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#saveLUDWIG oder auch: Warum unsere Bahnhofsbuchhandlung nicht sterben darf

Mittlerweile müsste es jeder in Köln mitbekommen haben. Die Bahnhofsbuchhandlung Ludwig, ansäßig im Kölner Haupfbahnhof seit 1946, schließt Ende 2019 ihre Pforten. Allerdings nicht freiwillig. Die Bundespolizei, die direkt nebenan untergebracht ist, benötigt weitere Räumlichkeiten, um das „Haus der Sicherheit“ zu installieren. Ob und warum dies nötig ist, möchte ich an dieser Stelle gar nicht diskutieren. Dafür bin ich zu wenig in der Materie drin. Es ist mir allerdings unbegreiflich warum man sich ausgerechnet dafür entschieden hat, die Buchhandlung räumen zu wollen.

Bei meinem letzten Besuch am Samstag habe ich drei Parfümerieläden gezählt. Dazu kommen mehrere Modegeschäfte, die allen irgendwelchen Ketten zugeordnet werden können, die ebenfalls in der nahegelegenen Hohe Straße sowie Schildergasse zu finden sind. Vielleicht setze ich meine Prioritäten einfach anders, aber warum wird die neue Station der Bundespolizei nicht in das Lokal der Parfümerie D gesetzt, die über zwei Stockwerke geht und dabei viel mehr Platz als die Buchhandlung bietet? Wir haben 11 Filialen dieser Kette in Köln. Nimmt man die aus der näheren Umkreis dazu, kommt man auf ganze 40 Filialen. Auf diese eine kann man mit Sicherheit verzichten, bekommt man doch alles in den beiden anderen Länden sowie in der Drogeriekette, die sich ebenfalls im Bahnhof befindet.

Natürlich könnte man nun argumentieren, dass wir auch einige Buchhandlungen in der Stadt haben. Die größte befindet sich nicht fern am Neumarkt. Und wenn sowohl Ludwig, als auch diese Filiale der M, Ketten sind, unterscheiden sie sich doch sehr in Führung und Sortiment. Ludwig macht eine große Auswahl an unterschiedlichster Literatur aus. Von spannenden Thrillern, über kitschige Liebesromane bis hin zu Klassikern, hoher Literatur und Lyrik ist dort alles vertreten. Internationale Gäste finden dort ein großes Angebot an englischen Romanen und besonders die große Auswahl an Mangas und Comics ziehen viele Otakus und Geeks an. Der Fantasy- und Jugenbuchbereich ist ebenfalls sehr gut vertreten und legt auch dort besonders Wert auf Diversität, entdeckte ich gerade erst die Regale mit den LGBT Büchern. Die Mitarbeiter sind immer freundlich und versuchen, einem bei der Suche nach einem bestimmten Buch zu helfen, egal wie voll oder stressig es ist und man merkt ihnen die Liebe zur Literatur an. Zeigt mir bitte Ketten, bei denen das ebenfalls so ist. Es gibt Ausnahmen, wie zum Beispiel die M in Köln-Nippes (generell sind Nippes und Longerich gut aufgestellt, was ihre Buchhandlungen angeht) aber welcher Tourist wird mal eben dorthin fahren, um sich vor der Reise gut beraten zu lassen?

Ich kann mich noch an meine erste Lesung von Kai Meyer in der Buchhandlung auf der Schildergasse (die es mittlerweile nicht mehr gibt) erinnern, aber auch nur weil es meine erste Autorenlesung überhaupt war. Ich bin mir nicht mehr sicher, um welchem Buch es eigentlich ging, allerdings gab es auch einen Auszug aus Arkadien Band 1. Dafür habe ich jede weitere Lesung von ihm, die dann im Hause Ludwig stattfanden, noch sehr gut in Erinnerung. In der obersten Etage, fernab des Trubels und mit Tee, der rumgereicht wird, bin ich dort nicht nur mit Kai, sondern auch mit Autoren wie Markus Heitz oder Bernhard Hennen, auf phantastische Reisen gegangen. Meine Arbeitsstelle – die ich zugegebenermaßen aufgrund der Elternzeit schon länger nicht mehr aufgesucht habe – liegt in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes. In der Pause ein Buch ausgelesen und keines für die Rückfahrt dabei? Ab zu Ludwig! Bahn hat Verspätung? Ab zu Ludwig. Lange Zeit war Ludwig durch diese Nähe zu meiner Stammbuchhandlung geworden und ich kaufe dort auch immer noch gerne ein, wenn nicht mehr ganz so oft wie „damals“. Durch den Besitz eines eReaders bin ich zwar in der Lage, mir auch an einem Sonntag ein Buch (welches ich unbedingt genau zu diesem Zeitpunkt brauche) zu kaufen. Aber wieso nicht zum Bahnhof fahren und dort durch die Regale stöbern?

Und das alles soll nun sterben? Ich denke und hoffe nicht! Wenn ihr dort einkauft oder in der Nähe seid: Überall im Laden liegen Unterschriftenlisten aus. Schreibt einen Blogbeitrag wie diesen oder den von Buchstabenträumerei. Verbreitet euren Unmut. Es muss sich einfach eine andere Lösung dafür finden. Jede Buchhandlung, die aufgegeben werden muss, ist ein Verlust für uns alle. Könnt ihr euch einen Großstadtbahnhof ohne Buchhandlung vorstellen?

Nur bald keine Buchhandlung mehr?

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9 thoughts on “#saveLUDWIG oder auch: Warum unsere Bahnhofsbuchhandlung nicht sterben darf

  1. Liebe Kitsune,

    ich drücke euch die Daumen, dass die Buchhandlung bleiben darf!
    Egal, an welchem Bahnhof auch immer ich aussteige, ich besuche immer die Buchhandlung dort, egal wie klein sie ist. Auf die anderen Läden habe ich gar keine Lust. Die x-te Parfümerie, der x-te Bäcker oder die Fast-Food-Ketten, die ich fast jeden Tag sehe. Uninteressant. Keiner dieser Läden kommt auch nur annähernd an die Vielfalt von Buchhandlungen heran.
    Es muss sich eine andere Lösung finden.
    Ich erinnere mich noch an unsere Stadt, als dort ein beliebter Schuhladen schließen musste, weil der Inhaber des Gebäudes komplett umbauen wollte und bis auf einen Laden alle Mietverträge gekündigt hat. Am Ende kam es nun so, dass alle Mieter wieder im Gebäude sind.

  2. Hallo,
    auch ich habe das natürlich schon mitbekommen, auch wenn ich nicht gerade aus der gegend stamme und ich finde es schon schlimm, dass ausgerechnet die Buchhandlung zu machen soll!!!
    Ich hoffe ganz sehr, dass diese erhalten bleibt und eine andere Lösung gefunden wird (wird überhaupt an einer anderen Lösung gesucht?)

    Liebe Grüße Anett

    1. Hallo Anett,

      ja ich hoffe auch sehr, dass sie erhalten bleiben kann. Vielleicht könnte ja die Lösung sein, andere Räumlichkeiten frei zu machen. Allerdings könnte es dann auch passieren, dass sie weniger Platz haben und dann nicht mehr dieses breite Sortiment bieten können wie jetzt. Es ist für mich unbegreiflich, dass ausgerechnet das Kulturgut Buch verschwinden muss.

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