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[Rezension] Ein Freund für Nanoka Band 1

„Nanoka no Kare“ ist ein Manga, um den ich schon länger meine Kreise gezogen habe. Besonders die Cover hatten mich angesprochen, da sie alle sehr schlicht, jedoch farbenfroh gestaltet wurden. Einzig der Titel schreckte mich ein wenig ab. Das drängende Bedürfnis, umbedingt einen festen Freund haben zu müssen, schreckt mich nicht nur in Geschichten aus Fernost ab. Danke eines Gutscheinrestbetrages, durfte Band 1 dann endlich doch Einzug in mein völlig überfülltes Mangaregal einhalten. Sollte mir die Geschichte auch weiterhin zusagen, wird es eine Abschlussbesprechung zur kompletten Reihe geben.

Titel: Ein Freund für Nanoka
Original Titel: Nanoka no Kare
Mangaka: Miyoshi Tomori und Saro Tekkotsu
Übersetzer: Alexandra Keerl
Verlag: Tokyopop
Genre: Manga | Shojo
Seiten: 192
Erschienen: 18.08.2016
ISBN: 978-3842024540

Eine unglückliche Beziehung von früher beschäftigt Nanoka immer noch so sehr, dass sie Probleme hat, sich zu verlieben. Doch als sie in der Stadt zufällig das Gespräch eines Jungen und seiner Freunde mit anhört, macht sie ihm spontan ein Liebesgeständnis, bevor sie überhaupt sein Gesicht gesehen hat.

Story

Überraschenderweise hat mir die Geschichte von Nanoka Ayase wirklich gut gefallen. Auch wenn klassische Elemente des Shojo* Mangas enthalten sind, stechen besonders die Gedanken der Figuren hervor. Der Fokus liegt daher nicht umbedingt auf Konversationen oder witziger Situationskomik, sondern auf den Gedankengängen der Protagonistin, die sehr gefühlvoll beschrieben werden. „Nanoka no Kare“ überrascht mit Tiefgang und Einfühlungsvermögen und hebt sich dadurch deutlich von anderen Geschichten aus dem Genre Shojo ab.

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, war meine größte Sorge, dass Nanoka als naives Mädchen dargestellt wird, die um jeden Preis einen Freund finden möchte. Tatsächlich ist dies in ihrem Freundeskreis das Thema überhaupt, doch sie selbst steht einer Beziehung eher zurückhaltend entgegen.

Ich mochte besonders ihre impulsiven Ausbrüche, da unter der Oberfläche mehr, als die zurückhaltende Persönlichkeit, die sie ihren Freunden zur Schau stellt, verborgen ist. Wie man es von anderen Manga kennt, werden auch Figuren, die man anfangs nicht wirklich mochte, im weiteren Verlauf zu Sidekicks, die man letztendlich doch ins Herz schließen kann. In welcher Art auch immer.

In Bezug auf Romane lese ich ungern Bücher, die von zwei Autoren zusammen geschrieben wurden. Zu oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass man die unterschiedlichen Stile herausliest und dadurch der Lesefluss erheblich beeinträchtigt wird. Bei Manga ist mir dies so noch nie passiert und die Zusammenarbeit von mehreren Mangaka gehört dort auch eher zur Regel. In manchen Fällen werden die Zeichnungen von dem einem, die Story und Texte von dem anderen übernommen. Viele Mangaka arbeiten auch mit Assistenten, die sich um Hintergründe oder Rasterfolien kümmern. Im Fall von „Nanoka no Kare“ stammen sowohl Zeichnungen, als auch Texte von beiden Mangaka. Für die Geschichte selbst ist dieses Detail jedoch nicht von Belang, da sie als Ganzes wirkt und ohne störende Stilwechsel auskommt.

Der erste Teil endet mit einem fiesen Cliffhanger, der bereits ein weiteres, typisches Element des Shojo ankündigt, den ich aber aufgrund der Spoilergefahr nicht weiter benennen möchte. Auch wenn ich Geschichten mit solchen Handlungssträngen eigentlich nicht mehr sehen kann, wurde ich von „Nanoka no Kare“ dann doch so angesprochen, dass ich mir direkt im Anschluss an diesen Teil, die Bände 2 und 3 gekauft habe.

Zeichnungen

Die Zeichnungen wirken klar und sind einfach gehalten. Die Linien sind nicht all zu dünn, jedoch nicht aufdringlich. Helle Töne bestimmen die Geschichte und sorgen für einen freundlichen Eindruck. Der Fokus liegt eindeutig auf den Figuren. Es gibt keine Ablenkungen durch übertriebenes Detailreichtum.

Ganz zu Anfang war etwas in den Gesichtern der Charaktere, was ich zwar nicht benennen konnte, mich jedoch leicht gestört hat. Ayase-san, die Protagonistin, wurde sehr einfach gestaltet und wird dadurch recht austauschbar. Ihr Aussehen ist im Bereich des Shojo gerade sehr beliebt. Verständlich, da ihre Panels dadurch schneller gezeichnet werden können. Dadurch fehlt ihr dann leider aber auch das Alleinstellungsmerkmal. Nebenfiguren, wie ihre beiden Klassenkameradinnen, wurde hingegen ein unverwechselbares Äußeres geschenkt. Mit der Zeit verging jedoch dieser erste Eindruck und die kleinen Feinheiten stachen immer mehr hervor. Besonders Gesichter im Profil sind sehr gelungen. Dass beide Mangaka für die Zeichnungen verantwortlich sind, merkt man weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick.

Die Rapsblüten, die jedes Cover zieren, beziehen sich auf Nanokas Namen. Die Blüten werden im Japanischen „Nanohana“ genannt. (菜の花 in Kanji; なのはな in Hiragana).

Farbige Innenseiten sind nicht vorhanden, dafür liegt – zumindest der ersten Auflage – eine Shojocard zum Sammeln bei.

Fazit

Die Handlung mag auf den ersten Blick nicht unbedingt revolutionär wirken und an mancher Stelle auch vorhersehbar sein. Doch „Nanoka no Kare“ punktet durch eine Tiefe, die ich so nicht erwartet hätte. Ich empfehle den ersten Band allen Shojofans, die Charaktere mögen, die sich weiterentwickeln und auch einmal aus der Reihe tanzen.

 

 

Bildquelle Cover: amazon.de
*Shojo: Geschichten speziell für heranwachsende Mädchen in einem Alter von ca. sechs bis achtzehn Jahren

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