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Nachruf auf einen Kater [Teil 2] – Anekdoten

Es freut mich sehr, dass euch der erste Beitrag gut gefallen hat. Allerdings hatte ich nicht vorgesehen, dass er euch zu Tränen rühren soll. Was das angeht, solltet ihr dann vielleicht nicht den letzten Teil – den ich auch zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrages noch nicht erstellt habe – lesen. Im dritten Teil wird um die letzte Zeit und die Krankheiten, die das Alter so mit sich gebracht hat, beinhalten. Vielleicht ist der kommende Beitrag jedoch für alle hilfreich, die ebenfalls eine (oder mehrere) alte/kranke Katze beherbergen. Ich hatte bewusst den Nachruf in drei Teile aufgeteilt, weil ein Beitrag von der Länge her den Rahmen gesprengt hätte. Alle Teile:

Der Anfang
Anekdoten
Der Abschied

Der heutige Beitrag dient vor allem mir zur Erinnerung. Auch wenn ich die meisten Sachen noch so gut im Kopf habe, um sie niederschreiben zu können, ist es zum einen eine gute Art, nichts zu vergessen. Auf der andere Seite hilft es mir gerade ungemein, mich auf die positiven Dinge zu besinnen. Es ist immer noch so surreal, dass er nach all der Zeit nicht mehr da ist. Ich erinnere mich gerne an die schönen und ja, auch an die nicht so schönen Zeiten zurück. Aber jedes Mal, wenn mir wieder bewusst wird, dass es keine zukünftigen Geschichten mehr geben wird, kommen mir erneut die Tränen. Die Tage hatte ich teilweise das Gefühl zu hören, wie er auf den Esstisch sprang. Ein anderes Mal glaubte ich, seinen „Krankheitsgeruch“, der ihm die letzten Tage anhaftete, wahrnehmen zu können. Und natürlich ist da noch die Erwartungshaltung, dass er zusammen mit Diva den Raum betritt. Es wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern, bis dies aufhört.

Der frechste Kater der Welt oder Wie wir nur noch in Stiefeln durch den Flur gingen

Sammy war zum Zeitpunkt, als er bei mir einzog ca. 6 Monate alt und befand sich gerade mitten in der Katzenpubertät. Wer schon einmal in so einer Situation gewesen ist wird sich mit Sicherheit an diese Flegelzeit erinnern. So ruhig und besonnen er im Alter war, umso mehr Flausen hatte er als junger Kater im Kopf. In dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, lebte ich in der Wohnung meiner Großeltern. Zu dieser gehörte ein viel zu langer Flur, der durch Schränke zur Aufbewahrungsstätte allerlei Prüddel wurde. Einer dieser Schränke war ein alter, aufgewerteter Bauernschrank. Da ich selbst keinerlei Rechte hatte, die Wohnung (bis auf mein Zimmer) zu gestalten, wurde man unter anderem beim Eintreten in die Wohnung von einem riesigen Strauss künstlicher Blumen auf eben diesem Schrank begrüßt. Nachdem Sammy herausgefunden hatte, wie er auf diesen – doch sehr hohen – Schrank gelangen konnte, gab es für ihn zwei Lieblingsbeschäftigungen auf diesem: 1. dort oben seinen Mittagsschlaf abhalten. 2. warten, bis jemand unter dem Schrank lang ging und genau in diesem Augenblick den verstaubten Strauss auf den Kopf de armen Tropfs zu werfen. Wenn man sich dann empört nach oben wandte, funkelten einen streitlustige gelbe Augen an. Besonders aufgrund dieses frechen Blickes konnte man ihm nicht böse sein. Aber wehe dem, er wurde dann an- bzw. ausgelacht. In dem Fall konnte man nicht schnell genug flüchten, weil sonst der Kater hinterher geflogen kam.

Ein weiterer toller Spaß für Sammy war der, ebenfalls in diesem Flur, befindliche Sessel. Wenn Sammy nicht gerade auf dem zuvor erwähnten Bauernschrank lag und jeden, der sich daran vorbei traute, mit Kunstblumen bewarf, lauerte er unter diesem Sessel. Ging dann jemand vorbei, sprang er hervor und biss und krallte sich in die Beine desjenigen fest. Ja, er war als Jungkater ein ganz besonderer Schatz. Eine Zeit lang gingen wir deswegen nur mit Gummistiefeln bewaffnet daran vorbei, wenn wir das schwarze Katertier im Schatten des Sessels vermuteten.

Generell hatte er eine große Freude daran, sich in Beine und Arme zu verbeißen, um seine Kraft zu demonstrieren. Inklusive Treteln. Dies wurde nach seiner Kastration zwar besser, hörte aber erst Jahre später gänzlich auf.

