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Autoreninterview mit Lars Simon

Lars Simon, Jahrgang 1968, hat nach seinem Studium lange Jahre in der IT-Branche gearbeitet, bevor er mit seiner Familie nach Schweden zog, wo er als Handwerker tätig war. Heute lebt und schreibt der gebürtige Hesse wieder in der Nähe von Frankfurt am Main. Bisher sind von ihm bei dtv die Comedy-Romane Elchscheiße, Kaimankacke und Rentierköttel sowie der Urban-Fantasy-Roman Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen erschienen. Lars Simon ist ein Pseudonym.

Band 1

Band 2

Gustafssons Jul

Elchscheiße

Kaimankacke

Rentierköttel

 

Nise: Erst einmal vielen Dank dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Wir treffen uns hier am Messemittwoch am schönen dtv Stand der Frankfurter Buchmesse 2017. Ist dies deine erste Veranstaltung dieser Art. Wenn nein, ist es immer noch so aufregend oder kehrt langsam eine Routine ein?

Lars: Nein, ich bin eigentlich jede Buchmesse da. Das mache ich jetzt seit 2010 und seitdem ich Autor bei dtv bin, nehme ich sowieso daran teil. Seit 2014 bin ich dort Autor und jedes Jahr für sie auf der Messe gewesen.

Nise: Hattest du vorher einen eigenen Stand gehabt?

Lars: Nein, ich hatte keinen Stand. Ich war auf der Messe als Besucher gewesen und habe meine Verlage besucht. Natürlich wurde ich noch nicht so gefeiert wie jetzt bei dtv bzw. habe ich nicht einen solchen Raum bekommen. Das ist eine ganz andere Liga.

Nise: Was ist das für ein Gefühl, dass dein Erscheinen nun anders wahrgenommen wird?

Lars: Es ist einfach ein größerer und renommierterer Verlag und es war auch immer mein Wunschverlag. Und von daher ist es ein wahnsinnig schönes Gefühl, sich hier neben berühmten Bestsellerautoren einzureihen. Ich verstehe mich gut mit den Mitarbeitern und die Zusammenarbeit macht unglaublich viel Spaß. Das macht schon viel aus.

Nise: Du hattest ein paar Blogger, darunter mich, per Post und das auch sehr persönlich angeschrieben. Wie wichtig ist dir der Austausch mit deinen Lesern und was war die konkrete Idee dahinter?

Lars: Die Idee dahinter war, das man auf der einen Seite auffallen will. Blogger bekommen jeden Tag so viele Anfragen per E-Mail, die dann auch teilweise im Spamfilter landen. Außerdem finde ich, dass wenn man schon über gedruckte Bücher spricht, dann sollte man auch darüber nachdenken auch die Briefe direkt auszudrucken. Natürlich hätte ich die Dinge, die ich beigelegt habe (Aufkleber, Postkarten, Lesezeichen) auch nicht dazugeben können. Es hat mir auch großen Spaß gemacht. Es ist des Weiteren auch eine Anerkennung an die Blogger. Es wird sich teilweise so viel Mühe gegeben und es werden so schöne Sachen gemacht, da kann man auch einmal so eine Akquise betreiben und es waren auch nicht so viele. Die größte Arbeit war tatsächlich, mir die Blogs raus zu suchen. Ich habe ca. 30 Blogs angeschrieben, habe mir aber ungefähr 400 angeschaut. Das hat über eine Woche lang gedauert. Die Mühe war es mir allerdings wert. Mein Gedanke war, dass diejenigen, die übrig bleiben es verdient haben und diese dann auch so eine schönen Brief bekommen.

Nise: Vielen Dank!

Lars: (lächelnd) Bitte gern geschehen.

Nise: Noch einmal auf deinen Brief zurück: Für deinen phantastischen Krimi Lennart Malmkvist hast du dir mit Bölthorn ein außergewöhnliches Maskottchen ausgesucht. Wie bist du gerade auf einen Mops gekommen?

Lars: Ich habe eine Zeit lang Tiere beobachtet und hatte selbst viel mit Hunden zu tun. Beziehungsweise Ex-Hunden, die gehörten alle meinen Exfreundinnen. Das Hundewesen hat mir schon sehr viel Spaß gemacht und dann habe ich irgendwann Möpse kennengelernt und habe mir gedacht: Das ist doch Hund. Es ist irgendwie etwas ganz anderes als ein Hund, den man sonst so kennt. Es ist aber auch nicht wie eine Katze, eher ein ganz eigenes Wesen. Sie verhalten sich so wahnsinnig lustig und haben auch eine ganz spezielle eigene Ästhetik. Ich finde, dass der Mops ein extremer Sympathieträger ist; er hat mich sehr inspiriert. Loriot hatte auch schon viel mit Möpsen zu tun gehabt. Es hat einfach viel Spaß gemacht und so kam eins zum anderen.

