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[Rezension] Nächster Halt: Indien von Katy Colins

Wie ich es bereits in der Rezension von „Nächster Halt: Thailand“ angekündigt habe, kommt heute eine Rezension die sich fast schon Rant schimpfen kann. War der erste Band noch hart an der Grenze, fällt „Nächster Halt: Indien“ komplett durch. Wäre dies kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich schon nach der Hälfte aufgegeben. Ihr müsst daher nicht erst zum Fazit scrollen um erraten zu können, dass ich die Serie nicht weiter fortsetzen werde.

Titel: Nächster Halt: Indien "Lonely Heart Travel Club 2"
Originaltitel: Destination India
Autor: Katy Colins
Übersetzer: Marina Ignatjuk
Taschenbuch: 9,99 €
ebook: 8,99 €
Seiten: 416 Seiten
IBAN: 978-3956497001
Erschienen: 07.08.2017

Georgia Green gründet ihr eigenes Business, den "Lonely Hearts Travel Club". Die junge Frau ist fest entschlossen, ihre Freude am Reisen auch an andere Singles weiterzugeben. Aber ein Unternehmen aus dem Boden zu stampfen, ist kein Strandspaziergang. Beinahe droht Georgia in der Arbeit unterzugehen. Was könnte da besser helfen, als in eine vollkommen fremde Kultur einzutauchen? Also auf in das Land von Bollywood, Taj Mahal und Yoga. In Indien erfährt Georgia viel über sich selbst, und was noch alles in ihr steckt.

Katy Colins wurde vorm Altar stehengelassen und hat sich daraufhin entschlossen, ihr Leben zu ändern. Sie hat ihr Haus verkauft, ihren Job gekündigt und ist um die Welt gereist. Von ihren Erlebnissen erzählt sie auf ihrem Blog notwedordead.com, der eine sehr große Leserschaft gefunden hat. Georgia Green ist ihr Alter Ego.

Vielen Dank an HarperColins sowie Netgalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Meinung:

Kennt ihr die Situation in der ihr unbedingt irgendwo hin möchtet, aber nie dort ankommt? Genauso liest sich der zweite Teil der „Lonely Hearts Travel Club“ Reihe.

Nach dem holprigen Start Georgias ins selbstständige Berufsleben und mit Beginn der eigentlichen Reihe habe ich erwartet, endlich ihrer Entwicklung entgegen zu sehen. Ihr Verhalten gleicht allerdings weiterhin dem aus dem ersten Band, wenn es nicht sogar schlimmer geworden ist. Weiterhin läuft sie jedem naiv in die Arme, der nur ein Lächeln für sie übrig hat und lässt dabei alles, was in „Nächster Halt: Thailand“ passiert ist, außer Acht. Auch müsste man meinen dass jemand, der in der Reisebranche arbeitet und selbst umherreist endlich einmal damit aufhört, in Stereotypen und Klischees zu denken. Als Beispiel möchte ich eine junge Inderin nennen, der Georgia bei einer Zugfahrt begegnet und von der sie – ohne dass die Frau bis auf ihre Friseur (kurzer Bob) jemals beschrieben wurde – sofort ausgeht, dass sie auf jeden Fall arm sein muss.

„Diese Fremde, diese freundliche junge Mutter besaß nichts, bot mir jedoch alles an.“ – 55% (Kindle)

Ob es nun am englischen Humor (den ich für gewöhnlich sehr mag), an einer schlechten Übersetzung oder einfach an meinem kritischen Geschmack liegt, vermag ich nicht zu sagen. Aber es gab sehr viele Situationen im Roman, die ich nicht nachvollziehen konnte. Das waren Unterhaltungen oder Geschehnisse, die nicht zur Lage gepasst haben, oder zu nichts geführt hatten, oder aber eben bewusst in eine lustige Ecke gedrängt worden sind, ohne dass sie wirklich lustig waren. Es geht ständig etwas schief, wird dann aber ohne Probleme wieder gerade gebogen, so dass keine Konsequenzen aus Erlebnis und Handlung hervorgehen.

Ich sehe, was hier versucht wird. Nicht umsonst werden die Bücher auch mit „Ähnlich wie Bridget Jones“ beworben. Doch dieser Humor und die Komik, die die ersten beiden Bücher (alles was nach „Schokoklade zum Frühstück“ und „Am Rande des Wahnsinns“ kam, habe ich nicht gelesen) versprüht haben, schmeckt hier wie das verdorbene Curry, dass man Georgia in irgendeiner Spelunke serviert hat.

Wo ich direkt beim nächsten Punkt angekommen bin. Der Roman könnte überall spielen. Genau wie bei seinem Vorgänger sind hier alle wichtigen Sehenswürdigkeiten und Punkte, die abgearbeitet werden wollen zwar auf der Liste, werden jedoch oft nicht in die Tat umgesetzt. Die Autorin ist sich dabei auch nicht dafür zu schade, einen absurden Grund nach dem anderen zu finden, warum geplante Touren eben nicht stattfinden können. Wenn man die Figuren der Reisegruppe dann alle aufgrund des oben genannten Currys außer Gefecht setzt, muss halt auch keine Touristenattraktion beschrieben werden. Ich hätte mir ein ausgewogeneres Gleichgewicht zwischen dem Leben der Charaktere und der Reise gewünscht. Ansonsten hätte der Roman wirklich an jedem beliebigen Ort spielen können.

