Frankfurter Buchmesse, Veranstaltung

Frankfurter Buchmesse 2017

An dieser Stelle sollte eigentlich der übliche Bericht nach dem Besuch der Buchmesse in Frankfurt erfolgen. Ich wollte euch von besuchten Veranstaltungen erzählen, ein Autoreninterview ankündigen. Wollte euch Bilder von Buchkäufen präsentieren und davon berichten, wie sehr ich mich über das Treffen von lieben Menschen gefreut habe. Doch gerade hat der diesjährige Besuch der Messe noch einen bitteren Beigeschmack und ich muss erst einmal alles sacken lassen und die Gedanken dazu sortieren.

Meine negativen Eindrücke fingen bereits schon vor den Ausschreitungen des Messesamstages an. Am Freitag, meinem letzten Tag auf der Messe, standen keine feste Punkte mehr auf dem Programm. Durch die Hallen treiben lassen und sehen wo man landet hörte sich entspannter an, als von einem Event zum nächsten zu rennen. Und als wir dann so durch die Hallen schlenderten und unterwegs Freunde trafen, wiesen diese auf eine bald stattfindende Veranstaltung im Orbanism Space hin. Weil gerade nichts spannenderes zu finden war, gingen wir einfach mit.

Wollte man zur Bühne des Orbanism Space, musste man nicht nur – mit einem mulmigen Gefühl im Bauch – am Stand der Jungen Freiheit¹ vorbei, sondern passierte auch am Stand der Querformat Medienkonzept GmbH, wo unter anderem der Comic Drei Steine vorgestellt wurde. Ein Freund erzählte mir gerade noch von diesem Comic, als auch schon die Lesung zu diesem begann. Da mich das Thema mehr ansprach als die Bloggerveranstaltung, blieb ich einfach dort.

Ein Problem, was solche kleinen Bühnen auf der Messe haben, ist die gegenseitige Dauerbeschallung. Bereits bei der Lesung zu Crossroads von Jürgen Albers (Messedonnerstag) am Stand von Tolino Media musste dieser gegen die Geräuschkulisse der Messe ankämpfen. Selbst in der ersten Reihe konnte ich kaum ein Wort verstehen. Ein Problem, welches bei anderen Veranstaltungen ebenfalls nicht unbekannt war und ist. In dem Fall der Comiclesung kämpften nun Nils Oskamp auf der einen und Blogger und Influencer auf der anderen Seite um das Gehör ihrer Zuschauer. Während auf Seiten des Publikums beim Orbanism Space bereits Unmut hochkam, versuchte Nils einen ‚Wettstreit‘ unter den Vortragenden auszubremsen indem er darum bat, sein Mikro runter drehen zu lassen. Seine Lesung war bewegend und erschüttern, beruht die Geschichte doch auf wahren Begebenheiten. Seinen. Es war schon sehr befremdlich, die rechten Anhänger quer gegenüber sich beim gegenseitigen feiern zuzusehen, während man selbst einem Vortragenden zuhörte, wie er von den Anschlägen seitens Dortmunder Neonazis auf seine Person berichtete. Im Anschluss an seine Lesung gab es noch einen musikalischen Beitrag von Tobias Kaufmann. Der Song wurde eigens für das Buch komponiert und sehr bewegend vorgetragen. Leider brachte dieses Lied die Stimmung endgültig zum Kippen. Es wurde getwittert und sogar am Stand selbst zum Ausdruck gebracht, dass „eine Buchmesse einzig für Bücher da sei“. Gerade im Angesichts der Botschaft der Lesung und der im Hintergrund umherwandernden Rechten, war dieses Gebärden ein wahrer Schlag in die Magengegend. Selbst nachdem es richtig gestellt wurde – ich konnte meine Antworten via Tweets nicht mehr absenden, da die ursprünglichen Tweets gelöscht worden sind – verging dieses Gefühl einfach nicht. Mir geht es nicht darum, dass jemand einen Fehler gemacht hat. Ich frage mich einfach nur, wieso Behauptungen in den Raum geworfen werden, ohne dass man sich überhaupt ein einziges Mal mit dem, was da vor der eigenen Nase passiert, befasst hat. Bei mir entstand da ein Gefühl von ‚oben herab‘, was leider nicht mehr so schnell weggehen wollte. Ich möchte niemanden angreifen und diese Sache auch einfach vergessen. Mir ist es nur wichtig zu erläutern, warum ich gerade noch nicht in der Stimmung dazu bin, euch Meine schönsten Messeerlebnisse zu erzählen.

