Rezensionen

[Rezension] Liebe zwischen den Zeilen von Veronica Henry

Hätte ich „Liebe zwischen den Zeilen“ nicht als Rezensionsexemplar angefordert, wäre auf jeden Fall von einem Coverkauf die Rede gewesen. Sowohl Klappentext, als eben auch Umschlagsgestaltung, waren für einen buchaffinen Menschen wie mich, ein absolutes „Must Read“. Eine solche Kombination führt unweigerlich zu sehr hoch angesetzten Erwartungen. Ob diese erfüllt wurden und ob der Inhalt mit seinem schönen Äußeren mithalten konnte, erwartet euch in meiner heutigen Besprechung zu „Liebe zwischen den Zeilen“. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Titel: Liebe zwischen den Zeilen
Original Titel: How to find love in a Bookshop
Autor: Veronica Henry
Übersetzer: Charlotte Breuer und Norbert Möllemann
Verlag: Diana Verlag
Genre: Roman
Seiten: 368
Erschienen: 14.08.2017
ISBN: 978-3453359307

Die kleine Buchhandlung Nightingale Books hat Emilia von ihrem geliebten Vater übernommen. Im Herzen des verschlafenen Städtchens Peasebrook ist sie eine Begegnungsstätte für die unterschiedlichsten Menschen mit ihrem Kummer und ihren Träumen. Doch Julius Nightingale war ein großer Buchliebhaber und kein Buchhalter – der Laden steht kurz vor dem Ruin. Emilia bleiben nur wenige Monate, um diesen besonderen Ort vor einem Großinvestor zu retten. Denn nicht nur sie findet hier Freundschaft und Liebe.

Veronica Henry arbeitete für die BBC und als Drehbuchautorin für zahlreiche Fernsehproduktionen, bevor sie sich dem Schreiben von Romanen zuwandte. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Devon, England.

Meinung

Hinter „Liebe zwischen den Zeilen“ verbirgt sich, ähnlich den Regalen einer Buchhandlungen, nicht nur eine, sondern direkt viele kleine Geschichten. Auch wenn der Titel einen klassischen Liebesroman vermuten lässt, der die Protagonistin durch ihr Gefühlsdurcheinander schickt, hat er doch viel mehr vorzuweisen.

Besonders das erste Drittel weiß zu bezaubern und gleichzeitig zu Tränen zu rühren. Emilia, die vor lauter Trauer um ihren Vater nicht mehr ein und aus weiß sieht sich plötzlich der Verantwortung für ein Geschäft und dessen Angestellten gegenüber. Schnell wird klar, wie wichtig ihr Vater, Julius, und die Buchhandlung Nightingale für das kleine beschauliche Örtchen Peasbrook waren. Diese Liebe, die von Emilia und den Einwohnern Julias entgegen gebracht wird, lässt zunächst einen perfekten Romancharakter ohne Ecken und Kanten entstehen. Doch ein kurzer Ausflug in Julius Vergangenheit lässt ihn in einem anderen Licht erstrahlen, was dazu führt, dass seine Figur realer und menschlicher erscheint. Durch diesen, etwas anderen Blick auf die Gallionsfigur des Ortes, bekommt der Roman gerade noch die Kurve, um nicht in eine kitschige Ecke abzudriften.

„Julius war immer noch da, dachte Emilia. In den Tausenden von Buchseiten. In den Millionen Wörtern. All die Bände und das Vergnügen, das sie den Menschen über die Jahre bereitet hatten, in Form von Ablenkung, Unterhaltung, Bildung. […] Julius Nightingale würde niemals sterben.“ – Seite 21

Henry hat Figuren geschaffen, die man gerne und vor allem schnell ins Herz schließt. In der kleinen Buchhandlung versammelt sie einen bunten Haufen an Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch alle auf eine bestimmte Art und Weise das gleiche Problem zu haben scheinen. Sie alle vereint die Suche nach dem Weg aus ihrem Alltagstrott und dem Ausbruch aus ihren mitunter heiklen Lebenssituationen. Und so erzählt der Roman die Geschichten von ihnen allen. Häppchenweise und immer so ein Kapitel beendend, dass man den Roman nicht zur Seite legen mag, um weiter mit ihnen voranschreiten zu können. Diese kleinen Episoden verschmelzen ohne aufdringlich zu wirken, zu einer runden Gesamthandlung, der an mancher Stelle jedoch die Zeit zum Reifen gefehlt hat. Unter der Last der vielen Figuren, geht der ein oder andere Charakter unter oder dem anderen mag dafür zu viel Raum zum Entfalten gegeben worden sein. Ihre Handlungsverläufe sind theoretisch so komplex, dass man ihnen jeweils einen eigenen Roman hätte widmen können.

