Abgebrochen, Themenmonat

Abgebrochen #8

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Manchmal gibt es Romane, Thriller usw. die konkret nicht schlecht, sondern nur für einen selbst überhaupt nicht passend sind. Oder das Buch ist bis zu einem gewissen Punkt wirklich in Ordnung aber eine bestimmte Wendung lässt einen zum Weglegen der Lektüre verleiten. In meinem heutigen Fall dürfte so ziemlich beides Zutreffen.

Titel: Hinter dem Spiegel
Autor: Michaela Kastel
Verlag: Edel Elements
Seiten: 264

Auf den Thriller wurde ich durch ein Stöbern auf der Website des Verlags aufmerksam. Ich hatte vom Selbigen zuvor eine Reihe von Kurzgeschichten gelesen, die mich doch sehr enttäuscht hatte.

>Reihenrezension Crazy<
Und dennoch wollte ich sehen, was Edel Elements sonst noch so anzubieten hatte. Da Thriller bei mir derzeit Hoch im Kurs sind, wurde es schlussendlich „Hinter dem Spiegel“.

Durch den Klappentext hatte ich bereits eine Vorahnung, dass es hier düster und vor allem brutal werden würde. Dass ich jedoch so empfindlich auf den Inhalt reagieren würde, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. In Romane sowie auch Filmen gibt es bei mir bestimmte Inhalte, die ich – trotz eines brisanten Inhalts – ertragen kann und wiederum gibt es die, bei denen ich für mich einfach nein sagen muss. Der Tod von Tieren und Kindern ist für mich zwar Schlimm, und es kann auch sein, dass ich eine Pause einlegen muss, dennoch könnte ich dann wieder weiterlesen, sollte es irgendwie einen wichtigen Teil zum Plot beitragen. Kommt allerdings Gewalt hinzu, ziehe ich dann doch meist die Reißleine. Ob diese beiden Dinge hier passieren kann ich nicht sagen, dafür habe ich zu früh abgebrochen. Meine Vermutung ist jedoch, dass es theoretisch vorkommen könnte. Ein anderer Punkt und dieser gehört genau an diese Stelle, sind Vergewaltigungen und Vergewaltigungsphantasien. Es ist nichts, was mich persönlich betrifft, jedoch ist mein Ekel hier so hoch, dass mich dies für den Rest des Buchs (nicht nur dieses, sondern generell) abschreckt. Damit ist keine Pure Erwähnung gemeint, sondern das Beschreiben bis ins kleinste Detail. Die Art und Weise wie in diesem Thriller ein bestimmter Geschlechtsakt vollzogen und geschildert wird, schreit nach einer solchen Tat, versucht sich jedoch hinter irgendwelchen schwammigen Umschreibungen zu verstecken. Dieser Umstand sowie die Tatsache, dass die Gewaltexzesse ab diesem Punkt an schlimmer werden würden, waren Grund genug zu entscheiden, das Buch abzubrechen.

Es kann gut sein, dass hier mehr reingelesen habe, als dort wirklich hinter steckt. Der Thriller hat einige gute Bewertungen erhalten und muss dementsprechend ja irgendwelche anderen Reaktionen hervorrufen. Vielleicht ist es auch einfach tagesformabhängig, wie ich auf bestimmte Buchinhalte reagiere. Nun war in diesem konkreten Fall mein erster Impuls und dabei ist es bis zum Verfassen dieser Bewertung geblieben. Wer weiß, wie eine Bewertung zu einem anderen Zeitpunkt gewesen wäre?

Bezug genommen auf den Stil konnte ich nicht viel aussetzen. An sich besitzt der Thriller einen flüssigen Schreibstil, der teilweise leicht hölzerne Dialoge aufweist. Hinzu kommt, dass die Protagonistin an vielen Stellen erstaunlich lange gebraucht hat, um Rückschlüsse zu ziehen, die mir als Leser sprichwörtlich ins Gesicht sprangen, so offensichtlich waren sie. Für einen Abbruch sind diese Punkte allerdings nicht schwerwiegend genug. Das zuvor Genannte ist alleinig Schuld an meiner Verstimmung dem Buch gegenüber.

Falls jemand von euch das Buch gelesen haben sollte, würde ich mich sehr über eure Rückmeldung freuen, wie er es empfunden habt. Werden Bücher überhaupt von euch abgebrochen, oder lest ihr jedes bis zum Schluss durch? Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen, da dies nun doch sehr unterschiedlich gehandhabt wird.

Bildquelle Cover: amazon.de

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4 thoughts on “Abgebrochen #8

  1. Ich kann diese Entscheidung absolut nachvollziehen. Genau aus den gleichen Gründen habe ich „Abgeschnitten“ von Tzokos und Fitzek weggelegt. Die Vergewaltigung einer Minderjährigen hat einfach eine rote Linie überschritten. Denn genau wie bei denen, die solch eine Tat wirklich umsetzen, ist die Phantasie dazu der Anfang.

    Andreas

    1. Hallo Andreas 🙂 Wir hatten das Buch „damals“ auf einer längeren Autofahrt gehört. Das Hörbuch war allerdings zu zusammengeschnitten, dass solche Dinge da gar nicht richtig drin waren. Sämtliche Kapitel aus Sicht des Täters waren zum Beispiel gar nicht vorhanden. Was mich und auch Martin aber richtig genervt hat, war das Ende. Dieses „Selbstjustiz ist vollkommen supi“ hat mir das (Hör)Buch richtig vermiest.

  2. Hi 🙂
    Ich finde, man sollte gar nichts zwangsweise jedes Buch zu Ende lesen. Ich tue mich auch immer schwer mit dem Abbrechen, aber gerade wenn das Buch so krasse Themen beschreibt, wie du schreibst, und du dich damit wirklich unwohl fühlst, ist Abbrechen das einzig sinnvolle! 🙂 Deshalb Daumen hoch für diese Entscheidung 🙂
    Das Buch kenne ich nicht, mich würde es aber nach deiner Beschreibung auch abschrecken!
    VG Jennifer

    1. Huhu 🙂

      Das Abbrechen ist ja immer so eine Sache. Es kommt – zumindest bei mir – immer komplett auf die jeweilige Situation und auch die äußeren Umstände an. Wenn ich zum Beispiel gerade super traurig bin und ein Roman zieht mich noch mehr runter, leg ich ihn erst mal zur Seite und lese ihn dann in einer anderen Stimmung weiter. Dabei ist mir aber auch schon passiert, dass das Buch solange rum lag, dass ich keinen Zugang mehr dazu finden konnte. Letztendlich habe ich es dann komplett abgebrochen. Manchmal lese ich auch Bücher zu Ende um einfach nur zu schauen, ob es evtl. nicht doch noch besser wird – was ich aber vllt nicht machen würde, wenn ich gerade eh super schlecht drauf bin.

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