Rezensionen

[Rezension] Opfermond von Elea Brandt

Elea habe ich auf dem Litcamp 2017 in Heidelberg kennengelernt, weil ich mir dort einen von ihr abgehaltenen Workshop angesehen habe. Das Thema war der Weltenbau in Fantasieromanen. In ihrer Session erklärte Elea dem zahlreich erschienenen Publikum die Do’s and Dont’s der Erschaffung von phantastischen Welten, was zu einem regen Austausch unter den Teilnehmern führte. Wenn ihr an dem Vortrag interessiert seit, habe ich euch den Link zu ihrem Blog sowie weiteren Interessanten Beiträgen rund um „Opfermond“ unter „Infos“ verlinkt. Als sie dann auf mich zu kam, ob ich ihr Buch rezensieren möchte, habe ich mich wirklich sehr geehrt gefühlt. Leider kam die Sache mit meinem Kater genau in die Zeit nach Erhalt des ebooks. Deswegen entschuldige ich mich auch in diesem Beitrag noch einmal für das verspätete Erscheinen.

Titel: Opfermond
Autor: Elea Brandt
Verlag: Mantikore-Verlag
Genre: Fantasy-Thriller
Seiten: 330
Erscheinungsdatum:
- ebook: 11.09.2017
- Taschenbuch: 16.10.2017
ISBN: 978-3945493366

In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein Blutopfer verlangt.

Als Kind zweier Germanisten kam Elea Brandt (Jahrgang 1989) schon früh mit phantastischer Literatur in Berührung. Als studierte Psychologin liebt sie es, komplexen Charakteren Leben einzuhauchen, ihre Stärken und Schwächen abzuwägen und spannende Plots zu entwickeln, die den Leser atemlos zurücklassen. In ihrer Freizeit schlüpft die passionierte Rollenspielerin selbst gern in absurde Rollen, entweder mit Würfeln am Spieltisch oder mit Pfeil und Bogen unter freiem Himmel. Daher fühlt sie sich vor allem in den Genres Fantasy, Thriller und Horror zuhause und hat als Mia Neubert bereits mehrere Kurzgeschichten in diesen Genres veröffentlicht. Im Oktober 2017 erscheint ihr erster Fantasy-Roman im Mantikore-Verlag.

Vortrag Weltenbau

Politik von Ghor-el-Chras

Glaube von Ghor-el-Chras

Meinung

Gerade aufgrund von Elas Vortrag zum Thema „Die Do’s und Dont’s des phantastischen Weltenbaus“ waren meine Erwartungen an „Opfermond“ doch relativ hoch. Es sind oft die kleinen Details, die eine fiktive Stadt oder ein fiktives Land zum Sturz oder Fall bringen können. Im Fall von „Opfermond“ ist die Erschaffung einer zwar nicht real existierenden, jedoch vom Setting her an den Orient unserer Welt angelehnten, Stadt wahrlich geglückt.

Was diesen phantastischen Thriller ausmacht, sind seine düsteren Gassen mit ihren zwielichtigen Gestalten. Es sind die Antihelden, die sich trotz ihres Wesens – in welcher Art auch immer – in die Herzen der Leser stehlen. Und es sind genau die oben genannten Details, durch die man sich in Straßen von Ghor-el-Chras versetzt fühlt.

Die vorherrschende Politik wird durch die Kirche und den Hohepriester bestimmt. Schutz für die Bewohner der Stadt oder ein Sozialwesen gibt es nicht. Dementsprechend rau geht es auf den Straßen vor. Die Menschen sind arm, dreckig und krank und viele von ihnen üben nicht all zu ruhmreiche Berufe aus, um sich über Wasser halten zu können. Und in all diesem Elend wird der Leser durch eine erzählende Sicht mit den beiden Protagonisten Varek und Idra auf die Suche nach einem Mörder geschickt.

Varek erfüllt dabei alle Punkte, die man von einem klassichen Antihelden erwartet, was auch dazu geführt hat, dass ich ihn teilweise mochte, was jedoch durch bestimmte Handlungen wieder aufgehoben wurde. Sein Charakterprofil ist schlüssig ausgebaut und seine Handlungen immer nachvollziehbar. Nach außen wirkt er stets hart und kühl, was bei seinem Beruf angemessen erscheint. Doch nachts kommen seine wahren Ängste zum Vorschein. Varek ist dadurch ein vielschichtiger und interessanter Charakter, wenn auch kein liebenswerter.

Im Gegensatz dazu stehe ich mit Idra nach wie vor auf dem Kriegsfuß. Auch wenn man ihr hartes Leben auf der Straße berücksichtigt und in Bezug auf ihren einzigen richtigen Freund so etwas mit Mitgefühl durchblitzt, ist mir ihr Charakter zu unnahbar und brüsk. Durch ihre Herkunft wirkt sie sehr einfach, was auch in den Dialogen mit ihr stark zum Ausdruck gebracht wird. Technisch und erzählerisch passt dies hervorragend, ich selbst finde es immer ein wenig anstrengend, solche Charaktere über viele Seiten hinweg zu verfolgen.

