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[Lesung] Wolkenschloss von Kerstin Gier

Kerstin Gier gehört zu meinen liebsten Autorinnen. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass ich jedes neue Buch von ihr kaufe/vorbestelle ohne auch nur einen Blick auf die Inhaltsangabe zu werfen. Bislang wurde ich noch von keinem nachhaltig enttäuscht, so dass ich hier keine Bedenken habe. Es gibt nur wenige Autoren, bei denen ich so vorgehe. Spontan fallen mir da nur noch Kai Meyer und Mary Kay Andrews ein. Umso mehr freute ich mich, eine Karte für die Premierelesung am 07.10.2017 in der Buchhandlung Neusser Straße in Köln ergattert zu haben.

Noch bevor die Lesung losgehen konnte hatten wir, das Publikum, eine Aufgabe: Ein Geburtstagsständchen (im Kanon!) für Kerstin Gier. Gesagt getan. Schwierig wurde es nur für meine Bankreihe, wir saßen genau auf der Trennlinie zwischen dem vorderen Teil, der beginnen und dem hinteren, der einsteigen sollte. Tatsächlich waren mir die kompletten Strophen von „Viel Glück und viel Segen“ nicht bekannt (werde ich nachholen) und so habe ich das Singen lieber denen überlassen, die sich beim Musizieren nicht wie ein läufige Katze anhören.

Nachfolgend erst einmal die bibliophilen Daten zu Wolkenschloss:

Titel: Wolkenschloss
Autor: Kerstin Gier
Verlag: Fischer
Seiten: 464
Genre: Jugendbuch | Jugendkrimi
Erscheinungsdatum: 09.10.2017
ISBN: 978-3841440211

Hoch oben in den Schweizer Bergen liegt das Wolkenschloss, ein altehrwürdiges Grandhotel, das seine Glanzzeiten längst hinter sich hat. Aber wenn zum Jahreswechsel der berühmte Silvesterball stattfindet und Gäste aus aller Welt anreisen, knistert es unter den prächtigen Kronleuchtern und in den weitläufigen Fluren nur so vor Aufregung. Die siebzehnjährige Fanny hat wie der Rest des Personals alle Hände voll zu tun, den Gästen einen luxuriösen Aufenthalt zu bereiten, aber es entgeht ihr nicht, dass viele hier nicht das sind, was sie vorgeben zu sein. Welche geheimen Pläne werden hinter bestickten Samtvorhängen geschmiedet? Ist die russische Oligarchengattin wirklich im Besitz des legendären Nadjeschda-Diamanten? Und warum klettert der gutaussehende Tristan lieber die Fassade hoch, als die Treppe zu nehmen? Schon bald steckt Fanny mittendrin in einem lebensgefährlichen Abenteuer, bei dem sie nicht nur ihren Job zu verlieren droht, sondern auch ihr Herz. (Fischer)

Kerstin Gier hat 1995 ihr erstes Buch veröffentlicht. Seither hat sie zahlreiche Jugend-, Frauen- und Liebesromane verfasst, die allesamt von ihren Leserinnen mit Begeisterung aufgenommen werden. Ihre phantastische Trilogie Silber ist ein internationaler Bestseller, genauso wie die Romane Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün sowie Müttermafia und Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner. Die Autorin lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen in der Nähe von Köln. (Fischer)

Noch in einem frühen Stadium des Romans ging dieser an die Zeichnerin Eva Schöffmann, die auch bereits für die wunderschönen Cover der Edelsteintrilogie zuständig war. Eine große Herausforderung für Kerstin war, alle von Eva auf das Cover gezauberten Figuren dem Roman hinzuzufügen. Denn diese hat sich unter anderem die Freiheiten genommen, ein paar Hunde dort unterzubringen. Ursprünglich sollte es in Wolkenschloss lediglich eine geheime Katze geben, da Haustiere in dem Hotel strengstens (!) verboten sind. Noch vor der Lesung standen die beiden gemeinsam vor dem Buchladen und unterhielten sich. Ein Passant ging vorbei und meinte ‚Was für ein hässliches Cover!‘. Also mir gefällt es richtig gut. Was sagt ihr dazu?

Noch ein wenig zum Wolkenschloss. Das fiktive Hotel wurde 1889 errichtet und hat sich in der Zeit bis heute kaum verändert. Seine Glanzzeiten liegen schon lange hinter ihm. Dies spiegelt sich unter anderem in dem veralteten Wellnessbereich, der seit den 1980er Jahren nicht mehr modernisiert wurde. Es beherbergt weiterhin eine alte Bibliothek und ein um noch viel älteres Personal. Für die lieben Kleinen gibt es ein Spielzimmer unter dem Dach und von den Zimmern aus hat man – besonders im Winter – einen tollen Blick auf die verschneiten Berge. Hört sich alles wundervoll an, oder? Ob der Roman tatsächlich so zauberhaft ist, wie er in der Lesung beschrieben wurde kann ich bislang – Schande über mich – nicht bestätigen. Ich hoffe, dass ich bald dazu komme, ihn zu lesen. Und auch wenn das Haus in die Jahre gekommen ist, erstrahlt es zum Silvesterball wieder in all seiner alten Pracht. Der Ball zieht all die Schönen und Reichen von nah und fern an und sogar Hugh Grant lässt es sich nicht nehmen, Teil dieser Veranstaltung zu sein. Eigentlich wird er namentlich gar nicht genannt, jedoch bestand ihre Verlegerin darauf, dass es er sein musste.

