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[Rezension] Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

Bevor ich in die Rezension dieses Romans starte muss ich erst einmal ein Geständnis ablegen, was – nicht nur dieses – das Cover betrifft. Denn ohne den netten Brief von Bölthorn wäre ich vermutlich nie auf den Mops gekommen. Auch wenn ich ein großer Verfechter davon bin, Bücher nicht nach ihrem Cover zu bewerten, schrecken mich die Cover einiger dtv Titel doch erst einmal ab. Das betrifft in diesem Fall Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen, aber auch Titel wie Die Flüsse von London von Ben Aaronovitch (welches ist trotzdem gelesen und eher für unterdurchschnittlich befunden haben) und vor allem die Regionalkrimis und -romane. Ich bin generell kein Freund der „lustigen“ Unterhaltung und diese Art Cover suggeriert bei mir einfach, dass es sich um einen „Unterhaltungsroman“ handeln muss. Asche auf mein Haupt!

Titel: Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen
Autor: Lars Simon
Verlag: dtv
Genre: Krimi | Fantasy
Seiten: 432
Erschienen: 14.10.2016
ISBN: 978-3423216517

Lennart Malmkvist führt ein ganz und gar normales Leben in Göteborg. Das ändert sich auf recht merkwürdige Weise, als der ungeliebte Mops seines Nachbarn mit ihm zu sprechen beginnt - und mit einem Mal hält das Magische Einzug in Lennarts Leben. Dabei hatte er mit Magie bisher überhaupt nichts am Hut! Als dunkle Mächte drohen, erkennt Lennart, wie nützlich der eine oder andere Zaubertrick doch sein kann. (dtv)

Lars Simon hat nach seinem BWL- und Politologie-Studium zuerst lange Jahre als Marketingleiter einer IT-Firma gearbeitet, bevor er als Touristen-Holzhaus-Handwerker mit seiner Familie mehr als sechs Jahre in Schweden verbrachte. Heute lebt er in der Nähe von Frankfurt/Main.

Band 1*

Band 2*

Meinung

Ein wichtiges Detail in diesem ersten Band der Lennart Malmkvist Reihe ist der langsame Aufbau der Geschichte nebst Einführung der wichtigsten Figuren. Mag dieses Detail dem ein oder anderen Leser als Makel vorkommen, bevorzuge ich doch meist das stetige Heranführung an die eigentliche Story. So erfährt man in den ersten beiden Drittel doch einiges über den – bisweilen eigenartigen – Protagonistin Lennart sowie seine illustren Mitstreiter, wie etwa die nahezu ohne Unterbrechung kochende Nachbarin Maria.

Lennart selbst läuft während des kompletten Handlungsverlauf ein Entwicklung durch, ohne jedoch gänzlich aus seiner Rolle zu fallen. Mit seinen Macken und seiner leicht überheblichen Art ist er nicht der klassische Held, dem man in einem solchen Roman erwarten würde und doch hat er es geschafft, dass ich mich mit letztendlich dennoch identifizieren konnte.

Der größte Sympathieträger des Romans ist unzweifelhaft der kleine, sabbernde und vor sich hinröchelnde Mops Bölthorn. Bölthorn ist altnordisch und bedeutet so viel wie „Dorn des Verderbens“. Ein wundervoller Name für ein solch zerknautsches Geschöpf, nicht wahr? Was sich genau dahinter verbirgt, sollte jeder Leser allerdings selbst herausfinden.

Über einige der Figuren hätte ich gerne bereits in diesem Teil mehr erfahren, da sie für meinen Geschmack ein wenig zu kurz gekommen sind. Allerdings bin ich guter Dinge, dass sich dies im zweiten Teil ändern wird.

Einer der Punkte, der mich am meisten gestört hat, war die leichte Oberflächlichkeit bzw. die Klischees, mit denen – besonders die weiblichen – Figuren bedacht worden sind. Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier mehr hineinlese, als tatsächlich vorhanden, allerdings hätte ich mir doch ein wenig mehr Ausgeglichenheit zwischen den Charakterstärken und -schwächen der weiblichen und männlichen Figuren gewünscht.

