Rezensionen

[Rezension] Bird & Sword von Amy Harmon

Dieses Buch hat ebenfalls aufgrund eine Leserunde auf Lesejury den Weg zu mir gefunden. Ein großes Problem, dass sich zwischen mir und das Buch gestellt hat war die Tatsache, dass ich nur die Leseprobe kannte. Aufgrund dieser, die einen wirklich spannenden Prolog und einen ebenso interessanten Anfang vorwies, kam ich einfach nicht drumrum, den Roman lesen zu wollen. Ein Blick auf die Inhaltsangabe hätte mir allerdings direkt verraten können, dass auch dies wieder nur eine Geschichte ist, bei der eine phantastische Welt lediglich zum Aufhänger für eine Liebesgeschichte genutzt wurde.

Titel: Bird & Sword
Originaltitel: The Bird and the Sword
Autor: Amy Harmon
Übersetzer:
Genre: Highfantasy | Romantasy
Verlag: Lyx (Bastei Lübbe)
Seiten: 400
Erschienen: 26.10.2017
ISBN: 978-3736305489

Ein Mädchen ohne Stimme. Ein König in Ketten. Ein Fluch, der sie vereint.  Mit fünf Jahren musste Lark mit ansehen, wie ihre Mutter vor ihren Augen hingerichtet wurde. Mit dem letzten Atemzug nahm sie ihrer Tochter die Stimme und die Macht der Worte. Denn Magie ist eine Todsünde in Jeru. Dreizehn Jahre später erscheint der junge König Tiras am Hof von Larks Vater, um diesen an seine Treuepflicht im Krieg zu erinnern. Er nimmt die stumme junge Frau als Geisel mit sich. Zunächst fürchtet Lark den König, doch sie merkt schnell, dass Tiras ebenso wenig frei ist wie sie und dass die Liebe womöglich die einzige Waffe ist, die ihrer beider Ketten sprengen kann.

Amy Harmon wusste schon als Kind, dass sie einmal Schriftstellerin werden würde. Aufgewachsen umgeben von Weizenfeldern und ohne Fernseher hat sie ihre Freizeit mit Singen und Lesen verbracht und bald selbst eigene Lieder und Geschichten geschrieben. Später arbeitete sie als Lehrerin und war Mitglied des Saints Unified Gospel Chors, der 2005 einen Grammy erhielt. (Bastei)

Vielen Dank an Lesejury und Bastei Lübbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Meinung

Aufgrund der Leseprobe waren meine Erwartungen so immens hoch, dass eigentlich damit zu rechnen war, dass diese zusammenbrechen wie ein Volgar, der gegen seinen eigenen Willen vom Himmel geschossen und in den Tod geschickt wird. Ein Volgar ist ein magisches Wesen, halb Mensch und Vogel, und ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Nun eigentlich sollten sie das sein, doch so sehr ich versucht habe, die magischen und phantastischen Anteil wohlwollend zu betrachten, so ging dies doch alles zu Laster der Liebe unter.

Das Buch wird damit beworben, so romantisch wie Selection und so spannend wie A Song of Ice and Fire zu sein. Der erste Part mag vielleicht noch zutreffen, mit Game of Thrones hat das hier jedoch wenig zu tun. Bird & Sword ist ein Roman, der so viel Potenzial bietet, es aber nicht ausschöpft. Die mittelalterliche Welt mit ihren vielen verschiedenen Wesen und Städten wird angedeutet, jedoch kaum beschrieben. Die wundervollen Einfälle Harmons, Lark mit Tieren ’sprechen‘ und generell nur über Gedanken kommunizieren zu lassen waren die Eigenschaften, die dieses Buch am meisten getragen haben. Mehr von diesen zauberhaften Ideen rund um die Wortzauber und weniger Gossip wären die Zutaten, die ich mir hier gewünscht hätte.

Der Umgang der Personen miteinander bleibt, wie auch das Beschreiben der Umgebungen, sehr oberflächlich. Sie interagieren, weil es der Plot so vorsieht und zeigen dabei kaum Persönlichkeit. Und so ist es dazu gekommen, dass mir der Ausgang von Larks Geschichte nicht sonderlich berührt hat. Weder zu ihr, noch zu ihrem Love Interest konnte ich eine besondere Beziehung aufbauen. Hätte Harmon weniger auf Klischees, sondern ihre eigenen Ideen gesetzt, hätte sie auch mich mit ihrer Geschichte abholen können. Ich bin die Protagonistinnen satt, die ja so sehr unscheinbar sind. Ebenso gehen mir die Bad Boys, die sich für ihre Angebetete ändern, auf die Nerven – selbst wenn sie Könige sind.