Das Hotel ist bisweilen auch nicht so leblos,  wie es auf den ersten Blick erscheint. Denn in den passenden Momenten kommt die Seele des Hauses zum Vorschein. Dies merkt auch Protagonistin und Jahrespraktikantin Fanny Funke sehr schnell.

„Also wenn man jetzt nicht das Buch kaufen will, dann weiß ich auch nicht“.

Kerstin wollte unbedingt selbst einmal einen Kriminalroman ganz im Stil des Mord im Orientexpress verfassen. Und so wurde Wolkenschloss dann auch zu einem Krimi im Jugendbuch. Laut ihrer eigenen Aussage muss man sich allerdings 120 Seiten gedulden, bis sich dies herauskristallisiert. Denn bevor es so richtig spannend wird, muss man, so Gier, durch all die lustigen und romantischen Szenen durch. Damit dies auch für all diejenigen Leser sichtbar ist, die keine Lesung von ihr besuchen/besucht haben, hat sie einen Prolog hinzugefügt, der auf die aufkommende Spannung hinteasert. Und für alle die nun Angst haben, dass nicht genug Liebe und Küsse vorkommen: Die gibt es. Während sie den Prolog vorlas merkte sie schmunzelnd an, dass, wenn man jetzt nicht das Buch kaufen will, sie auch nicht weiter wüsste.

Kerstin ist ein unglaublich sympathischer Mensch, der das Publikum in einer Tour zum Lachen gebrachte. Wenn man ihr dabei zuhört, wie sie sich die Geschichte des Hotels und die einzelnen Handlungsstränge ausgedacht hat, merkt man wie viel Liebe sie in ihr neues Werk gesteckt hat. Ihre Augen leuchteten dabei und ihre Begeisterung schwappte auf das Publikum über. Genau wie ihrer Protagonistin Fanny ist Kerstin schon einmal eine Spontanlüge entwischen, weil sie aus einer unangenehmen Situation hinauswollte. So gibt es jetzt mindestens einen Menschen auf der Welt der glaubt, dass sie auch schon einmal in Peru gewesen wäre.

Das Personenregister hat ihre Lektorin angelegt. Unter anderem taucht dort ein Manfred auf, an den sich selbst Kerstin nicht mehr erinnern konnte. Eine Figur wurde leider immer wieder durch die Lektorin gekürzt und genau so steht es auch in seiner Beschreibung im Register. Und selbst Kerstin ist dort zu finden.

Christiane Düring, die ebenfalls an der Lesung teilgenommen hat, war Programmchefin bei Arena und hat Kerstins Bücher lektoriert. Heutzutage ist sie ihre Agentin und liest Kerstins Texte in der Rohfassung. Christiane ist die einzige Person, der Kerstin sich dahingehend anvertraut. Sie treffen sich schon immer bevor ein neues Projekt entsteht, um zusammen Kerstins Ideen durchzugehen. Christiane ist auch dafür zuständig Kerstin darauf hinzuweisen, wenn es bestimmte Plotideen bereits gibt und veröffentlicht wurden/werden. Die ersten fünf Monate eines jeden neuen Romanprojekts muss sich Christiane Kerstins ‚Es ist alles furchtbar, du kannst das noch nicht lesen‘ anhören, obwohl meist genau das Gegenteil der Fall ist. Zu diesem starken Team gehört auch die bereits oben erwähnte Eva Schöffmann, die für die Zeichnungen und die Covergestaltung verantwortlich ist. Cover für solche Projekte müssen schon dann stehen, wenn der Roman sich gerade mal im Anfangsstadium befindet. Bevor Gier ihre Agentin an ihrer Seite hatte, hat sie bereits 20 Bücher selbst an die Verlage gebracht.

Den Tüten, die diejenigen bekommen haben, die das Buch vorbestellt hatten, lag ein Plakat zum Ausmalen bei. Dies ist Teil eines Gewinnspiels für ein Meet & Greet in einer Buchhandlung nach eigener Wahl. Von diesem Gewinnspiel hatte Gier an dem Abend zum ersten Mal erfahren, was wieder alle zum lachen gebracht hat. Bisher bin ich leider nicht dazu gekommen, daran teilzunehmen. Vielleicht gebe ich es auch Emma, damit sie etwas Schönes darauf malt.

