Lesungen

[Lesung] Kai Meyer in der Buchhandlung Ludwig am 05.09.2017

Nachdem ich die letzten Lesungstermine aufgrund der „besonderen Umstände“ nicht besuchen konnte, stand am 05.09.2017 endlich mal wieder der Besuch einer Lesung von Kai Meyer für mich an.

Anlass war das Erscheinen von „Die Spur der Bücher“, welches die Vorgeschichte der „Seiten der Welt“ Trilogie darstellt. Der Roman ist am 24.08.2017 erschienen und ihr könnt ihn zum Beispiel hier* erwerben.

Nach der eigentlichen Lesung, die einen spannenden Auszug aus „Die Spur der Bücher“ beinhaltete, gab es – wie üblich – im Anschluss daran eine Fragerunde. Was sich daraus ergeben hat, erwartet euch im meinem heutigen Bericht. Für die Verzögerung entschuldige ich mich noch einmal sehr.

Entstehung und Idee

Mit „Die Spur der Bücher“ erfüllte sich Kai Meyer den Wunsch, endlich wieder ein historischen Roman zu verfassen. Besonders das viktorianische London, dessen Setting für diesen Roman verwendet wurde, hatte es ihm angetan.

Der zweite Band erscheint im Herbst 2018 und wird die Geschichte der Protagonistin aus Band 1 fortführen. Ob aus der Dilogie eine Trilogie werden wird, ist momentan noch nicht abzusehen.

Eine Figur entstand eher aus einem Spaß seiner Verlegerin heraus. Sie schickte ihm die Zeichnung einer knollennasigen Karikatur. Ihm wiederum sagte sie so zu, dass sie ihren Weg in den Roman gefunden hat. Ein anderer Gegenstand hingegen, der ebenfalls eine wichtige Rolle im Roman spielt, entsprang aus einem Projekt, welches nie veröffentlicht wurde. Zusammen mit der Zeichnerin der Frostfeuer Comicadaption wollte Meyer ein erotische Geschichte entwickeln. Das Schlüssellochglas (welches in „Die Spur der Bücher“ eine ganz andere Funktion hat) sollte es einem ermöglichen, durch Wände sehen zu können. Auch wenn sich dies, wie ich finde, ganz interessant anhört, entschieden sich die beiden am Ende gegen das Projekt.

Das Thema der Bibliomantik und damit sowohl „Die Spur der Bücher“ als auch „Die Seiten der Welt“ ist Meyers Liebeserklärung an Bücher, den Buchhandel und das Lesen.

Die Krone der Sterne

Zurzeit arbeitet Meyer am zweiten Teil seines Weltraumabenteuers „Die Krone der Sterne“. Am Tag der Lesung ist das Manuskript dem Verlag übergeben worden. Das fertige Werk wird dann Ende Februar im TOR Fischer Verlag erscheinen.

Beim Verfassen des zweiten Bandes, an dem er laut eigener Aussage noch ambitionierter gearbeitet hat, stellte er fest, dass seine erschaffene Welt weit größere Ausmaße angenommen hat, als ursprünglich geplant. Aus diesem Grunde ist ein dritter Teil für Ende Februar 2019 geplant.

Wie ein Meyer entsteht

Eine Frage aus dem Publikum (die ihm ziemlich häufig gestellt wird) bezog sich darauf, warum er meist auf weibliche Protagonisten zurückgreift. Seine erste Protagonistin schrieb er 1995, weil zu dem Zeitpunkt fast ausschließlich Männer in den Hauptrollen zu finden waren. Weil ihm dieser Umstand nicht gefiel, sollte es bei ihm eine Heldin werden. Und dabei ist es dann geblieben. Kommen ihm neue Romanideen, erzählt sich die Geschichte mittlerweile automatisch aus der Sicht einer Frau.

Kai schreibt zunächst immer erst ein ca. 40 seitiges Exposé, das bereits alle wichtigen Handlungen umfasst und arbeitet sich an diesem entlang. Er plant dabei die Geschichte immer sehr genau, damit am Schluss alles sinnvoll zusammenläuft.

