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[Rezension] HEX von Thomas Olde Heuvelt

Rezensionen mit Entschuldigungen meinerseits zu beginnen, ist eigentlich etwas, was ich dringend vermeiden möchte. Doch auch dieses Mal komme ich nicht drumherum, denn mit der Besprechung bin ich nun doch ein wenig im Verzug. Nicht nur, dass es sich um Rezensionsexemplar handelt und ich schon gegen mein eigenes schlechtes Gewissen kämpfen muss. Zusätzlich hatten sich einige Leute bereits auf die Romanbewertung eingestellt und mussten nun warten. Ich merke allerdings, dass mir die Blogpause wirklich geholfen hat, den Kopf frei zu bekommen. Auch wenn ich gerade viele Tage habe, an denen ich überhaupt nichts geschafft bekomme, so finde ich in den Abendstunden immerhin die Zeilen und Sätze, die mir in den letzten Wochen einfach nicht einfallen wollten. Bitte verzeit mir daher die Verzögerung.

Titel: Hex
Originaltitel: Hex
Autor: Thomas Olde Heuvelt
Übersetzer: Julian Haefs
Genre: Horror
Verlag: Heyne
Seiten: 432
ISBN: 9783453319066

Black Spring ist ein beschauliches Städtchen im idyllischen Hudson Valley. Hier gibt es Wälder, hier gibt es Natur - und hier gibt es Katherine, eine dreihundert Jahre alte Hexe, die den Bewohnern von Black Spring gelegentlich einen kleinen Schrecken einjagt. Dass niemand je von Katherine erfahren darf, das ist dem Stadtrat von Black Spring schon lange klar, deshalb gelten hier strenge Regeln: kein Internet, kein Besuch von außerhalb oder Katherines Fluch wird sie alle treffen. Als die Teenager des Ortes jedoch eines Tages genug von den ständigen Einschränkungen haben und ein Video der Hexe posten, bricht in Black Spring im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los. (Verlag)

Thomas Olde Heuvelt wurde 1983 in Nijmegen, Niederlande, geboren. Er studierte Englisch und Amerikanistik an der Radboud Universität Nijmegen und an der University of Ottawa in Kanada, wo er ein halbes Jahr lang lebte. Seine Kurzgeschichte "The Day the World turned upside down" wurde mit dem Hugo Award ausgezeichnet, andere Kurzgeschichten wurden für den Hugo Award und den World Fantasy Award nominiert. Sein Horrorroman „Hex“ landete in den Niederlanden auf der Bestsellerliste. Verlag)

Meinung

Ohne die Handlung vorweg zu nehmen ein kleiner Hinweis direkt zu Beginn. Hex ist, auch wenn der Klappentext etwas anderes suggerieren mag, kein typischer Splatterhorror. Das hier angezielte Grauen kommt aus einer ganz anderen Ecke, worauf ich im Verlauf noch weiter eingehen werde. Ich finde es wichtig dies zu erwähnen, um eventuellen Enttäuschungen entgegen zu wirken. Ich selbst hatte eine ganz andere Art von Geschichte erwartet, alleine schon aufgrund der vielen positiven Leserstimmen. Dass es dann ganz anders kam, ließ ich erst einmal außer Acht und um mich auf das mir Dargebotenen einzulassen.

Ein, den Leser verwirrender, Beginn kann nicht darüber hinweg täuschen, was Olde Heuvelt tatsächlich mit seinem Werk beabsichtigt hat. Denn der wahre Horror geht in diesem Roman nicht von der „einer dunklen Bedrohung“ aus, ja nicht einmal von der, das Dorf „heimsuchenden“, Hexe. Hexe Kathrine dient lediglich als Aufhänger, für den Schrecken sorgen die Bewohner Black Springs selbst. So entführt der Autor seine Leser tief in das Wesen der menschlichen Abgründe und zeigt damit, dass wir nicht weit in der Fantasy suchen müssen, um wahres Entsetzen zu finden. Genau dieser Aspekt hat mich nach den ersten Kapiteln versöhnt und ich wurde regelrecht in die Geschichte hineingezogen. Und das wohlgemerkt bei einem sehr leichtem Tempo und mit nur zunehmend aufbauender Spannung. Es ist nicht das, von sich selbst entstehende Bedürfnis, weiterlesen, sondern die eigene Ungeduld, nun endlich das Ende erfahren zu wollen. Generell keine wirklich schlechte Eigenschaft, einen hochkarätigen Spannungsroman bildet sich durch diese Eigenschaft jedoch nicht heraus.

Von der zuvor genannten, durch die Menschen selbst erzeugte, düsteren Stimmung profitieren allerdings die Figuren in einem fast schon übertriebenem Maße. In Hex ergeben sich nicht nur die Fragen, zu was ein Mensch fähig ist und wie weit er dabei bereit ist zu gehen. Es sind vor allem die Gefühle, auf die Heuvelt setzt und dabei breit gestreut die unterschiedlichsten Charaktere aufeinanderprallen lässt.

