Rezensionen

[Sachbuchrezension] Ohne Wenn und Abfall von Milena Glimbovski

Ohne wenn und Abfall wurde mir freundlicherweise von Kiepenheuer & Witsch zum Rezensieren angeboten. Milena Glimbovksi hatte bereits zu ihrem Buch einen Vortrag auf der LitBlog Convention im Mai 2017 in Köln gehalten, an der ich ebenfalls teilgenommen habe. Ihren Vortrag selbst konnte ich mir allerdings nicht ansehen. Umso gespannter war ich nun auf ihr Sachbuch, denn mir ihrem Lebensweg stellt sie ein Konzept vor, mit dem wir uns alle auseinandersetzen müssen, wenn wir unseren Nachfahren unseren Planenten nicht als Müllhalde zurück lassen wollen.

Titel: Ohne Wenn und Abfall
Autor: Milena Glimbovski
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Genre: Sachbuch | Umwelt
Seiten: 303
Erschienen: 05.10.2017
ISBN: 978-3462050196

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Muss man Käse wirklich dreimal verpackt kaufen? In Folie gehüllte Gurken – ernsthaft? Und für Nüsse und Obst hat doch Mutter Natur schon die perfekte Verpackung entworfen. Kein Wunder, dass die Meere voller Müll sind! Ohne Plastik einfacher, gesünder und natürlicher leben – wie geht das? In den letzten Jahren hat die Autorin Milena Glimbovski durch die Gründung eines Supermarkts ohne Einwegverpackungen genau das gelernt. Mit ihrem Buch zeigt sie, wie einfach es ist, nachhaltig zu leben, und wie gut das tut – der Umwelt, den Mitmenschen und nicht zuletzt einem selbst. Sie erzählt die Geschichte ihrer Idee und gibt Tipps zur Müllvermeidung in allen Lebenslagen: im Haushalt, im Büro und im Kleiderschrank. Und zum Ausmisten, sowohl in den Schränken und Kisten als auch im eigenen Kopf. Denn weniger ist oft mehr! Mit praktischen Anleitungen und Rezepten zeigt dieses Buch, wie man Minimalismus und Zero Waste in den eigenen Alltag bringt und dabei auch noch Spaß hat. (KiWi)

Milena Glimbovski, geboren 1990 in Sibirien, gründete im Alter von 22 Jahren Original Unverpackt, den bekanntesten Supermarkt ohne Einwegverpackungen. Das Crowdfunding, das die Finanzierung des Ladens ermöglichte, war ein großer Erfolg und inspirierte über 50 weitere Läden weltweit. Damit brachte die Autorin in Deutschland die Zero Waste-Bewegung ins Rollen. Milena Glimbovski lebt glücklich ohne Müll in Berlin-Neukölln. (KiWi)

Meinung

Der erste Abschnitt befasst sich mit der Unternehmensgründung von Glimbovskis Laden Original Unverpackt bis hin zur Entstehung einer Genossenschaft von verpackungsfreien Supermärkten und beinhaltet direkt erst einmal keinen größeren Mehrwert. Sieht man ihn als Einleitung und interessiert man sich für die Entstehung eines Unternehmens via Crowdfounding ist dies sicher ein interessanter Abschnitt. Ich habe ihn gelesen, für die den Rest des Buchs macht es jedoch keinen Unterschied, wenn man diesen Abschnitt überspringen möchte.

Weitere Abschnitte, wie etwa der über Minimalismus und die Kritik an der mit ihm einhergehenden Modeerscheinung, haben mit der soeben angesprochenen Einleitung eines gemeinsam: Sie enthalten sehr viel Einblicke in Milenas Privatleben und ihre Vergangenheit. Kein Kritikpunkt meinerseits, für mich jedoch überflüssig, da ich in solchen Bücher keinen Wert auf solche Details lege. So gehen teilweise auch wichtige Informationen, wie zum Beispiel die richtige Trennung von Papier, in Geschichten unter. In einem Abschnitt etwa, in dem sie von ihrer gemeinsamen Präsentation mit Lauren Singer – die in den Staaten mit ihrem Blog Trash is for Tossers bekannt ist – spricht, wird zwar darauf eingegangen, was es zu trinken gab und das dringend ein Adapter für das Macbook gesucht wurde. Die Fragen jedoch, die vom Publikum an Singer gestellt wurden und (noch wichtiger) ihre Antworten, wurden nur in einem Nebensatz erwähnt.

„Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Im Gegenteil. Weniger ist mehr.“ – Seite 67

Dass dem Minimalismus ein eigener Abschnitt gewidmet wurde ist sicher für Einsteiger in diese Themen gut geeignet. Es wird dabei jedoch nur kurz angerissen und und die Grundzüge erklärt. Der Gedanke dahinter ist einfach: Umso weniger man sich anschafft und konsumiert, umso weniger beteiligt man sich selbst am Herstellungskreislauf. Die Tipps zum Ausmisten und generell diesen Abschnitt hätte ich jedoch weiter nach hinten verlagert. Der eigentliche Inhalt des Buchs beginnt daher erst nach den Kapiteln Unternehmensgründung und Minimalismus auf Seite 83 (und da auch erst nur einleitend). Ausmisten ist befreiend und gehört mit Sicherheit zum Gesamtkonzept dazu. Jedoch erwarte ich bei einem Buch das mir helfen soll weniger Müll zu produzieren auch ein geballte Informationspaket – und dies nicht erst zur Hälfte des Buchs hin.

Positiv anzumerken ist, dass sich Glimbovski den Beginn der Zero Waste Bewegung nicht sich selbst zuschreibt, sondern auf die für diese Welle verantwortliche Bea Johnson verweist und deren Konzept näher erläutert.

Für alle im Buch genannten Fakten, wie etwa der Aufwand Schrott zu recyceln, hätte ich mir gerne Quellen gewünscht. Es werden in Ohne Wenn und Abfall viele Fakten und Tatsachen benannt, ohne aber weitergehend aufgeführt worden zu sein. Hier ist es an mir, dem Leser, selbst zu recherchieren. Dies kann natürlich helfen, sich weiter mit der Materie zu beschäftigen, jedoch erwarte ich bei einem solchen Ratgeber, dass solche Fußnoten bereits vorhanden sind. Die Autorin selbst weist darauf hin, dass sie zu einigen der Thematiken selbst nicht bewandert ist und gerade deswegen fehlen mir hier einfach diese Angaben.

„Ich bin keine Chemikerin, keine Naturwissenschaftlerin, keine Erdölraffineriebetreiberin. Ich habe von wenigen Dingen weniger Ahnung als davon, wie Erdöl gewonnen wird und wie daraus am Ende des Tages Plastik entsteht. Ich weiß aber, dass Erdölraffinerien die Natur und Lebensräume um sie herum zerstören, ich weiß, dass Erdöl endlich ist und in den nächsten Jahrzehnten aufgebraucht sein wird.“ – Seite 103

Auf Seite 123 von 288 (ohne Danksagung und Liste der Supermärkte) kamen tatsächlich erst Lebensmittel und das Einkaufen auf den Punkt. Wie bereits geschrieben, hätte ich mir diesen Teil mit den praktischen Tipps schon weiter vorn im Buch gewünscht, um nicht den Anschluss zu verlieren. Ratgeber, die erst so spät zum eigentlichen Punkt kommen, gefallen mir in der Regel leider nicht so gut und werden, nach dem ersten Blick hinein, dann auch meist nicht von mir gekauft. Besonders schade ist dies bei einem Buch wie diesem mit einem so wichtigen Thema. In den Kapiteln über Küche und Einkaufen waren die für mich persönlich interessantesten Themen aufgeführt, die mir noch einige gute Tipps mit auf den Weg geben konnten und auch die Rezepte sind einfach und gut erklärt.

Am Ende des Buchs befindet sich noch eine Liste, mit allen bereits eröffneten verpackungsfreien Supermärkten. Wenn ihr allerdings die Papierveriante des Buchs erworben habt lohnt sich sicher immer wieder ein Blick ins Netz, bevor ihr nachher vor einem verschlossenem Laden steht.