Wenn ich vorwärts umfalle, gehe ich halt rückwärts

Wo wir gerade bei der Kastration waren komme ich nicht um diese Geschichte herum. Weil er zu dem Zeitpunkt, an dem ich ihn bekommen hatte, noch zu jung für eine Kastration war, bekam ich ihn mit der Auflage, dies selbst durch unseren Tierarzt durchführen zu lassen. Sammy war schon immer ein Kater, der zur Not – wenn es wirklich nicht anders ging – mit dem Kopf durch die Wand gehen musste. Aber vielleicht erst einmal von Anfang an.

Bevor es zum Arzt ging, mussten wir Sammy in die Transportbox bekommen. Bei dieser handelte es sich um eine aus Hartplastik mit einem Gitter an der Vorderseite, welches durch Verdrehen von länglichen Knöpfen fixiert wurde. Die taschenähnliche Box, die wir zuvor angeschafft hatten, mussten wir durch diese neue ersetzen, da er diese erste mit Hilfe von Pfoten und Krallen aufbekommen hatte. Dies führte dazu, dass wir zum Nachimpfen, was noch im Tierheim stattfinden sollte, einen Kater durch das Auto laufen hatten. Nachdem der Kater nun unter Protest in die neue Box befördert wurde, wurde diese noch kurz in den Flur gestellt. Die Person, die uns fahren sollte, wollte in der Küche noch ihren Kaffee zu Ende trinken. Ich hatte kein gutes Gefühl bei der Sache und nach kurzer Zeit war auch schon ein Poltern aus dem Flur zu hören. Und gerade als ich aufstehen wollte, hörte ich neben mir auch schon ein stolzes „Whaaaaa-u“. „Schau mal, ich bin da ganz alleine rausgekommen“.

Nachdem wir Sammy beim Arzt abgegeben und die Zeit totgeschlagen hatten, durfte ich mein Katerchen endlich wieder abholen gehen. Er sei noch im Tiefschlaf und ich sollte ihn deswegen am besten Zuhause auf der Erde aufwachen lassen. Also bereitete ich Decken und Kissen vor uns legte den schlafenden Kater darauf und wartete auf sein Aufwachen. Dieses kam dann auch relativ schnell und ein leicht orientierungsloser Sammy versuchte sich aufzurappeln und aufzustehen. Jeder Schritt nach vorne endete in einem Plums auf die Nase. Und so sehr ich versuchte, den Sturkopf dazu zu bekommen, sich wieder hinzulegen, so sehr versuchte er, herum zu laufen. Ich vermutete Hunger und andere Bedürfnisse und zog los, um Futterschale und Katzentoilette in das Wohnzimmer zu bringen. Als ich wieder das Zimmer betreten wollte, begrüßte mich schon schallendes Gelächter der ebenfalls anwesenden Personen. Beim Eintreten kam mir dann auch schon Sammy entgegen. Schwanz voraus, den Kopf in meine Richtung gedreht. Ein gelalltes „rrrrrwau“ begleitete sein zwar immer noch leicht wackeliges, aber nun sicheres Umherlaufen. Bis zum Abend hin (die OP war Vormittags, an die genaue Zeit erinnere ich mich nicht mehr) kam immer erst der stolz aufgerichtete Schwanz „Seht her, ich laufe ohne umzufallen“, rief man nach dem Katertier. Es mag Situationskomik gewesen sein, aber dieses Bild das er bot war so albern und niedlich zu gleich, es gehört einfach in diese Erzählung mit hinein.