„Überraschungen einbauen kann jeder. Sie müssen aber am Ende auch funktionieren.“

Früher ist er dazu übergegangen, seine Notizbücher nach Beenden eines Projekts wegzuwerfen, um den Kopf für neue Projekte frei zu haben. Dies macht er nun nicht mehr, um von diesen Heften nicht verwendete Ideen an anderer Stelle verwenden zu können. So gibt es unter anderem auch noch die Notizen zu einem nie veröffentlichen Projekt, dass er ursprünglich im Carlsen Verlag (anstatt der Arkadienreihe) veröffentlichen wollte. Weil diese Geschichte aber zu nahe an der Fließenden Königin war, wurde es schließlich die Erzählung von Rosa und Alessandro. Nicht verwendete Ideen aus diesem Notizbuch finden noch heute den Weg in seine Bücher.

Warum Horror niemanden mehr gruselt

Unter Pseudonym hat er vor zwei Jahren einen Horrorroman veröffentlicht, der aber nicht gut angekommen ist. In den 80er boomte das Genre und in der Filmindustrie ist dies auch heute noch so. Allerdings profitiert der Buchmarkt nicht davon. Aus diesem Grund lässt er das Düsterne, soweit es geht, in seine Romane mit einfließen. Einen vollständigen Horrorroman werden wir in nächster Zeit jedoch nicht von ihm sehen. Dabei war dieses Genre das erste, was er überhaupt schreiben wollte, da er selbst immer gern und viel Horror gelesen hat. Dabei musste Kai allerdings feststellen, dass es tatsächlich schwierig geworden ist etwas zu finden, was die Leute noch gruselt. Horrorelemente die vor 30 Jahren noch funktioniert haben, fürchten heute niemanden mehr.

Übrigens wird es bald auch wieder zwei seiner alten Werke in der Liebhaberedition beim Blitzverlag erscheinen. Schaut doch einfach mal dort vorbei.

London – eine Stadt im Bann der Bücher. Mercy Amberdale ist in Buchläden und Antiquariaten aufgewachsen. Sie kennt den Zauber der Geschichten und besitzt das Talent der Bibliomantik. Für reiche Sammler besorgt sie die kostbarsten Titel, pirscht nachts durch Englands geheime Bibliotheken.
Doch dann folgt sie der Spur der Bücher zum Schauplatz eines rätselhaften Mordes: Ein Buchhändler ist inmitten seines Ladens verbrannt, ohne dass ein Stück Papier zu Schaden kam. Mercy gerät in ein Netz aus magischen Intrigen und dunklen Familiengeheimnissen, bis die Suche nach der Wahrheit sie zur Wurzel aller Bibliomantik führt.

Kai Meyer geboren 1969, studierte Film- und Theaterwissenschaften und arbeitete als Journalist, bevor er sich ganz auf das Schreiben von Büchern verlegte. Er hat inzwischen über fünfzig Titel veröffentlicht, darunter zahlreiche Bestseller, und gilt als einer der wichtigsten Phantastik-Autoren Deutschlands. Seine Werke erscheinen auch als Film-, Comic- und Hörspieladaptionen und wurden in dreißig Sprachen übersetzt.

Bildquelle Cover: amazon.de

 

 

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22 thoughts on “[Lesung] Kai Meyer in der Buchhandlung Ludwig am 05.09.2017

  1. Hallo,
    ein wunderbarer Bericht, vielen Dank dafür! Ich liebe Kai Meyers Bücher auch total und hoffe ich schaffe es tatsächlich mal, ihn irgendwann auch live zu erleben. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zum Schluss.
    Liebe Grüße Michi

          1. Kenne ich. Vor Ort ist dann plötzlich alles anders und nach vielen Stunden bleibt man dann teilweise auch einfach mal da sitzen, wo man gerade ist und lässt sich überraschen, wer denn da als nächstes einen Vortrag hält. XD

  2. Liebe Nise,

    ich bin jetzt gerade erst zum Lesen gekommen, deswegen auch heute erst der Kommentar :). Ich lese Berichte über Lesungen super gerne, vor allem wenn es Autoren sind, wo ich weiß, dass sie nie oder nicht so schnell in meine Stadt kommen werden. Jürgen ist da übrigens ein bisschen großzügig, ich würde gern öfter darüber schreiben, aber in letzter Zeit gab es bei uns nicht mehr so viele für mich interessante Lesungen … Und manchmal passt es auch einfach von der Zeit her nicht. Über die Criminale hätte ich beispielsweise gerne geschrieben, aber das hat wohl nicht sollen sein. Daher mach dir keinen Stress: Schreib über Lesungen, wenn du Lust und Laune hast, ganz einfach. Und wenn nicht, ist es auch gut ;).