Und so führt es leider dazu, dass mir ausgerechnet zu Emilia, der vermeidlichen Protagonistin, der Zugang erschwert wurde. Wurde allen anderen Menschen in diesem Roman so viel Leben eingehaucht, wirkte Emilia oftmals wie eine Statistin auf mich. Ein genaues Charakterprofil mag sich mir nicht ergeben. Auf der einen Seite ist sie zwar die liebende Tochter und eifersüchtige Verliebte, auf der anderen Seite kommen jedoch kaum andere Eigenschaften ihrerseits zum Vorschein. Ein großer Teil ihrer Geschichte nimmt ihre Überlegung, den Laden weiterzuführen, ein. Gerade in Bezug auf diesen Punkt hätte ich mir mehr Konflikte gewünscht, da hierfür viel Potenzial vorhanden war.

Der Roman kommt einer Liebeserklärung an die Literatur gleich. Dies merkt man der Autorin auf jeder Seite an. Dadurch finden zahlreiche Titel den Weg in den Roman. Vom literarischen und weltbekannten Klassiker bis zum lediglich in Großbritannien bekanntem Werk ist alles vertreten. Diese Nennungen wecken den Wunsch, nach Beenden von „Liebe zwischen den Zeilen“ direkt zu diesen überzugehen.

Fazit

„Liebe zwischen den Zeilen“ ist eine Liebeserklärung an kleine Buchhandlungen, leidenschaftliche Leser und das Lesen an sich. Der Roman hat seine Schwächen, ist zusammengefasst allerdings eine schöne Herbstlektüre, die jedem Buchliebhaber graue Regentage erheitern wird.

„Der Inhalt des Buches offenbart eine wunderschöne Geschichte. Während man immer mehr über die Vergangenheit erfahren möchte, ist da gleichzeitig der drang mehr über die Gegenwart zu erfahren. “

Booksdreamingblog

Vielen Dank an das Bloggerportal von Random House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Bildquelle Cover: amazon.de

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17 thoughts on “[Rezension] Liebe zwischen den Zeilen von Veronica Henry

  1. Liebe Nise, erstmal finde ich Dein Blogdesign sehr schön. Das vorgestellte Buch ist mir auch schon begegnet und ich war drirekt vom Cover begeistert, ist auf meine Wunschliste gewandrt und dank Deiner Rezension gerade ein paar Stellen nach oben gehüpft😉!
    Liebe Grüsse
    Isabel

  2. Hallo Nise,
    Also erstmal muss ich noch ein großes Kompliment zu dem Logo und dem Blogdesign loswerden. Beides gefällt mir richtig gut. Auch diese Box mit den Buchinfos ist richtig gut gestaltet. Sehr, sehr schön! <3
    Über dieses Buchcover bin ich auch schon öfter gestolpert und als Bibliophile hat es mich tatsächlich auch immer gleich angesprochen, der Titel hat mich dann aber immer wieder verschreckt, weil es mir zu kitschig klang. Nach deiner Besprechung bin ich weiterhin etwas hin- und hergerissen. Die Liebe zu den Büchern, die in der Geschichte zu stecken scheint, ist natürlich ein großer Pluspunkt. Andererseits erwähnst du auch die Schwächen, und die schrecken mich etwas ab.
    Mal sehen, ob dieses Buch es neben den ganzen anderen tollen Neuerscheinungen auf meine Leseliste schaffen kann.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Awwww, vielen vielen Dank! Das Kompliment bzgl. des Logos gebe ich direkt an meine Schwägerin weiter, da sie es mir designed hat. Als ich den Blog ja damals angefangen hatte, war alles noch sehr „verspielt“ (und rosa) mit zu vielen Elementen in der Sidebar, unstrukturierten Beiträgen und viel zu vielen Kategorien. Ich hatte gedacht, das wäre alles so ausreichend, weil es ja „nur“ ein „Hobbyblog“ ist. Aber er sah irgendwie genau so aus, wie ich ihn selbst nicht lesen würde. Mittlerweile ist er schon nahe an dem dran, was ich selbst gerne lese, allerdings bin ich noch nicht zu 100 % zufrieden.

      Also zusammengefasst hält es in meinen Augen nicht unbedingt, was es verspricht. Es macht ja auf den ersten Blick den Eindruck, DAS Buch für Bücherliebhaber zu sein. Nun, das ist es wirklich nicht. Aber für stürmische Herbsttage oder die Vorweihnachtszeit ist es auf jeden Fall schön. Wenn du Titel hast, die du unbedingt lesen möchtest, würde ich die auf jeden Fall vorziehen, denn ein „Must Read“ ist es nicht.