Ich kam nicht umhin, Parallelen zu Harry Potter zu ziehen. Der eine und auserwählte „Zauberschüler“ – unabhängig davon, wie alt er nun ist – der sein bisherigen Leben lang nichts von seinen Fähigkeiten geahnt hat und nun gegen den einen bösen Zauberer antreten muss. Nun, dieses Thema ist wahrscheinlich kein neues, allerdings empfinde ich es bis jetzt gut umgesetzt und hoffe, dass sich einige Fragen, die sich doch bei mir angesammelt haben, im Verlaufe des nächsten Bandes (der nächsten Bände?) klären werden. Um ein konkretes Beispiel zu nennen, ohne zu viel vorweg zu nehmen: In Bezug auf Fantasyromane bin ich nun doch recht verwöhnt, was die Motive und überhaupt die Daseinsberechtigung „des Bösen“ belangt. Das klassische Spiel „good vs. evil“ ohne tiefergehende Begründung der Motive „des oder der Bösen“ mag zweifelsohne ebenso unterhalten, mir fehlt dann allerdings etwas.

Man merkt dem Autor seine Zeit in Schweden deutlich an. Durch bildhafte, nicht überladene Beschreibungen entstanden Göteburg und mit ihm der Zauber- und Scherzartikelladen vor meinem geistigen Auge. Simons Schreibstil würde ich ansonsten als schnörkellos und teilweise auch brachial beschreiben, hält man sich die Figurenbeschreibungen erneut vor Augen. Der Humor kommt nicht zu kurz, sondern wurde gekonnt und auf die Situation passend dosiert eingesetzt.

Fazit

Bei diesem mopstatischen Roman handelt es sich um eine bunte Mischung aus schwedischem Krimi und komödiantischen Fantasyabenteuer. Wer einem, in die Geschichte einführenden, ersten Teil nicht abgeneigt ist und gerne Romane im Stil derer von Christopher Moore oder A. Lee Martinez liest, dem lege ich Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen gerne ans Herz. Trotz einiger, kleinerer, Schwächen konnte mich der Roman sehr gut unterhalten, weswegen ich mir auch den zweiten Teil anschaffen werde. In diesem Sinne:

Möge der Mops mit dir sein!

Auch wenn mich Lars Simon angeschrieben hat, handelt es sich bei meiner Ausgabe nicht um ein Rezensionsexemplar. Allerdings könnt ihr euch Ende nächster (spätestens übernächster) Woche auf ein Interview mit ihm anlässlich zum Erscheinen seines neuen Romans Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen freuen (Erscheinungsdatum 10.11.2017).

„Lars Simon schreibt schön leicht, so dass man es sich mit dem Buch für entspannende Lesestunden gemütlich machen kann.“

Armarium Nostrum

 

 

Bildquelle Cover: amazon.de
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5 thoughts on “[Rezension] Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

  1. Huhu!
    Ich bin auch noch bei der Lektüre dieses Buches, und kann bisher deine Eindrücke auf jeden Fall teilen 🙂 Auf das Interview bin ich sehr gespannt, bei mir ist in der Richtung auch noch etwas geplant, allerdings dann doch wieder etwas anders. 🙂

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    1. Oh wie toll, freue mich schon sehr auf deine Rezension und bin gespannt, was du schönes geplant hast. 🙂 Man wird ja doch häufiger von Autoren angeschrieben, aber selten so nett und mit einem so tollen Austausch 🙂

  2. Wieder eine schöne Empfehlung. Und mein SuB weint sich leise in den Schlaf…
    Im Ernst: vielen Dank für die Rezension. Ganz ehrlich: Ich hätte das Buch aufgrund des Covers wohl eher nicht in die Hand genommen.
    Liebe Grüße
    Jürgen

    1. Hallo Jürgen. Ich danke dir jedes Mal für deine tollen Kommentare, aber ich meine es auch wirklich so. Ich weiß, wie stressig dein Alltag ist, vor allem so kurz vor der Buchmesse, und freue mich umso mehr, dass du die Zeit findest, heir vorbei zu schauen.

      Ich bin ja auch ein Coverkäufer, das gebe ich offen zu. Auf der anderen Seite bewerte ich Cover nicht in meinen Rezensionen. Ist zum Beispiel ein Buch richtig gut, das Cover aber hässlich, bekommt von mir trotzdem eine Leseempfehlung. Da ich aber bei vielen Büchern nicht mehr die Klappentexte lese (weil in vielen momentan viel zu viel verraten wird) muss ich mich auf Titel und Cover verlassen. Dabei gehen dann auch solche Bücher hier unter, denn das Layout spricht mich leider überaupt nicht an.

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