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[Themenmonat] Rezension zu Es war einmal Aleppo von Jennifer Benkau

Der Roman stand schon seit Erscheinen auf meinem Wunschzettel. Aber wie das eben immer so ist, liest man ein Buch nach dem anderen und bekommt diese Liste trotzdem nicht abgearbeitet. Nachdem mir „Es war einmal Aleppo“ nun jedoch wieder mehrfach – auf dem #LitCamp17 – empfohlen wurde, durfte es auf den Geburtstagswunschzettel ziehen. Meiner Schwägerin zum Dank, konnte ich diesen wunderbaren Roman nun endlich lesen.

Daten:

Titel: Es war einmal Aleppo
Autor: Jennifer Benkau
Verlag: Ink Rebels (Amrun Verlag)
Genre: Jugendbuch
Preis: Taschenbuch 14,99 € | ebook 3,99 €
Erscheinungsdatum: 10.12.2016
Isbn: 978-3958692770

Klappentext:

Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Antonia kommt mit ihrer Familie aus dem Urlaub, und plötzlich leben mehrere hundert Flüchtlinge nebenan. Klar – irgendwo müssen sie unterkommen. Aber ausgerechnet hier? Doch dann trifft Toni auf Shirvan. Und mit jeder skeptischen Frage, die sie ihm stellt, wird die Sache verzwickter.

Meinung:

Ich hatte angenommen, alles über den Krieg in Syrien zu wissen, doch durch die Augen von Antonia und die Erzählungen von Shirvan wurde ich eines Besseren belehrt. Benkau bezieht sich dabei auf Tatsachen und Fakten, die sie während ihrer Zeit als freiwillige Helferin aus erster Hand erfahren konnte.


„Keine Ahnung, warum Leute zu Rassisten werden. Sozialneid? Gier? Mimimi, der Flüchtling kriegt ein Feldbett und ein Dixi-Klo, und was krieg ich?!“
– Seite 314

Neben der eigentlichen Geschichte, bekommt der Leser einen genauen Einblick in das Leben der Geflüchteten in den Erstunterkünften. Die Autorin räumt des Weiteren mit sämtlichen Vorurteilen auf, die durch die sozialen Medien und Stammtische seit nunmehr über fünf Jahren gestreut werden. Und dies alles, ohne den Zeigefinger zu erheben. Es sind schlussendlich einfach die nüchternen Fakten, die nicht jeder wahrhaben kann oder möchte, die mich trotz, oder eben gerade deswegen zu Tränen gerührt haben. Hatte ich gedacht, das ganze Ausmaß zu kennen, wurde ich Lügen gestraft. Wenn man sich aktuelle Bilder aus dem zerstörten Aleppo ansieht, reicht ein „es schnürt mir die Kehle zu“ nicht, um in Worte zu fassen, wie es sich anfühlen muss, das alles dort erlebt zu haben. Noch viel schlimmer, dies alles verloren zu haben. Shirvans Schilderungen über das Aleppo vor den Angriffen sind daher wunderschön und schmerzhaft zu gleich.


„Uralt und jeden Morgen neu geboren. Das Licht ist dort zu Hause. […] Reiche fühlen sich sehr klein und gedehmütigt in dieser Stadt, und Arme fühlen sich reich, weil sie dort sein dürfen.“
– Seite 223

Und zwischen den beiden Fronten der tobenden „Wutbürger“ und den helfenden „Gutmenschen“ stehen zwei junge Menschen die erkannt haben, was wirklich zählt.


„Es fühlt sich an, als wären Welten miteinander kollidiert.“
– Seite 131

Während der Lektüre habe ich mir so viele Gedanken und Notizen gemacht und so viele Stellen markiert, die ich für besonders lesenswert oder wichtig erachte. Aber sie alle hier zusammen zu tragen, würde den Rahmen sprengen. Der Roman sollte für sich selbst sprechen und aus diesem Grund von euch gelesen werden.