„Ich glaube, die lies gut.“

Das Hörbuch wurde von Ilka Teichmüller eingelesen. Da Kerstin selbst noch nicht reingehört hatte blieb es bei einem ‚Ich glaube die liest gut‘. Es war, wie man merkt, ein Abend, an dem kaum ein Auge vor Lachen trocken blieb. Kerstin freute sich jedenfalls, dass es eine ungekürzte Hörbuchfassung ist.

Eine ihrer Lieblingsfiguren aus Wolkenschloss ist eine kleptomanische Dohle. Ich bin schon sehr gespannt, inwieweit diese eine Rolle spielen wird.

Eine frage aus dem Publikum war, wie sie auf die Idee zu diesem Roman gekommen ist. Kerstin hat in den letzten Jahren einige Hotels bereist zu denen sie schon immer mal wollte, es sich vorher jedoch nie ergeben hat. Sie hat sich dort meist in die Hotellobbys gesetzt und den stillen Beobachter gespielt. Wenn man sich einmal einen Tag lang zum Schreiben dorthin positioniert, bekommt man so einiges zu sehen. Zum Beispiel Gäste die alles wollen und unmögliche Wünsche haben, nur weil sie ja bezahlen. Oder auch hart arbeitendes Personal, das vielleicht das ein oder andere Mal zu viel Interaktionen untereinander hat. Das alles hat sie dazu inspiriert, auch einmal einen Roman verfassen zu wollen, der eben ein solches Setting besitzt.

Der Roman bleibt übriges ein Einteiler. ‚Wenn eine Geschichte zu ende erzählt wurde, ist sie auch zu Ende.‘

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10 thoughts on “[Lesung] Wolkenschloss von Kerstin Gier

  1. Wolkenschloss steht noch ungelesen in meinem Regal, aber ich will es demnächst lesen. Kerstin Gier gehört auch zu den Autoren, bei denen ich mir die Bücher einfach kaufen muss. Eine gute Freundin von mir ist auch ein grosser Gier Fan und leiht sich jedes Buch von mir aus und liest es gleich mehrmals durch 😀
    Ich finde das Cover wirklich hübsch und kann mich wirklich nicht beklagen. Ich finde die Coverdesignerin hat hervorragende Arbeit geleistet, denn es passt zu den anderen Gier Büchern, hebt sich aber doch deutlich von ihnen ab.
    Liebste Grüsse
    Julia

    1. Sie hat einfach so eine ganze besondere Art zu schreiben. Dadurch habe ich auch Bücher von ihr gelesen, die mich vom Thema her eigentlich überhaupt nicht angesprochen, mir dann aber doch gefallen hatten. 🙂

  2. Hallo liebe Nise,
    das ist eine toller Lesungsbericht, der mir sehr gut gefallen hat! Bei uns gibt es jetzt endlich auch ab und zu Lesungen bzw. muss ich ca. 30-50 km fahren, aber das tu ich gerne! Es ist doch ein tolles Erlebnis!
    Liebe Grüße
    Martina

  3. Durch Deinen tollen Lesungsbericht konnte ich auch ein bisschen mit dabei sein – auch wenn ich mich genauso wie Du vor dem Singen wohl gedrückt hätte 🙂 Da wäre ich also keine Hilfe gewesen …
    Und nun hast Du – bzw. die Autorin – mir auch noch Appetit auf das Buch gemacht.

    LG Gabi

    1. Vielen, vielen Dank. An solchen Abenden gibt es ja immer so eine ganz eigene Stimmung. Wenn man dann nach Hause geht und erzählt wie es war, kann man ja oft nur einen geringen Teil wiedergeben, weil den anderen Personen einfach der direkte Bezug fehlt. Ähnlich wie bei Situationskomik. Und trotzdem versuche ich regelmäßig, andere an solchen Veranstaltungen teilhaben zu lassen. Wenn es dann auch noch irgendwie klappt, freut es mich besonders. Ich finde solche Autorenlesungen sind immer das i-Tüpfelchen für das Leserherz.

  4. Liebe Nise,

    vielen Dank für diesen schönen Bericht! Wunderbar lebendig geschrieben, ich hatte beinahe das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Was das Buch angeht, bin ich mir zwar noch nicht sicher, ob ich es lesen will (Die Silber-Trilogie wurde in meinen Augen leider von Band zu Band schlechter), aber mal sehen.

    Liebe Grüße
    Ascari

    1. Vielen lieben Dank. Es ist genau das, was ich versuche auszudrücken, aber ich bin mir dann am Ende doch nie so richtig sicher, ob ich das auch schaffe. So eine Rückmeldung ist wirklich wahnsinnig toll!
      Lustig sind immer die bösen bis verdutzten Blicke der um einen herum sitzenden Leute, weil man in einer Tour in sein Mobiltelefon tippt. Die denken dann wahrscheinlich jedes Mal, dass ich während der Lesung Nachrichten schreiben würde, oder so. ^^

      Wolkenschloss ist ja schon ein Buch, was sich an ein jüngeres Publikum richtet. Ich werde auf jeden Fall eine Rezension schreiben, wenn ich es dann endlich mal gelesen habe.

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