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[Themenmonat] Rezension zu Joli Rouge von Alexandra Fischer

Wäre die liebe Alexandra nicht auf mich und meinen Blog zugekommen, wäre dieser Roman wohl an mir vorbei gegangen. Wie ich es an anderer Stelle bereits schon mitgeteilt hatte, bin ich kein großer Fan des Drachenmondverlags, was mehrere Gründe hat. Da diese an sich nichts mit der Rezension zu schaffen haben, belasse ich es bei den unten aufgeführten Kritikpunkten.

Titel: Joli Rouge
Autor: Alexandra Fischer
Taschenbuch: 14,99 €
ebook: 4,99 €
Seiten: 400
Genre: Historischer Roman
IBAN: 978-3959910736
Erschienen: 10.09.2016

La Española, 1656: Das Gesicht der Westindischen Inseln beginnt sich zu verändern. Einst von Spanien dominiert, beginnen sich die Mächte mit den eintreffenden Seefahrernationen England, Frankreich und Holland zu verschieben. Es ist die Welt der Bukaniere, in der die junge Jacquotte Delahaye aufwächst. Eine Welt der Männer, wie sie sehr bald feststellt, beherrscht von der Bruderschaft der Küste, die nach ihren eigenen Regeln lebt und in der Frauen nicht erwünscht sind. Mit dem ihr eigenen Stolz stellt sie sich den Herausforderungen dieser unsteten Zeit, in der man nur selbstbestimmt leben kann, wenn man ein Mann ist. Wird es ihr gelingen, der Bruderschaft beizutreten und ihren eigenen Weg zu gehen? (Drachenmond)

An einem goldenen Herbsttag in den wilden Siebzigern erblickte Alexandra Fischer das Licht der Welt. Schon früh begann sie, Geschichten zu schreiben, auch gerne mal mit Filzstift auf eines ihrer Kleidungsstücke. In der Schule war sie vernarrt in Reizwort-Aufsätze und trieb ihre Mathe-Lehrer in den Wahnsinn, weil sie die Textaufgaben zu ganzen Romanen ausweitete. Irgendwann wurde das Leben dann so aufregend, dass das Schreiben immer weniger wurde, aber vor nicht allzu langer Zeit spielte eine böse Heuschrecke Schicksal und führte Alexandra zurück zu ihren Wurzeln und zu ihrem Traum. Sie fing wieder mit dem Schreiben an und hört seitdem nicht mehr damit auf. Vermutlich sitzt sie auch jetzt gerade mitten im schönen Bayern auf einem Bauernhof, den sie sich mit Mann, Hund, Katzen, Kaninchen, Hühnern und Enten teilt, und haut in die Tasten.

Meinung:

Alexandra Fischers historisches Werk dreht sich um das Leben der jungen Piratin Jacquotte Delahaye, auch bekannt als “Back from the Dead Red”, die tatsächlich in der Zeit von (ca.) 1640 bis 1660 gelebt hat. Um Jacquotte drehen sich einige Mythen und Legenden, die ebenfalls ihren Weg in den Roman gefunden haben.

Die Recherchearbeit und Liebe zum Detail sind „Joli Rouge“ direkt auf den ersten Seiten anzumerken. Es ist für mich immer sehr schwierig Romane zu bewerten, die auf real existierenden historischen Personen basieren, da die genauen Charakterzüge meinst nicht mehr genau zu rekonstruieren sind. Allerdings könnte man sich den Alltag und das Leben der Jacquotte wie von Fischer beschrieben, genau so vorstellen. Die Mischung aus historischen Fakten und Fiktion halte ich daher für perfekt vermischt.