Wenn man noch einmal auf den Vergleich zu A Song of Ice and Fire zurück kommen mag: Bird & Sword fehlt es an den politischen Durchtriebenheiten, den feinfühligen Charakterzügen und der deutlichen Dramatik, um mit einem solchen Epos mithalten zu können. Es geht hier nicht um Kämpfe, (denn die werden mal eben so abgehandelt) oder um die Gestaltwandler (dafür haben sie zu wenig Spielraum und es gibt zu viele Logikfehler), sondern wie Protagonistin A am effektvollsten mit Objekt der Begierde B zusammenfindet.

Auch bleiben einige Fragen ungeklärt, die höchstwahrscheinlich auch nicht mehr im nachfolgenden Teil geklärt werden. Die Kombination mit den vorhersehbaren Plotelementen sowie dem Nichtaufbau von Emotionen gegenüber den Figuren haben schlussendlich dazu geführt, dass ich diesen Roman weder weiterempfehlen, geschweige denn noch einmal lesen würde. Was wirklich sehr schade ist.

Und auch wenn ich grundsätzlich keine Cover bewerte muss ich nun doch einmal ein Wort zu diesem Trend loswerden, den auch Bird & Sword befallen hat. Egal wie düster der dystopische Thriller oder wie blutig das phantastische Gemetzel ist: Die Cover vieler solcher Bücher zieren derzeit wunderhübsche Mädchen (die meist mit der Protagonistin wenig gemeinsam haben) die noch viel schönere Ballkleider tragen. Beispiele wären da Selection, Der Kuss der Lüge oder auch Glimmernächte. Das Reich der sieben Höfe von Sarah J. Maas schießt dazu noch den Vogel ab, wird die ballkleidtragende Schönheit mit Bogen in der Hand abgebildet. Sicherlich die perfekte Garderobe für den nächsten Jagdausflug. Die Originalcover der Bird & Sword Romane gefallen mir durch ihr düsteres Erscheinungsbild deutlich besser.

Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass ich mit den Figuren dieses Romans insoweit Spaß hatte, dass ich – aufgrund des Manuskripts – diese ständig an die Seitenränder zeichnen ‚musste‘ (und leider bin ich sehr häufig ins Zeichnen abgedriftet). Immerhin meine Freude am Zeichnen konnte mir der Roman wiederbringen.

Fazit

Wer Romantasy mag, bei der die Liebe im Vordergrund steht und sich durch einen umfangreichen Weltenbau gelangweilt fühlt, kann mit Bird & Sword nichts falsch machen.

Da hier an so vielen Stellen lediglich an der Oberfläche gekratzt wird, konnte bei mir kein Interesse geweckt werden, auch den zweiten Teil lesen zu wollen. Auch wenn dort die einzige Person, die mich wirklich überzeugen konnte, zum Protagonisten aufsteigen wird.

Eine seichte Liebesgeschichte trifft auf blasse Welten und Charaktere. Betrachtet man den Roman als Märchen, sollte er einen zufriedener stellen. Ähnlichkeiten zu tatsächlich existierenden Märchen wie Die Schöne und das Biest und Rumpelstilzchen unterstreichen dies.

Cover: Bastei Lübbe

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6 thoughts on “[Rezension] Bird & Sword von Amy Harmon

  1. Hey,

    ich glaube ich muss bei den Werbeversprechen auch mal meine Scheuklappen aufsetzen… ich hatte zuletzt ein Buch, das hierbei echt den Vogel abgeschossen hat. Das konnte ich im Nachhinein nur noch als Satire werten. 😉 Ja, schade, dass dich das Buch nicht überzeugt hat. Ich bin ehrlich gesagt alleine aufgrund des Covers skeptisch und da mich „Das Reich der sieben Höfe“ schon nicht ganz erreichen konnte, werde ich „Bird and Sword“ wohl eher auslassen.

    Liebe Grüße
    Alex

      1. Memory Game … „highconcept-thriller“, „fesselnd wie Gone Girl“ :-))) etc. Einige andere waren begeistert, für mich war es leider der totale Reinfall. Mal sehen, was ich dazu schreibe. LG

  2. Hey 🙂

    Ich hatte ja schon aufgrund deiner früheren Bemerkungen zu diesem Buch das Gefühl, dass du eine sehr kritische Rezension schreiben würdest … Für mich klingt das ja nun fast ein bisschen nach einer Mogelpackung, wenn du schreibst, dass hier sogar mit „Game of Thrones“ geworben wird, du darin aber keine Elemente aus der Reihe wiederfinden konntest …
    Hoffe, dein nächsten Bücher werden wieder besser!

    Liebe Grüße
    Ascari

    1. In Bezug auf den Vergleich mit Game of Thrones kann man es wirklich als Mogelpackung betrachten. Allerdings nehme ich solche falschen Werbeversprechungen auf Buchcovern immer mehr wahr und ignoriere sie meistens.

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