Nise: Am 10.11.2017 erscheint der zweite Band der Lennart Malmkvist Reihe. Sind noch weitere Bücher der Serie geplant oder ist sie vielleicht sogar schon abgeschlossen?

Lars: Nein, sie ist noch nicht abgeschlossen, es wird auf jeden Fall noch weitere geben.

Nise: Wie viele?

Lars: Mindestens noch ein dritter Band. Wie viele danach kommen, weiß ich noch nicht.

Nise: Wie sieht deine Schreibroutine aus? Gibt es einen bestimmten Tagesablauf und wie kann man sich deinen Arbeitsplatz vorstellen?

Lars: Ich habe einen ziemlich geregelten Arbeitsablauf und schreibe ausschließlich am Schreibtisch meines Großvaters. Diesen habe ich geerbt. Der Tisch ist zwar schon total abgenutzt aber ich liebe es daran zu arbeiten. Ansonsten stehe ich ganz normal auf, wie jeder der arbeiten geht. Das Schöne ist, dass ich keinen Arbeitsweg habe und dadurch meist noch eine halbe Stunde länger schlafen, weil ich zu keiner S-Bahn muss. Der Tag beginnt mit einem Kaffee, ein wenig frühstücken (oder auch nicht) und dann geht es direkt an den Schreibtisch. Je nach Inspiration wird dann entweder am Roman oder am Konzept gearbeitet oder auch so etwas gemacht wie das Fadenbuch, weil dies gehört ja dazu. Wenn es geht, dann gehe ich ab und zu auch mal eine Runde joggen oder spazieren, denn das hilft sehr. Dies teile ich mir aber meistens so ein, dass dies abends passiert.

Nise: Also du arbeitest den ganzen Tag durch bis zu einem bestimmten Punkt? Und hast du ein bestimmtes Tagesziel, wie viele Wörter du schaffen möchtest?

Lars: Das nimmt man sich zwar immer vor. ‚Heute muss ich fünf oder acht Seiten schaffen‘. Selten werden es dann 13 und die werden aber teilweise so blöd, dass man sie auf drei Seiten runterkürzt. Manchmal denke ich auch, ‚gut, dann schreibe ich halt noch eine‘ und dann schaut man auf merkt es sind sieben geworden, die echt gut sind. Das kann man schwer sagen. Manchmal, es kommt auch auf den Abgabetermin an, nehme ich mir auch direkt eine Seitenanzahl vor. Ich weiß ja auch oft im Voraus nicht, wie viele Seiten es werden, wenn ich etwas schreiben möchte. Deswegen sage ich mir dann, ‚heute möchte ich, dass Lennart noch das und das erlebt oder abschließt‘ und das ist dann mein Ziel, was ich an diesem Tag erreichen möchte.

Nise: Du meintest gerade, dass es Tage gibt, an denen man eher Murks produziert. Wie sieht bei dir die Überarbeitungsphase aus?

Lars: Es ist eine sehr intensive Phase und man wünschst sich, dass das Buch endlich fertig ist. Wenn man den Text überarbeitet hat ist es zum Teil auch sehr undankbar. Es gibt eine Regel, die man lernen muss. Ich habe sie zumindest so für mich adaptiert: Kein Text, der gekürzt wird, ist schlechter als vorher. Das heißt, man schreibt eigentlich immer zu viel und man kann es mit weniger Worten sagen. Dadurch fängt man an, selbstkritischer zu werden. Dann gibt es auch noch die Testleser. Meine Freundin liest zum Beispiel alles intensiv, aber es gibt eben auch andere Testleser die ich habe. Das sind Männer und Frauen, weil es gibt natürlich auch unterschiedliche Geschmäcker. Die erhalten den Text auch bevor er in das Lektorat geht. Bevor er also zur Agentur geschickt wird, geht er durch viele Hände. Da kann es auch schon einmal zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Insgesamt ist es eine zähe Geschichte. Das Schreiben selbst macht natürlich viel mehr Spaß. Man wünschst sich natürlich, dass man eine Seite schreibt und alle sagen ‚Das ist das Schönste, was ich je in meinem Leben gelesen habe, noch eine‘. Das wird aber meinst nicht der Fall sein. Es gibt Passagen, die sind toll und die gefallen den anderen und einem selbst. Es gibt aber auch welche, da wird sehr viel gekürzt.

Nise: Wie gehst du mit Schreibblockaden um?