So spitzt sich die Stimmung bis zu einem gewissen Grad zu, um sich dann im zweiten Abschnitt mit einem nicht sehr schönen Cliffhanger zu verabschieden. Was zunächst nach einem perfekten Grund klingen mag, um weiter zu blättern, ließ mich dann auf den nächsten Seiten – wie bereits zu Beginn – erneut verwirrt pausieren. Denn mit einem Mal war ich im dritten Teil angekommen und wusste zunächst nicht so recht, wie ich die neuen Informationen verarbeiten sollte. Diese prasselten nur so auf mich herab und ich hatte wirklich das Gefühl, einiges verpasst zu haben. Heuvelt halt sicherlich hat ein Händchen dafür, seine Leser mit Emotionen zu überschütten, treibt es in diesem letzten Abschnitt für meinen persönlichen Geschmack allerdings zu weit.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass diejenigen, die den Roman genossen haben, diesen gerne verfilmt sehen würden. Generell wäre ich dem nicht abgeneigt, allerdings nur, wenn es sich dabei um eine Serie und nicht um einen weichgespülten Hollywoodstreifen nach Schema F handelt.

Fazit

Sicher ist HEX nicht die erste Wahl, erwartet man einen klassischen Splatterhorror. Doch allen, die es nicht gerne all zu blutig haben und die das Abtauchen in die Abgründe unsere Gesellschaft vorziehen, lege ich diesen Roman eingeschränkt ans Herz. Mit erschreckenden Parallelen zu dem Leben um uns herum sowie der sich langsam anbahnenden Anspannung war HEX für mich zu weiten Teilen ein Pageturner, wäre der Einbruch im letzten Abschnitt nicht gewesen. Für Unentschlossene lohnt sich ein Blick auf weitere Besprechungen, zwei habe ich euch als Anhaltspunkte angefügt.

 

„Eine gute Grundidee, die deutlich an Spannung gewonnen hätte, wäre die Sprache nicht größtenteils so nichtssagend gewesen. Trotzdem lohnt sich der Showdown für Freunde des subtilen Horror, die vielleicht weniger Wert auf sprachliche Finessen legen.“

Buchperlenblog

 

„Die Idee ist unglaublich erfrischend und bringt eine neue Art mit sich, allerdings hätte die Story für mich noch wesentlich brutaler ausfallen können, da hatte ich mich irgendwie eher drauf eingestellt.“

Letterheart

 

Rezensionsexemplar
Coverrechte und Klappentext: Heyne Verlag

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6 thoughts on “[Rezension] HEX von Thomas Olde Heuvelt

  1. Ich bin ja nur so ein Gast-Horrorleser, ein Genre, in das ich selten schnuppere. Von daher ist HEX bei mir mit voller Punktezahl weggekommen. Ich fand es gruselig und Grusel habe ich bekommen. Splatterhorror habe ich gar nicht erwartet, vielleicht auch deswegen.
    Besonders den moralischen Boomerangeffekt am Ende fand ich gut.

  2. Ob blutig oder unblutig, Splatter, Horror – Film oder Buch 😀 Die Umsetzung muss stimmen! Ich habe mich vom Cover zu einem Kauf verleiten lassen und noch nicht allzu viele Meinungen zum Buch gelesen. Deine Besprechung macht wirklich neugierig auf den Inhalt – menschliche Abgründe erkunde ich ja gern (mir auch gerad egal wie das klingen mag 😉 ) Ich finde dies einfach mega interessant, egal in welchem Genre oder autobiographisch. Auch wenn du einige Kritikpunkte hast, finde ich das deine Worte neugierig machen

    1. Vielen Dank <3 Habe mitterweile noch ein paar kritischere Meinungen gelesen, aber die hatten sich wirklich auf etwas komplett anderes eingestellt. Ich denke der Klappentext ist da auch sehr täuschend. Aber wenn man sich drauf einlässt, wird man auf jeden Fall gut unterhalten. Wenn der dritte Abschnitt nicht so runtergebrochen worden wäre, hätte ich es schon fast perfekt finden können. 😊

      1. Ich versuche eh nur noch ohne große Erwartungen an Bücher heranzugehen – klappt nicht immer … Aber Genrebezeichnung, Klappentext sind momentan so irreführend finde ich. Das Ende hat immer starken Einfluss auf das Gesamterlebnis eines Buches, zu mindestens bei mir. Werde es definitiv dieses Jahr lesen, bin egspannt ob sich unsere Eindrücke dann ähneln

  3. Auf Splatter-Horror kann ich gut verzichten, mir sind die subtilen menschlichen Abgründe lieber. Deshalb habe ich aufgehorcht bei Deiner Rezension, auch wenn es da ein paar Einschränkungen gibt – Du hast ja wunderbar beschrieben, was uns in etwa erwartet – vielen Dank für diese aussagekräftige Einschätzung. Das Buch bleibt erstmal auf meiner Leseliste, allerdings nicht ganz so weit oben.

    LG Gabi

  4. Ich hab es ja gern nicht so brutal. Daher werde ich mal sehen, ob ich das Buch noch lesen werde.
    Das Buch ist gerade in der Einarbeitung in der Bücherei. Vielleicht erwisch ich es ja.

    LG,
    Mona

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