„Noch nie eine Frau gesehen, die es selbst mit dem Tod aufnimmt und die Geißel der Spanier stellt?“

Auch wenn die Schilderungen sehr bildhaft dargestellt werden, so dass die karibische Kulisse vor meinem geistigen Auge schnell Gestalt angenommen hat, blieben mir einige Passagen zu weit weg, da sie nur nacherzählt wurden. Meine persönliche Präferenz ist es, direkt mitten im Geschehen zu sein (show, don’t tell), dennoch gab es auch hiervon zu genügen, dass dieser Kritikpunkt wirklich das berüchtigte Haar in der Suppe ist. Zu erwähnen wären noch die Zeitsprünge, die an mancher Stelle zu einem abrupten Szeneriewechsel führten, aber dies ist auch eher eine Kleinigkeit.

Generell hat mir der Roman so gut gefallen, dass mein größter Kritikpunkt das Verlegen im Drachenmond Verlag ist. Wie auch bereits in „Mondprinzessin“ (von Ava Reed) sind mir die Zeichnungen übel aufgestoßen, wenn es zum Glück auch nur zwei gewesen sind. Dieser zwanghafte Wille, die Bücher mit Illustrationen zu füllen, erschließt sich mir leider überhaupt nicht. Vor allem nicht in diesem Umfang. Entweder zieht man dies von Anfang bis Ende durch, oder lässt sie am besten direkt weg. Natürlich ist auch dies dem eigenen Geschmack geschuldet, aber für mich sind die Figuren in gezeichneter Form genau so ein Dorn im Auge, wie direkte Fotos auf den Covern. Ich lese immerhin einen Roman und nicht etwa einen Comic, oder sehe mir einen Film an. Die eigene Fantasie sollte deswegen im Vordergrund stehen und nicht durch (teilweise sehr schlechte) Zeichnungen beeinflusst werden. Die beiden hier verwendeten Zeichnungen mögen stilistisch zwar gut sein, die Einarbeitung ist qualitativ jedoch nicht sehr hochwertig.

Dieser Freibeuterroman ist blutig, derbe und ist voll mit interessanten Charakteren – allen voran seine Protagonistin. Fischer überrascht mit unerwarteten Wendungen und einem mitreißendem Ende. Moralisch betrachtet, ist Jacquotte aus heutiger Sicht sicher kein Vorbild, ihrer Zeit war sie allemal voraus. Aus diesem Grunde findet sie auch in dem Kinderbuch „Good Night Stories for Rebel Girls“ Erwähnung, was ich euch auch bald einmal vorstellen werde. Ihr Charakter wandelt sich im weiteren Verlauf und wirkt dadurch sehr authentisch.

„Nicht nur die Spanier werden für diese Tat büßen, wir ebenso.“

Der Roman hat mich wirklich gut unterhalten und mitfiebern lassen. Und das, obwohl ich sonst kein großer Fan von Piratenromanen oder historischen Geschichten bin. Das Personenregister im hinteren Teil des Buchs war des Weiteren eine große Hilfe, wenn ich einmal mit einem Namen durcheinander geraten bin. Auch einige von diesen ganzen Nebenfiguren haben tatsächlich gelebt. Welche dies genau sind, solltet ihr aber selbst herausfinden.

Fazit:

„Joli Rouge“ ist ein spannender historischer Roman mit einer starken Heldin. Fans von authentischen Piratengeschichten ist „Joli Rouge“ sehr ans Herz zu legen, er wird aber auch sicher allen anderen gut gefallen können. Dies wird nicht mein letzter Roman der Autorin sein, so viel steht fest.

„Ein tolles Buch, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Ich konnte richtig in die Welt der Piraten eintauchen und habe mit Jacquotte mitgefiebert.“

Jessica von XBooksheaven

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Coverquelle: drachenmond.de

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15 thoughts on “[Themenmonat] Rezension zu Joli Rouge von Alexandra Fischer

  1. Hey!
    Eine wirklich schöne Rezension, ich schleiche schon ewig um das Buch herum und werde es mir demnächst sicherlich kaufen.
    Piratengeschichten habe ich bisher kaum gelesen, umso neugieriger bin ich nun.