    Ganz liebe Grüße
    Ascari

    1. Lieben Dank für deinen Kommentar. Generell macht es Spaß darüber zu schreiben, allerdings bin ich momentan nicht so mit meinen Texte zufrieden. Ja, so richtig viel was mich interessiert gibt es hier derzeit auch nicht. Als ich abends nicht weg konnte, war das anders. 🙄 Im Oktober gehe ich dann zu Kerstin Gier, darauf freue ich mich schon so sehr.

  3. Wie schön, dass Du uns zu dieser interessanten Lesung und der Fragestunde mitgenommen hast. Ich liebe es, von Lesungen berichtet zu bekommen, die ich selbst nicht besuchen konnte. So kann ich wenigstens ein bisschen dabei sein.
    Von Kai Meyer habe ich bis jetzt tatsächlich noch kein Buch gelesen, aber da er an interessanten Projekten zu arbeiten scheint, sollte ich das wohl bald mal ändern.

    LG Gabi

  4. Hallo Liebes, das ist ein super toller informativer und interessanter Beitrag! Der Autor wird einem sofort sympathisch vor allem durch seine Begründung, wieso er vor allem aus der Sicht von Frauen schreibt, macht ihn sehr beliebt bei mir 😀

  5. Vielen Dank für die spannenden Infos. Die Frage nach seinen weiblichen Hauptfiguren z.B. habe ich mir auch schon länger gestellt.

    Als langjähriger Kai-Meyer-Fan bin ich übrigens angemessen neiderfüllt, mir war es bislang nämlich noch nicht vergönnt, mal bei einer seiner Lesungen dabei zu sein. 😉

    1. Er kommt seit vielen Jahren nach Köln und da ich (noch) hier lebe, musste bzw. muss ich es einfach ausnutzen. Meinen ersten Roman von ihm habe ich mit 14 gelesen. Ich war zu dem Zeitpunkt nicht mehr ganz so ein Lesefan wie als Kind. Mangans mochte ich zwar schon, aber es zählt ja nicht wirklich. Und dann hatte ich die Werbung zu dem Buch in einer Fernsehzeitschrift von meinem Opa entdeckt. Der Inhalt hörte sich so toll an, ich musste es einfach haben. Und ab da nahm das Unheil einen Lauf, denn ich wollte immer mehr Fantasyromane haben. 😀 Als ich dann zur aller ersten Lesung ging, das war noch der Mayerschen auf der Schildergasse, die es mitterweile gar nicht mehr gibt, war das damals so ein tolles Ereignis. Und auch wenn es mittlerweile zur Routine geworden ist, freue ich mich doch wie eine Schneekönigin auf jede neue Lesung. <3 Als beide Lütten noch ganz klein waren, konnte ich nicht hingehen, aber da jetzt wieder geht, musste ich das natürlich ausnutzen.

  6. Sehr, sehr schön, liebe Nise. Sehr lebendig geschrieben und man könnte denken, man sei dabei gewesen 🙂 Interessante Einblicke, wie ein so erfolgreicher Kollege seine Arbeit strukturiert und was ihn bewegt. Danke für diesen tollen Bericht!
    Liebe Grüße
    Jürgen

        1. Ich finde es sehr schwierig, da es doch ein ganz anderes Format als zum Beispiel eine Rezension ist. Für mich müssen sich meine Beiträge so anhören, wie ich sie selber gerne lesen würde. Eigentlich bin ich da noch sehr weit weg von. Aber wie eben schon geschrieben kann es nur durch Regelmäßigkeit besser werden. Ich überlege derzeit auch, ob ich nicht an Kursen teilnehmen kann, um diese Skills mal ein wenig auszubauen.

          1. Tja… ob du das machen möchtest, kannst natürlich nur du beantworten. Aber ich als Nutzer (und als Autor) finde den Beitrag absolut in Ordnung. Hast du mal bei Ascari und Gabi geschaut? Die beiden sind ja öfter auf Lesungen und schreiben darüber. Vllt. können Sie dir da noch ein paar Kniffe verraten. Bin gespannt, was die beiden hier zu deinem Beitrag sagen werden.

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