Die Handlungsstränge der beiden Charaktere werden in einem perfekten Timing miteinander verwoben und laufen zusammen, ohne dabei Längen zu erzeugen. Sie sind beide auf ihre eigene Art durchtrieben und verdorben. Würde man sie in eine andere Geschichten setzten, wären sie sicher sehr abschreckend. In dieses Setting eingefügt, passen sie jedoch sehr natürlich in ihre Umgebung. Andere Wesenszüge wären unpassend und nicht nachvollziehbar, jedoch hätte ich mir teilweise einfach mehr „Menschlichkeit“ bei ihnen gewünscht. Nach manchen ihrer Taten stellte ich mir unweigerlich die Frage, ob diese oder jene nicht doch zu viel war. Selbst Antihelden sollten ein gewisses Maß an Punkten erfüllen, dass man sich mit ihnen identifizieren kann.

Das Setting ist, wie oben bereits schon einmal angemerkt, obwohl es sich um eine Fiktion handelt, wahnsinnig authentisch gestaltet worden. Man merkt der Autorin ihre Kenntnisse – die sie durch Pen&Paper Rollenspiele wie „Das schwarze Auge“ erlangen hat – an, da sie diese wirklich gut in ihre Erzählung einfließen lassen hat. Auch wenn man quasi direkt ins kalte Wasser geschmissen wird, decken sich die Geheimnisse Ghor-el-Chras erst nach und nach auf und als Leser erhält man so schrittweise einen Einblick in die Gebräuche, die Politik und den Glauben. Und auch das Phantastische wird einem nicht direkt am Anfang um die Ohren gehauen. Es entfaltet sich ebenfalls Stück für Stück, dafür aber mit voller Wirkung. Opfermond ist ein Roman, den man nicht so einfach wieder aus den Händen legen kann.

Erzählerisch wechselt sich die wunderschöne Schreibweise Eleas mit ihren detailreichen, jedoch nicht überladenen, Ausführungen mit den derben und fluchenden Dialogen der Figuren ab. Auch wenn sich der Plot bereits im Vorfeld interessant und spannend angehört hat, war die Mischung aus Fantasy und Thriller eine ganz neue Erfahrung für mich. Normalerweise bevorzuge ich die beiden Genres getrennt von einander. In meinen Augen ist diese Verschmelzung jedoch sehr geglückt.

Fazit

„Opfermond“ ist ein düsterer Thriller mit einem orientalischem Setting und phantastischen Elementen, der sich vom derzeit erscheinenden Einheitsbrei abzuheben weiß. Eine Leseempfehlung für Fans von blutigen Geschichten und derben Antihelden und für Leser geeignet, die Mord, Totschlag und nicht immer freiwilligen Sex nicht abschrecken können.

Mein Daimon ist übrigens Erazem, die Tapfere. Welcher ist eurer?

„Das unverbrauchte und dreckige Szenario ist ansprechend und die blutige Geschichte wird spannend und flott inszeniert.“

Frederick von Zauberwelten

Vielen Dank an Elea Brandt und den Mantikore-Verlag für die Bereistellung des Rezensionsexemplars.
Bildquelle Cover: amazon.de

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6 thoughts on “[Rezension] Opfermond von Elea Brandt

  1. Hey!
    Eine super tolle Rezension hast du geschrieben, die grundsätzlich ganz sicher Lust auf das Buch macht. Mir leider nicht, weil ich auf Hardcore und viel Blut nicht so wirklich stehe. Das macht mein Kreislauf nicht mit. Aber, auch dafür sind Rezensionen ja gut, dass man eben nicht zu einem Buch greift, dass einem sicher nicht gefallen würde. Mir tut das fast ein bisschen leid, denn ich finde Elea Brandt super sympathisch und hoffe, dass sie ganz viele begeisterte Leser findet.
    LG
    Yvonne

    1. Hey 🙂 Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich habe da auch persönliche Grenzen und mag dann nichts aus den Ecken lesen (besonders wenn es Kinder und/oder Tiere betrifft). Aber wer weiß, was sonst noch alles von ihr kommen wird (ich hoffe viel mehr) und dann ist vielleicht auch was für dich dabei. 🙂 Denn rein auf das Schreiben betrachtet und die Inhalte rausgelassen, halte ich sie für eine richtig gute Schriftstellerin.

    2. Liebe Yvonne,

      danke für deine lieben Worte. <3 ich kann dich da sehr gut verstehen, solche Themen sind einfach nicht für jeden Leser geeignet. Das mochte ich auch an Kitsunes Rezension sehr, dass sie in dieser Hinsicht so ehrlich war. Ich verspreche aber, mein nächster Roman wird weit weniger blutig und dafür deutlich gefühlvoller. Vielleicht ist das ja dann etwas für dich. 🙂

      LG Elea

  2. Na da hast du mich doch gekonnt neugierig gemacht! Thriller in einem Fantasy-Buch, direkt auf die WuLi mit dem Buch! Und Antihelden sind immer fein ;D

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