Also geht raus und kauft es. Lest es und empfehlt es weiter. „Es war einmal Aleppo“ ist mehr als das x-te Jugendbuch, in dem sich Mädchen A in Jungen B verliebt und trotzdem kommen die Gefühle nicht zu kurz. Denn mittendrin ist da noch diese zarte kleine Liebesgeschichte, die überhaupt nicht fehl am Platz ist.

Vielleicht sprechen die beiden zu perfekt Englisch miteinander. Und vielleicht geht manchen Lesern „Tooneys“ Wandlung von der politisch Ahnungslosen hin zur aufgeklärten jungen Frau zu schnell vonstatten. Aber in Bezug auf den restlichen Teil des Romans, kann ich über diese Kleinigkeiten gerne hinwegsehen. Mein einziger Kritikpunkt ist das Handeln eines bestimmten Familienmitglieds am Ende des Romans, denn dieses war in meinen Augen tatsächlich zu aufgesetzt und wollte nicht ganz in das bisherige Bild passen.

Der Schreibstil ist sehr jugendlich gehalten, jedoch nie einfach und immer ein wenig melancholisch angehaucht. Dadurch wird der Roman einem weiten Publikumsspektrum geöffnet.

Gut zu wissen:

Ein Großteil der Erzählungen in diesem Roman beruhen auf wahre Begebenheiten, die der Autorin durch Betroffene in ihrer ehrenamtlichen Aufgabe als „Deutschlehrerin“ wiedergegeben wurden. Weitere Informationen zu „Es war einmal Aleppo“ und zu Jennifer Benkau findet ihr auf den Website des Verlages und in dem von mir verlinkten Interview mit der Autorin, ebenfalls zu finden auf der Homepage von Ink Rebels.

Fazit:

„Es war einmal Aleppo“ ist ein berührendes und bewegendes Buch, das mit seiner jugendlichen Sprache für jeden zugänglich ist.

Es beschönigt nicht, dichtet nichts dorthin, wo es nichts hinzu zu dichten gibt. Brachte mich zum Weinen, aber auch zum Lachen. „Es war einmal Aleppo“ sollte zur Pflichtlektüre in Schulen werden.

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5 thoughts on “[Themenmonat] Rezension zu Es war einmal Aleppo von Jennifer Benkau

  1. Das Buch hört sich sehr vielversprechend an. Gerade für mich ist es sehr interessant, da ich ebenfalls ehrenamtlich einer Familie Deutschunterricht gebe. Sie kommen zwar nicht aus Syrien, aber die Thematik „Flüchtlinge“ ist die gleiche. Vielen Dank für deine Rezension 🙂

    1. Hey 🙂 Erst einmal vielen Dank für deinen Einsatz!

      In der Einrichtung, in der dieser Roman spielt, sind noch einige andere Nationen vertreten. Der Love Interest des Protagonistin kommt allerdings aus Aleppo, Syrien. Daher erfährt man als Leser einiges zum Krieg dort, wie er entstanden ist und was es mit den Leuten macht.

      1. Danke 🙂
        Alleine kann man die Welt vielleicht nicht verändern oder friedliche Welt schaffen, jedoch kann man durch so etwas die Welt zumindest für die betreffenden Personen zu einem viel besseren Ort machen 🙂
        Und das merkt man auch an der Dankbarkeit, die man dafür zurück bekommt.

  2. Dass es sich um ein Jugendbuch handelt – mit dem entsprechenden Schreibstil – schreckt mich zugegebenermaßen ein wenig ab. Abgesehen davon klingt das Buch aber richtig interessant. Vielleicht schaue ich es mir ja doch mal an – und sei es nur, um bei der nächsten Diskussion mit einem engstirnigen „Wutbürger“ argumentativ besser gerüstet zu sein! 😉

    1. Es ist kein einfacher Schreibstil, so dass man sich unterfordert fühlt, allerdings beschreibt er wirklich sehr gut die Gefühlswelt einer 17jährigen. Ich finde man sollte sich hier nicht davon abschrecken lassen, dass es ein Jugendbuch ist, sondern gerade deswegen lesen. Es wirft einen ganz anderen Blickwinkel darauf, als wenn die Prota eine Erwachsene gewesen wäre. 🙂

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