Die Ausschreitungen² des Messesamstages haben dann schlussendlich meine durch den Besuch der Messe entstandene gute Laune in sich zusammenfallen lassen. Man darf nicht vergessen, dass dieser Blog mein Hobby und der Besuch der Frankfurter Buchmesse eine Art Urlaub ist. Ich werde im Laufe der kommende Woche auch noch über die schönen Dinge berichten, aber ich möchte diese Problematik nicht totschweigen. Auch wenn dies hier ein hobbymäßig betriebener Blog ist, der sich vor allem mit ‚Unterhaltungsliteratur‘ befasst, höre ich als Mensch nicht auf, politisch zu sein. Und auch wenn ich jedes Mal, wenn ich mich dahingehend auf Twitter und sonst wo in den Sozialen Medien dazu äußere, Follower verliere, wird das nicht aufhören. Natürlich kostet es Klicks, aber um diese kann man einfach nicht traurig sein.

Meinungs- und Pressefreiheit sind ein hohes Gut und dementsprechend im Grundgesetzt verankert³. Doch selbst die Meinungsfreiheit stößt an ihre Grenzen, wenn die Würde eines anderen verletzt wird. Dieser Punkt ist erreicht, wenn bestimmte Gruppierungen, Vereine, Parteien usw. andere Menschen als Müll oder ähnliches bezeichnen. Wie es, laut Aussagen von vielen (z.B. auf Twitter) auch auf der Messe geschehen ist. Natürlich kommt da die Frage auf, wieso man solchen Hetzern eine Bühne bietet. Die Pressemitteilung der Messe, die noch am Samstagabend rausgegangen ist, war vielleicht einen Ticken zu früh versendet worden. Auf Twitter und Co. hat sie noch mehr dazu geführt, dass sich Menschen, die sich aktiv gegen Rassismus einsetzen, verraten fühlten.

Das alles trifft mich in so vielen Punkten. Rassismus, Hass und Gewalt machen mich immer wütend und betroffen. Geschieht dies dann auch noch im Rahmen einer Veranstaltung wie dieser, die mir immer so wichtig war, fühlt es sich noch so viel falscher an.

Ich bin gespannt, was der letzte Messetag noch für Überraschungen bereit hält und beobachte dies mit Bauchgrummeln aus der Ferne. Allen, die dann immer noch vor Ort sind und sich für echte Meinungsfreiheit und gegen Hass einsetzen, sende ich viel Kraft. Passt auf euch auf.

Weitere Beiträge von anderen Bloggern:

Schreibtrieb | Bücherkrähe | Piranhapudel | Inktroversion

 


¹ Die Junge Freiheit (JF) ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung. Sie versteht sich als unabhängiges konservatives Medium. Politikwissenschaftler ordnen sie einem „Grenzbereich zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus“ zu und bezeichnen sie als „Sprachrohr der Neuen Rechten“. (Quelle: Wikipedia.org) 

² Informationen dazu findet ihr unteren anderem hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buchmesse/tumulte-bei-auftritt-von-bjoern-hoecke-auf-der-frankfurter-buchmesse-15246797.html hier http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.streit-mit-rechter-szene-auf-buchmesse-muenchner-verlagschef-blutig-geschlagen.32889632-0f10-46f1-8ffc-56703a1581b6.html oder auch hier http://www.fr.de/kultur/buchmesse-frankfurt/buchmesse-vor-ort/neue-rechte-tumulte-bei-antaios-veranstaltung-a-1368729

³ Art. 5 (1) GG

14 thoughts on “Frankfurter Buchmesse 2017

  1. Ich kann deinen Unmut über deine Erlebnisse gut verstehen. Ich konnte zeitlich nicht kommen und bin im Nachhinein doch sehr froh darüber – denn was sich hier sowohl der Veranstalter als auch die Gruppierungen geleistet haben, geht gar nicht. Besonders, dass Redner wie Höcke öffentlich ihre Hetze verbreiten durften, auf einer solchen Messe, will mir nicht in den Kopf gehen. Meinungsfreiheit ist wichtig und soll von jedem ausgeübt werden dürfen, aber die Buchmesse hätte sich vorher darüber im Klaren sein müssen, was dann passieren würde – und mehr Schutz abstellen müssen. Und genau wie du sagst: Sobald etwas die Würde anderer angreift, ist es keine Meinung mehr, sondern Hetze und diese hat auf einer solchen Veranstaltung nichts zu suchen.