Fazit

Insgesamt ist das Buch ein guter Einblick in ein so verpackungs- und plastikfreies Leben, wie möglich. Durch die Gründung ihres Unternehmens, hat Glimbovski einen wichtigen Schritt in eine umweltschonende Einkaufsmöglichkeit geschaffen und ihr Erfolg damit, denn das Konzept hat viele Nachahmer gefunden, ist beeindruckend. Wir stehen alle in der Verantwortung gegenüber unserer Umwelt, unserem Planeten und all seinen Bewohnern. Dies war mir allerdings auch schon ohne diese Lektüre bewusst. Für alle, die sich noch überhaupt nicht mit diesem Thema auseinander gesetzt haben, ist dieses Buch daher sicher eine erste Hilfestellung. Weitere Informationen findet ihr dazu auch noch im Netz. Es empfiehlt sich, wie bei anderen Themen auch, stets auf dem Laufenden zu bleiben und daher z.B. auch Blogs zu diesen Themen zu verfolgen. Ich habe oben direkt mal zwei verlinkt. Einer der Links führt direkt zum Blog der Autorin.

Für mich persönlich konnte ich einige gute Tipps aus Ohne Wenn und Abfall ziehen und werde auch in Zukunft mehr darauf achten, wieder nachhaltiger mit Verpackung und Konsum umzugehen. Denn als Erinnerung und Mahnung daran ist dieses Buch auf jeden Fall gut geeignet. Als den Ratgeber für mich persönlich betrachte ich es nicht, da mir die Struktur des Aufbaus nicht zugesagt hat. Alle wichtigen Stellen, die vielleicht aufgrund von Erzählungen untergehen musste ich mir markieren, um sie schneller wieder zu finden. Die Anschaffung des ebooks eignet sich hier eindeutig.

Bücher zu diesem Thema gibt es in Hülle und Fülle. Ob sich Ohne Wenn und Abfall davon abheben wird, bleibt abzuwarten. Doch egal für welches dieser Bücher zum Thema Leben ohne MüllMinimalismus oder Nachhaltigkeit ihr euch am Ende entscheidet, würde sich der Kauf eines ebooks sicher lohnen. Denn dafür dass ich dieses Buch hier rezensieren konnte, ist auch wieder Abfall angefallen. Ein Umstand, der bei jedem Buch der Fall ist, das ich online kaufe. Wie ihr seht, habe ich noch viel zu lernen.

 

 

Vielen Dank an das Kiepenheuer & Witsch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Bildquelle Cover: amazon.de
*Affiliatelink

 

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3 thoughts on “[Sachbuchrezension] Ohne Wenn und Abfall von Milena Glimbovski

  1. Ich bin mir sicher, auch ich könnte mit wenig Aufwand viel mehr sinnlose Verpackung sparen. Anregungen und Tipps dafür kann man nie genug haben. Und seit kurzem gibt es auch in Nürnberg einen verpackungsfreien Laden, der auch über Crowdfunding (inclusive meinem Beitrag) finanziert wurde.
    Danke, dass Du das Thema mal nach vorne holst und auch Danke für diese Buchvorstellung.

    LG Gabi

    1. Hallo Gabi. Ich danke dir für deinen Kommentar. Wie toll, dass du dazu beigetragen hast, einen verpackungsfreien Laden in Nürnberg zu realisieren. Ich muss ehrlich sagen, dass es mir bzw. uns leichter gefallen ist, als wir noch nicht zu viert waren. Einkäufe auf dem Markt zum Beispiel gehen ganz gut, aber alles, was wir in großen Mengen (als Eltern fängt man auf einmal an, auf Vorrat zu kaufen *augenroll*) kaufen, verursacht dann doch wieder eine Menge Müll. Ich frage mich auch wie das werden wird, wenn wir nächstes Jahr (wenn alles klappt) raus ziehen..

      1. Es ist ja bei jedem und fast allen Themen so, dass man nur einen gewissen Aufwand treiben möchte oder kann. Und wenn es zur Tagesaufgabe wird, verpackungsfrei einzukaufen, und man zu nichts anderem mehr käme, dann macht man das nicht lange mit – wenn man das überhaupt erst startet.
        Das kenne ich schon auch als Single, die viel beruflich unterwegs ist, denn auch da kommt man schnell an seine Grenzen.
        Aber ich tröste mich damit, dass jeder Schritt in die richtige Richtung zählt und nur weil man es nicht perfekt machen kann, lässt man es nicht ganz bleiben, sondern tut wenigstens ein bisschen was.
        Und wenn ihr weiter raus zieht, vielleicht gibt es da nen schönen Dorfladen oder Verkauf ab Hof, die man gut nutzen kann oder es tun sich noch ganz andere Möglichkeiten auf, an die man jetzt nicht denkt.

        LG Gabi

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