Lars: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich kaum welche habe. Dies liegt aber daran, dass ich eine bestimmte Methode habe. Ich habe einmal eine gehabt, die war richtig furchtbar. Das war der zweite Roman, der bei dtv erschienen ist (Kaimankacke). Da hatte ich mittendrin eine ganz grauenhafte Schreibblockade die mich wirklich getroffen hatte. Weil ich dachte, ich bekomme so etwas nicht. Das passiert allen anderen und ist alles eigentlich nur ein Klischee und so etwas gibt es nicht. Und dann wusste ich auch einmal zehn Tage lang wirklich nicht, was ich schreiben sollte. Ich wusste es einfach nicht. Diese zehn Tage waren wirklich sehr lang. Und dann fängst du auf einmal an, an dir zu zweifeln und fragst dich, ob du nicht doch lieber etwas anderes machen sollst. Teppichböden verlegen oder Ähnliches. Aber es war dann so, dass mir die Lösung einfach so eingefallen ist. Mein Umgang damit ist, dass ich mich frage, was will die Figur? Und wenn ich diese Frage beantworten kann, geht es weiter. Wenn ich mir die Frage nicht beantworten kann muss ich mir eingestehen, dass ich nicht genug weiß, was die Figur will. Es ist dann meine Schuld, da kann die Figur nichts dafür. Aber wenn ich wirklich weiß, was sie antreibt, dann gibt es ja gar keine andere Chance, als dass es weitergeht. Ich würde sagen, so kann man sich ein Stück weit daraus hangeln.

Nise: In der Litaturszene wird die Phantastik häufig verpönt. Gerade in Bezug auf den diesjährigen Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro, der selbst auch schon etwas im Bereich Science Fiction (welches oft damit in einen Topf geworfen wird) veröffentlich hat, kochen die Diskussionen wieder hoch. Wie stehst du zu dieser Trennung von Hochliteratur und Phantastik?

Lars: Das ist natürlich Quatsch und man sieht es ja auch ganz deutlich an Autoren wie Edgar Allan Poe, Haruki Murakami oder Umberto Ecco. Wenn ich da z.B. an Baudolino von Ecco denke, der am Ende komplett ins Phantastische abdriftet. Oder auch Murakami mit seinen Kurzgeschichten anschaue, dann taucht da auf einmal ein sprechender großer Frosch auf. Das ist ja reine Phantastik und das Murakami oder auch Ecco Unterhaltungsliteratur sein sollen, würde wahrscheinlich niemand wagen zu unterstellen. Für mich ist es auch kein Widerspruch weil ich der Meinung bin, Literatur ist immer Unterhaltung. Nur eben teilweise auf einem anderen Niveau. Das ist doch genau so als ob man sagen würde, jeder historische Roman ist nur Unterhaltung, weil der in den 80ern/90ern Jahren sehr gehypt war und die nachkommenden Titel immer recht ähnlich sind. Da würde ich mir nie die Nase drüber rümpfen. Es befriedigt Menschen und macht Spaß. Und trotzdem gibt es dann einen Umberto Ecco, der mit Der Name der Rose sicherlich keinen reinen Unterhaltungsroman geschrieben hat. Das kann man auf die Phantastik genauso anwenden. Ich denke da eine grade Linie zu ziehen ist nicht einfach und eine willkürliche Klassifizierung. Bei meinen Büchern würde wahrscheinlich niemand sagen, es sei ernsthafte große Weltliteratur, sondern Unterhaltungsliteratur aber ich würde von mir aus behaupten, es ist anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur und die beißt sich nicht mit der Phantastik.

Nise: Wo du direkt deine Bücher ansprichst. Ich habe nun öfters gelesen, die Lennart Malmkvist Bücher seien Harry Potter Romane für Erwachsene. Wie siehst du es, wenn Leute dies über deine Bücher sagen?

Lars: Das ist für mich ein riesen Kompliment wenn sie mit Harry Potter verglichen werden. Ich hätte gerne ein Zehntel der Umsatzzahlen, dann wäre ich zufrieden (lacht). Ich sehe es wirklich als Kompliment an, weil ich Harry Potter sehr mag und was ausgezeichnet hat waren eben die Bilder und die eigene Welt, die heraufbeschworen wurden. Wenn man nur Ansatzweise bei meinen Büchern in so eine Welt hineingezogen wird, habe ich alles richtig gemacht.

Nise: Und zum Abschluss eine meiner Lieblingsfragen. Was sind deine drei persönlichen Lieblingsbücher, die du meinen Lesern ans Herz legen möchtest?

Lars: Ohje, das kommt wahnsinnig spontan. Ich würde einfach wirklich Bücher nehmen die älter sind. Aus dem einfachen Grund, weil ich keine modernen Autoren bevorzugen möchte. Es gibt ein paar Bücher die mir wahnsinnig gut gefallen. Da ist eins, von Ib Michael und heißt Die Nacht des Troubadours (dtv, wird allerdings nicht mehr verlegt), welches ich wirklich sehr liebe. Ist ein Mittelalterroman, der sehr bildhaft ist und wunderschön, inklusive Liebesgeschichte. Weiter wäre da noch Jonathan Strange & Mr. Norrell von Susanna Clarke, den ich sehr liebe. Es ist ein wundervoller Roman. Und man sollte auf jeden Fall einmal einen Ecco gelesen haben, das schadet nie. Mein Lieblingsklassiker ist Narziss und Goldmund von Hermann Hesse.

 

Bildquelle Cover: dtv
Bildquelle Autorenfoto: Siehe Bildunterschrift

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