbaren Handlungssträngen verantwortlich.

Nana als Hauptfigur zu beschreiben stellt sich nicht ganz so einfach dar. Sie ist auf den ersten Blick eine gut durchdachte Protagonistin, die ihr Leben wieder in richtige Bahnen leiten muss. Dass sie dafür teilweise auf nicht korrekte Maßnahmen zurück greift, lässt sich zwar nicht sympathischer, jedoch menschlicher erscheinen und bietet genug Raum für ihre charakterliche Entwicklung. Am meisten störte ich mich, wenn ich im Nachhinein darauf zurückblicke, ihre Sprunghaftigkeit, die eine gewisse Unruhe in den Roman brachte. Hierfür sorgten des Weiteren auch die nicht gekennzeichneten zeitlichen Sprünge, die das ein oder andere Mal für ein kurzes Stocken im Erzählfluss sorgten. Davon abgesehen ist der Erzählstil sehr bildhaft, angenehm zu lesen und an keiner Stelle ist ersichtlich, dass es sich um zwei Autorinnen handeln, die diesen Roman verfasst haben.

Die im Klappentext angedeutete Reise war das eigentliche Highlight, welches nicht nur mein Interesse am Roman geweckt, sondern auch meine Erwartungen an den Roman hoch angesetzt hatten. Fairerweise – und ich sehe es nicht als Spoiler an – muss ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass diese erst im letzten Drittel (im ebook ab ca. 70 %) richtig in Gang kam. Für mein Empfinden hätte diese Reise mehr Platz im Roman einnehmen können, da es sich jedoch um eine Liebesgeschichte handelt, wurde bzw. musste auch dieser Platz eingeräumt werden.

Bezüglich der gerade erwähnten Lovestory muss ich an irgendeiner Stelle den zündeten Punkt verpasst haben. Diese war mir zu konstruiert und die Prise an Zufällen führte zum Versalzen der Suppe. Für mein Empfinden war erst überhaupt nichts und dann plötzlich viel zu viel auf einmal zu spüren. Der restliche Stoff des Romans hat so viel Potenzial, es wäre daher nicht tragisch gewesen, auf die Liebesgeschichte zu verzichten. Dies ist allerdings meine rein subjektive Meinung.

Die Stärken des Romans sehe ich in den vielen, liebevoll eingefügten Nebenfiguren. In den Reiseberichten und der offensichtlichen Liebe der Autorinnen zur schönen Stadt Hamburg. Und auch in den Blogeinträgen Nanas, die man sicherlich so auf einem der vielen und tatsächlich existierenden Foodblogs finden könnte. Die im Laufe der Geschichte geschlossenen Freundschaften und der allgemeine Werdegang Nanas sind mit einer solchen Liebe fürs Detail verfasst worden, die in Bezug auf den romantischen Part zu einem insgesamt grandiosen Roman hätte führen können.

Gut zu wissen:

Den im Roman erwähnten Blog „Chili und Honig“ könnt ihr wirklich besuchen. Neben Nanas Reisetagebüchern findet ihr dort auch Rezepte sowie einen ganz besonderes Beitrag auf der Startseite, den ihr euch vielleicht erst nach Beenden des Buchs ansehen solltet.

Fazit:

Die Idee, nur in der Gegenwart eines geliebten Menschen seine Stärke besitzen zu können, mag für den einen romantisch, für die andere klischeebehaftet sein. Ich überlasse das Urteil hier bei jedem Leser des Romans selbst. Wie ihr wisst, bevorzuge ich doch eher nüchterne bzw. realistischere Liebesromane. Trotzdem war der Unterhaltungsfaktor bei „Tage wie Chili und Honig“ doch sehr hoch. Nana war eine zwar sehr chaotische, ansonsten jedoch gut ausgearbeitete Figur, mit der ich gerne auf Reisen gegangen bin. Auch wenn ich mich nicht vollends mit ihr anfreunden konnte und mich doch das ein oder andere Mal über sie wurden musste, brachten ihre Facetten Farbe in das Geschehen.

Ihr merkt sicher, wie schwer mir dieses Mal meine Schlussbeurteilung fällt. Deswegen führe ich heute ausnahmsweise  einmal mein Fazit stichwortartig auf:

Positiv:

– Roman wird durch seine Nebenfiguren getragen, hätte gerne mehr über diese erfahren;
– Schreibstil sehr angenehm, dadurch ein schnelles Vorankommen;
– bildhafte Beschreibung von Hamburg sowie allen besuchten Orten;
– Protagonistin entwickelt sich im Verlauf der Geschichte weiter;
– viel Liebe zum Detail bei der Erstellung des Blogs.

Negativ:

– Liebesgeschichte zu konstruiert;
– zeitliche Sprünge nicht gut gekennzeichnet;
– zu viele Zufälle führen zu den gewünschten Ergebnissen;
– Protagonistin wirkt häufig nicht all zu sympathisch.

Ich würde den Roman Lesern ans Herz legen, die Entwicklungen von Protagonisten und Romantik lieben, die sich zunächst kaum abzeichnet, um dann in einem knallbunten Finale zu enden. Für mich siegt klar Nanas allgemeine Reise durch ihr leicht abgedrehtes Leben über die romantischen Erzählungen. Und dennoch wird dies mit Sicherheit nicht mein letzter Roman der Autorinnen gewesen sein, denn ich sehe da noch sehr viel Spielraum für weitere Erzählungen.

Weitere Informationen:

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Weitere Meinungen:

„Tage wie Chili und Honig ist [trotzdem] durchaus eine recht unterhaltende Lektüre für zwischendurch, wenn man etwas Leichtes mit einer kleinen Prise Liebe und zwei Prisen Kulinarität lesen möchte.“
Jess von Primeballerinas Books

„Eine vortrefflich abgeschmeckte literarische Komposition. Buon appetito!“
Jennifer auf Amazon

„Mir scheint, das Rezept für diesen Roman ist nicht ganz aufgegangen: aus den Zutaten Chaos, Trauer, Zufälle, Liebe, Selbstfindung, Lebensträume und Delikatessen ist eher ein Einheitsbrei denn ein Hochgenuss geworden.“
Parden auf Wachtcha Readin

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