    Illustrationen in Büchern finde ich generell toll, aber Personen müssen nicht unbedingt abgebildet sein, wie du schon sagst möchte auch ich mir selbst ein Bild in meiner Fantasie machen.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Vielen Dank! ❤️ Ich bin eigentlich auch nicht so ein großer Fan davon, aber nach dem Lesen dieses doch recht authentischen Buchs könnte ich mir vorstellen, Ähnlichem auch eine Chance zu geben. 🙂

      Es sind zum Glück nur zwei Figuren. Eine der beiden ist vom Aussehen her jedoch sehr speziell und gerade da hätte ich mir keine Zeichnung gewünacht, um Raum für die eigene Fantasie zu lassen.

      1. Ah okay. Ja, meistens ist man dann auch irgendwie enttäuscht. Bei Covern habe ich das auch oft. 🙈
        Oder ich lese im Buch dass sie braune Haare hat und auf dem Cover ist ne blonde Frau abgebildet. Stange.

        1. Solche Details nerven mich auch immer sehr. Bei „Der Kuss der Lüge“ ist (von hinten) eine Frau mit langem blonden Haar zu sehen. Lia ist aber dunkelhaarig. Da der deutsche Verlag, die Originalcover übernommen haben, kann man dies noch nicht einmal in der Rezension ankreiden, vllt. noch anmerken. Aber ich frage mich, warum? Die wissen doch, wie sie aussieht. Mal davon ab, dass die anderen Cover immer hässlicher werden. Da steht immer eine Frau im Abendkleid, was überhaupt nicht passt. Von ihrem Charakter passt es nicht und zu der Zeit, in der das spielt, auch nicht. Aber seit dem Erfolg von „Selection“ hören die Cover, auf denen Frauen in Abendkleidern abgebildet sind, nicht mehr auf.

          1. Hm okay. Sowas finde ich immer komisch. Ich frage mich dann immer, wen die Person darstellen soll? 😀
            Diese Abendkleider nerven mich auch. Bei der Deutschen Ausgabe von Das Reich der sieben Höfe rennt sie ja auch bewaffnet im Kleidchen durch die Wälder. Total beknackt. Die Englischen Cover finde ich viel schöner.

          2. Ohjaaa, dieses Cover finde ich auch sehr grausig. Ist genau so ein Blödsinn, wie ein Großteil der Rüstungen von Frauen im Fantasybereich. Da wird so viel Haut gezeigt, dass man eigentlich auch im Bikini kämpfen könnte. XD

  2. Das mit den Tabs zu den Fakten von dem Buch ist ja sehr cool, das verleiht dem Ganzen viel mehr Stil finde ich, super gelungen!
    Ansonsten ist es eine sehr tolle Rezension, vielen Dank auch fürs verlinken 🙂
    Irgendwie ist es bei den kleineren Verlagen nun Mode, dass man Bilder in die Bücher einbaut, der Zeilengold Verlag macht das auch. Ich finde es schön, wenn über den kapiteln ein kleines Bild ist, aber die ganzen Verzierungen am Rand von allen Seiten sind mir dann auch schon zu viel (sowas gibts ja sehr oft beim Drachenmond Verlag). Hin und wieder ein Bild stört mich nicht, aber hierbei sollten es keine Personen sein, wenn dann nur Landschaften oder Gegenstände.

    Den Preis beim Drachenmond Verlag finde ich auch ziemlich teuer, da man ja auch für ein 200-250 Seiten Buch noch 12€ zahlt, da kauf ich mir oft lieber einen 500 Seiten SP Roman bei Amazon und zahle gleich viel. Die richtig dicken Bücher > 700 Seiten kosten da ja auch gleich mal 20€, das ist für ein TB schon heftig. Zum Glück hatte ich bin jetzt nur eine Enttäuschung aus dem Verlag, bei dem Buch quäle ich mich noch immer, aber Asuka Lionera gehört zB zu meinen Lieblingsautoren, ihre Bücher würd ich immer kaufen, aber sie überlegt auch den Verlag zu wechseln, anscheinend läuft das sowieso gerade viel falsch.