    Ich hoffe sehr, dass der Veranstalter seine Haltung noch einmal überdenkt…Danke für deinen Beitrag!

  2. Liebe Denise,

    schade, dass deine Erfahrung in diesem Jahr ganz offensichtlich so getrübt wurde!

    Ich wurde, ehrlich gesagt, von den Berichten bezüglich der vertretenen rechtsextremen Verlage und Ausschreitungen um diese sehr überrascht. Ich hatte mich im Vorfeld der Messe nicht wirklich mit ihr beschäftigt – ich hatte ja keinen Besuch geplant und zudem privat viel auf dem Teller. Daher war mir die Problematik überhaupt nicht bewusst und entsprechend betroffen war ich, als ich Sonntagmorgen die ersten Berichte dazu las!

    Ich finde es gut, dass du dich hier und auf Twitter gegen Rassismus, Hass und Gewalt positionierst – mich wirst du dadurch als Followerin sicher nicht verlieren! Im Gegenteil: dadurch wirst du mir erst so richtig sympathisch!

    Liebe Grüße
    Celina

    1. Es gab im Vorfeld bereits von einigen Seiten Kritik, dass sich die Messe aus der Affäre zieht, in dem sie einfach einen Linken Stand gegenüber aufstellt und dadurch sagt: Ihr macht das schon, gell? Die Presseerklärung hinterher empfand ich auch als sehr dürftig an. Ich hoffe, dass sich trotzdem Konsequenzen ergeben und sich nächstes Jahr einiges ändern wird. Natürlich werde ich nächstes Jahr wieder hinfahren, ich überlassen den Rechten doch nicht Buchmesse. Soweit kommt es noch 😀

      Vielen, vielen Dank. Deine Worte bedeuten mir wirklich sehr viel. Ich lese aktuelle die Tagebuchaufzeichnungen der Anne Frank und bin immer wieder erschüttert darüber, dass es auch heute noch Menschen mit einer solchen Gesinnung gibt.

  3. Hey 🙂

    Da ich am Samstag nicht mehr auf der Messe (und auch kaum online) war, habe ich von diesen Ausschreitungen tatsächlich erst gestern erfahren, als ich heimgekommen bin, und mir etwas mehr Zeit für die sozialen Medien genommen habe. Das hat mich schon sehr bestürzt, vor allem weil es so extrem widersprüchliche Meldungen bzw. Berichterstattungen dazu gibt. Selbst jetzt bin ich unschlüssig, was ich von allem halten soll …

    Was ich aber auf jeden Fall verurteile, ist, dass es zu Handgreiflichkeiten gekommen ist. Anderen mit Gewalt zu verdeutlichen, dass man die Meinung nicht gut findet, ist niemals eine Lösung! Egal von welcher Seite. Gerade auf der Buchmesse, die für mich einen Ort darstellt, wo unterschiedliche Kulturen an einem Ort zusammenkommen, ist das für mich nicht in Ordnung. Die Buchmesse lebt davon, dass ein Austausch stattfindet – und das auf eine menschliche und zivilisierte Art und Weise.

    Liebe Grüße
    Ascari

  4. Das ist ein offener, authentischer Bericht – danke dafür. Das übersehen jene, die auf einer theoretischen Basis argumentieren, man dürfe niemand ausschließen – wie sehr die Anhänger der rechten Verlage präsent sind, wie einschüchternd sie wirken können, wie dominant sie durch ihre Lautstärke sind, wie sehr durch ihre Präsenz Andersdenkende ausgeschlossen werden. Das darf nicht sein, dass ihnen jede Bühne zur Verfügung gestellt wird. Und die Reaktionen der Buchmesse auf die Vorfälle war für mich jämmerlich schwach.

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