Lach und ich springe dir ins Gesicht

Das oben erwähnte „Auslachen“ hatten meine Schwester und ich einmal wirklich auf die Spitze getrieben. Dazu muss man erwähnen, dass wir wirklich noch sehr jung waren. Und dumm. Anders ließe sich auch nicht erklären, dass ich mir gerade im Bad einen so hellen rosafarbenen Lidschatten ins Gesicht malen wollte, der schon fast weiß wirkte. Meine Schwester war gerade in dem Alter, so sie selbst noch kein Interesse daran hatte, es aber spannend fand, wie ich mich so als Clown machte. Sammy war natürlich mit im Badezimmer und sprang auf den Toilettendeckel in der Hoffnung, gebürstet zu werden. Von kleinauf hatten wir dies so mit ihm trainiert und er auch dies auch noch solange gemacht, wie hochspringen konnte. Nun stand Herr Kater also auf dem Toilettendeckel und maunzte mich mit an. Noch den Pinsel in der Hand fragte mein dummes, jüngeres ich „du, auch?“ und ehe der arme Kater wusste wie ihm geschah, hatte er über den Augen zwei fast weiße Balken. Die auf seinem dunklem Fell aussehen, wie zwei dicke Augenbrauen. Wir konnte nicht anders und mussten lachen, es sah einfach zu komisch aus. Jedes mal wenn wir uns beruhigt hatten, kam wieder der strenge, vorwurfswolle Blick, der durch die künstlichen Augenbrauen nur verstärkt wurde und wir gackerten wieder los. Umso mehr wir lachen mussten, umso wütender wurde der Kater. Als er dann zum Sprung ansetze, rannten wir so schnell wir konnten. Nicht immer war Lachen der Auslöser für solche Sprünge. Machmal war es einfach nur Sammys Spiellaune. Fakt war allerdings, dass man rennen musste, sobald von den Augen nur noch Pupillen übrig waren. In einer solchen „Attacke ins Gesicht Aktion“ konnte ich mich gerade noch so wegdrehen. Dabei erwischte er allerdings meine Kette die ich trug und schaffte es tatsächlich, diese durchzureißen. Von dem Tag an trug ich nur noch sehr sporadisch Halsketten.

Ich will raus, lass mich bitte rein, bitte lass mich raus, ey man ich will rein

Sammy war schon immer ein Ausbrecherkönig. Im Tierheim befreite er sich zum Beispiel aus dem Quarantänekäfig, um dann eine Runde durch das Tierheim zu drehen. Im Anschluss daran ging er auch brav wieder in die Station zurück, schließlich stand ja dort sein Futter. Die Feuerwehr befreite ihn wohl aus einer Lagerhalle eines stillgelegten Geländes, was nur noch hin und wieder von Arbeitern betreten wurde. Diese hörten dann auch sein jämmerliches Schreien, holten ihn raus und übergaben ihn an die Feuerwehr, die ihn wiederum ins Tierheim brachte. Dieser kleine Ausflug hatte zur Folge, dass Sammy bis ins Vorrenteralter ein Problem mit geschlossenen Türen hatte. Mit der Ruhe des Rentnerdaseins legte sich dieser Tick, aber vor allem in seiner Jugend war er sehr ausgeprägt.

Eine Sache, die dies mit sich brachte, war das selbstständige Öffnen von Türen. Wurde ich anfangs noch beschuldigt, ständig die Wohnungstür offen stehen zu lassen, wurde der eigentliche Verdächtige dann doch rasch auf frischer Tat ertappt. Anlauf nehmen, mit vollem Gewicht auf die Klinke springen und dann erhobenen Schwanzes durch die offene Tür schreiten. Ja, das konnte Sammy. Und wenn er raus wollte und seine Menschen ihm nicht helfen wollten, dann ging er eben alleine raus.

Nun war der Auslauf mitten in der Kölner Südstadt nicht gerade der am besten geeignete für eine Katze. Terrasse und Balkon waren zwar ganz nett, reichten Sammy allerdings auf lange Sicht nicht. Er fand eine bessere Alternative. Das Treppenhaus! In dem Mehrparteienhaus gab es immer etwas zu sehen, Wohnungen zu erkunden und irgendwer hatte immer etwas zu Essen für einen Kater bereit, der einem erfolgreich vergaukeln konnte, Zuhause nichts zu Essen zu bekommen. Ein Problem gab es bei diesen regelmäßigen Ausflügen allerdings. Er kam nicht immer dann rein, wie es ihm passte. Wollte er wieder in die Wohnung, musste er sich maunzend vor die Wohnungstür stellen und hoffen, dass wir ihn entweder hören konnten, oder dass einer der Mieter gerade vorbei kam und für ihn klingeln konnte. War er dann wieder in der Wohnung, wollte er meist wieder raus. Und dann wieder rein. Und wieder raus. Und das alles unter großem Geschrei. Der Siamanteil war vor allem in seiner Stimme zu spüren. Das Türthema war so lange ein leidiges, bis uns jemand die „Klingel für Katzen“ empfahl. Dabei handelte es sich um eine Matte, die man unter die Fußmatte legte und die, bei Berührung einen Ton von sich gab. Wir mussten ihm dies einmal zeigen. Danach wünschen wir uns, die Matte nie angeschafft zu haben. Aber eigentlich amüsierte es uns doch sehr und ich muss heute noch schmunzeln. Hatte Sammy genug und wollte rein, war direkt ein kurzes „Bing Bong“ zu hören. Reagierte man allerdings nicht innerhalb weniger Sekunden, sprang er solange auf und ab, bis endlich die Tür geöffnet wurde. Menschen, was sind sie auch so furchtbar langsam.

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