      1. Danke noch mal für deine Rückmeldung. Dann behalte ich das Buch mal im Hinterkopf, werde es aber erstmal noch nicht kaufen.
        Und deine Motivation zur Blog Veränderung kann ich total verstehen. Genau so ging es mir auch. Habe zuerst auch den großen Aufwand gescheut, weil es ja „nur“ ein Hobby ist, war aber dann doch froh, weil ich eben selber so unzufrieden mit dem Design war.
        Bin gespannt, was sich hier mit der Zeit noch ändern wird. Aber ich finde es, so wie es ist, schon mal echt super!
        LG

        1. Andere Hobbys betreibt man ja auch mit Herzblut und steckt auch Geld hinein. Es ist komisch, dass dies bei Blogs immer noch nicht so gesehen wird. Habe auch schon hören müssen, dass „wir Blogger ja nur ein bisschen rumtippen“, die Arbeit hinter so einem Beitrag sehen viele leider nicht.

  3. Dass ich das Cover wirklich mag, weißt du ja 🙂 . Die papiergewordene Liebeserklärung an Buchliebhaber …

    Aber lesen werde ich es wahrscheinlich nicht. Aus dem einfachen Grund, weil sich für meinen Geschmack hinter diesen schönen Covern für mich immer wieder dieselben Li(e)be(n)sgeschichten verbergen. Und dafür muss ich in Stimmung sein, was zugegebenermaßen nicht überaus oft vorkommt … Was ich bisher an Rezensionen dazu gelesen habe, bestärkt mich außerdem darin, dass ich diesess Buch derzeit nicht unbedingt lesen muss.

    Liebe Grüße
    Ascari

    1. Lieben Dank für dein Kommentar und noch einmal sorry dafür, dass er im Spamordner gelandet ist.

      Tatsächlich ist es eines dieser Bücher, die man am besten in einer bestimmten Stimmungslage lesen sollte. Vielleicht hilft es dir, dass der Roman um Weihnachten herum spielt. Ich habe auch immer eine gewisse Phase, in der ich Weihnachtsroman lesen mag. Waren die anderen Rezensionen sehr negativ?

      1. Na, dann sag ich auch hier Danke, dass du ihn aus dem Spam rausgefischt hast 😉 !

        Naja, negativ würde ich so nicht sagen, aber überbordende Begeisterung war da auch nicht zu spüren. Das kam für mich zwischen den Zeilen eher so rüber wie „Ja, nett, hat Spaß gemacht zu lesen, aber kein Buch, an das man sich erinnert“. Und nachdem ich mich aktuell eigentlich den Endspurt in Sachen SuB-Abbau plane, sind die „Ja,nett“-Bücher erst mal auf unbestimmte Zeit verschoben, da will ich mich lieber auf die Bücher konzentrieren, auf die ich wirklich neugierig bin 🙂 …

        Liebe Grüße
        Ascari

        1. Da stimme ich den anderen zu. Die Erinnerungen an dieses Buch hier werden sicher nach einiger Zeit verblassen. Zumindest der Teil, mit den vielen Charakteren. Am meisten haben mir die Rückblenden an das frühere Leben vom Vater der Protagonistin gefallen. Darüber hätte ich gerne das ganze Buch weitergelesen. 🙂

          Wie läuft der SuBAbbau denn? Bei mir kommt es gerade eher zum Erliegen… Dabei sind da sooo tolle Bücher dazwischen.

          1. Ich bin aktuell unter knapp 20 Büchern, rechne aber damit, dass im Oktober wieder ein bisschen was dazu kommen wird :). In Summe möchte ich ganz gern bis Weihnachten bei zehn bis fünfzehn ankommen, das ist für mich eine gute Höhe, dass ich immer eine Auswahl habe, aber nicht das Gefühl habe, der SuB wächst mir über den Kopf :D.

  4. Was für eine wunderschöne Rezension. Es ist das erste, was ich heute am Tag gelesen habe und es wird mir den Tag versüßen. Man spürt so sehr, wie du mit dem Buch und seinen Charakteren gerungen hast. Und – für mich persönlich wichtig – du gibst zwischen den Zeilen viele Tipps und Hinweise, was man beim Schreiben dieses Buches, aber eben auch generell hätte beachten können, um es zu einem großen Buch zu machen. Ich werde einige Gedanken jetzt mitnehmen. Danke dafür!
    Liebe Grüße, Jürgen

    1. Lieber Jürgen,

      wieder einmal ein herzliches Dankeschön für deinen Kommentar. Gerade bei dieser Rezension habe ich doch sehr mit mir gehadert. Kennst du das, wenn du zu etwas so viel zu sagen hast und dein Kopf voller Worte.. und wenn du dann anfängst zu schreiben, kommt nur noch die Hälfte davon raus? So ging es mir hier doch sehr. Umso mehr freue ich mich darüber, dass dir die Besprechung so gut gefallen hat. Das bedeutet mir wirklich sehr viel. Liebe Grüßle, Nise

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