Im Großen und Ganzen habe ich nicht das Gefühl gehabt, eine leichte Sommerlektüre zu konsumieren, sondern in einem mittelmäßigen Hollywoodstreifen gelandet worden zu sein. Eine Sache, dich ich in Filmen überhaupt nicht leiden kann ist die Situation, wenn Person A eine flammende Rede hält, in der eigentlich eine Botschaft für Person B eigebaut wurde. Person B springt dann mit auf den Zug auf und steuert seine Rede dagegen. Das Publikum steht davor und wundert sich, während sich die beiden ihren offen heimlichen Schlagabtausch liefern. Das ist in Serien und Filmen schon so ausgebrannt, dass man es nicht auch noch in Büchern unterbringen muss. Gleiches gilt für vermeintliche Konkurrenten, die eigentlich keine sind. Hat man alles schon einmal gelesen/gesehen und selbst als gut gemeinte Wiederholung war es nicht innovativ.

 

Fazit:

 

Leider war dieser Roman ein absoluter Fehlgriff von mir. Ich weiß, dass ich selber die Schuld daran trage, denn ich hätte es nicht anfragen sollen, bevor ich nicht Band 1 zu Ende gelesen haben. Was mich tröstet ist, dass ich nur für den ersten Teil Geld ausgegeben habe. Es gab überhaupt keine Charakterentwicklung und spätestens in diesem Teil hätte sie endlich einmal einsetzen sollen. Die Tollpatschigkeit der Protagonistin soll Humor in den Roman bringen, scheitert aber an der Absurdheit der jeweiligen Situation.

„Nächster Halt: Indien“ ist der Versuch, so viele Klischees über Indien und seine Bevölkerung wie möglich in einem Buch zu vereinen. Wie eingangs erwähnt endet hier meine Reise mit dem „Lonely Heart Travel Club“.
Bildquelle Cover: amazon.de

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7 thoughts on “[Rezension] Nächster Halt: Indien von Katy Colins

  1. Guten Morgen!

    Ich bin gerade auf diese Rezension gestoßen und habe mich gefreut wie ein Honigkuchenpferd. Der Titel klang so vielversprechend, gerade weil ich Bücher über das Reisen so unfassbar liebe, doch deine Rezension hat meine Vorfreude etwas getrübt. Du beschreibst hier Dinge, die mir wahrscheinlich ebenso wenig gefallen, vielleicht sogar aufgeregt hätten. Sehr schade drum, das Cover allerdings finde ich sehr schön!

    Liebste Grüße
    Ivy

    1. Guten Morgen 🙂

      Und ich freue mich, dich hier auf dem Blog begrüßen zu dürfen. Ich lese so gerne deine Beiträge, da ist es mir wirklich eine Ehre, dass du dich hierhin verlaufen hast. <3

      Hätte ich den "Indien" unabhängig vom anderen Teil gelesen, würde es nicht ganz so verteufeln, es wäre aber immer noch nicht mein Lieblingsbuch. Die Protagonistin hatte jetzt zwei Bücher Zeit, sich mal ein wenig zu entwickeln und steht doch nur auf der Stelle. Dass kaum etwas Spannendes, was mit den Ländern zu tun hat, passiert, kommt noch oben drauf. Aus dem Grund ähneln sich die Reisen in Indien und Thailand auch so. Die Cover sind toll, da gebe ich dir recht. 😀

      1. Das ist sehr schade, gerade bei Büchern, in denen es ums Reisen geht und die in fremden Ländern spielen, freue ich mich insbesondere darauf, etwas über Land und Leute zu lernen – ansonsten kann ich mein Buch auch in einem kleinen Kuhdorf in Deutschland spielen lassen, wenn ich keinen Wert darauf lege, die Umgebung, Sehenswürdigkeiten & Co. zu beschreiben. Wirklich sehr schade …. 🙁 ich glaube das Buch ist dann eher doch nichts für mich!

        Und gerne 🙂 ich frage mich gerade, wieso ich dir nicht schon eher gefolgt bin, ich finde deinen Blog toll <3

  2. Ach wie schade …

    Eigentlich klang die Idee dieser Serie für mich ja ganz interessant und witzig. Aber offensichtlich gab es weder interessant, weil man die Länder, in denen die Bücher spielen, nicht wirklich kennenlernt, sondern höchstens viele Klischees verbreitet werden, noch gab es witzig, weil das Buch zumindest Deinen Humor nicht getroffen hat. Ich liebe ja schwarzen britischen Humor, aber der schent hier nicht besonders ausgeprägt zu sein.

    Außerdem glaube ich auch nicht, dass ich Vergnügen an einer viel zu naiven Proagonisten haben würde, wenn sie nie etwas dazu lernt. Also ist diese Reihe wohl auch nichts für mich. Danke für die „Warnung“.

    LG Gabi

    1. Hallo Gabi.

      Ja, die Serie klang am Anfang wirklich toll und auch die Cover sind sehr sommerlich. Doch leider kann der Inhalt – in meinen Augen – da nicht mithalten. Der Humor hier ist nicht der „schwarze britische“, den ich sehr gerne mag. Kennst du solche Sendungen wie diese, wo vier Bräute um eine Hochzeit kämpfen? Ich kann mich daran erinnern, dass sowas mal auf Sixx lief. Da gab es eine amerikanische und eine britische Ausgabe. Wie beim schlechten TV hier in Deutschland (RTL II und Co.) sucht man sich dort für die Sendungen auch Leute aus, die man abschätzig als „Unterschicht“ bezeichnen würde. In etwa die Richtung geht die Protagonistin hier.

        1. So habe ich es zumindest empfunden. Die Art der Redensweise war schon sehr gewöhnungsbedürftig. Hätte es zum Szenario gepasst, hätte mich es übrigens nicht gestört. Aber so? Nein danke, keine Bücher der Autorin mehr für mich.

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