    1. Vielen, vielen Dank!

      Stimmt, Asuka hattest du bereits einmal erwähnt gehabt. Und ja, wenn auch sie sich gegen den Verlag entscheidet, wird es wohl seine Gründe haben. Von Ava Reed habe noch einen anderen Roman aus einem größeren Verlag gelesen und der Qualitätsunterschied war doch gewaltig.

      1. Asukas Bücher sind auch richtig toll, die hab ich zufällig entdeckt! In ihrer Bloggergruppe hat sie so einiges erzählt, da kann man dann nur den Kopf schütteln, aber es gibt auch gute Bücher im Verlag und letztendlich zählt der Inhalt. Bisschen könnten sie aber mit dem Preis runter gehen

  3. Hi Denise 🙂

    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nun schon länger nicht mehr auf deinem Blog war, was mir auch sofort bewusst geworden ist, nachdem ich die Veränderungen bemerkt habe. Die Gestaltung deiner Rezensionen ist ja wunderbar *-* Das größte Problem ist doch immer ‚Wie bekomme ich möglichst viele Informationen auf möglichst wenig Platz?‘ und du hast das wirklich perfekt gelöst! So viel zum Anklicken! 😀

    Das Buch sprang mir wegen seines Covers ins Auge, da die Dame ziemlich verrucht und draufgängerisch aussieht. Der Klappentext klingt auch ganz interessant, aber mich schreckt tatsächlich der Verlag ab. Die Bücher des Drachenmond Verlags sind die einzigen, von denen ich IMMER die Leseprobe lese, weil ich mich schon oft in die Nesseln gesetzt habe mit ihnen. Oft hat mir der Schreibstil nicht gefallen oder es kam mir vor, als hätte niemand dieses Buch Korrektur gelesen. Dafür springen mich auf jeder Seite Schnörkel, Blätter oder andere Zeichnungen an. Irgendwie sind in meinen Augen die Prioritäten falsch gesetzt.

    Deine Rezension klingt allerdings sehr vielversprechend. Ich werde das Buch im Hinterkopf behalten. 🙂

    Liebste Grüße
    Ellen

    1. Ist doch nicht schlimm, ich muss auch noch einige Kommentare auf meinen Lieblingsblogs (u.a. deiner) nachholen.

      Vielen, vielen Dank! Es hat mich sehr genervt, dass alle Infos hintereinander weg die Seite gefühlt länger gemacht haben. Außerdem lese ich nicht immer Klappentexte und habe mir gedacht, dass sicher auch einige meiner Leser dies so handhaben. Wieso sie also direkt mit diesem spoilern? So kann man selbst entscheiden, ob man ihn anklicken möchte oder nicht.

      Drachenmondverlag ist wie schon angedeutet, ein rotes Tuch bei mir. Habe da auch ein paar Enttäuschungen hinter mir. Hätte Alexandra mich nicht selbst angeschrieben, hätte ich das Buch wahrscheinlich auch nicht gelesen. Mich stören diese Zeichnungen in den Büchern vom Verlag auch sehr. Oft sind die sehr kindlich gestaltet, oder die Druckqualität ist sehr schlecht. Was mich auch sehr ärgert ist das Preisleistungsverhältnis. 15 € für ein Taschenbuch bin ich bereit zu zahlen, allerdings nicht in diesem Verhältnis. Das sind einfach die TB die man auch von SP bei Amazon bekommen kann. Super schwer, viel zu weiße Seiten und mit einer hässlichen Naht vorne drauf. Das Cover hier ist ja fast noch neutral gehalten. Die Cover der ganzen Bücher die danach erschienen sind, sind so überladen und vollgepackt. Ich will wirklich nicht niemanden zu nahe treten aber bei manchen Büchern hatte ich das Gefühl, dass sie vom Inhalt ablenken sollten. Joli Rouge ist da wirklich eine tolle Ausnahme. Ich würde es mir selbst allerdings nur als ebook kaufen (wg. des unhandlichen Formats).

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