Abgebrochen

Abgebrochen #10

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von „Ich hasse es Rezensionsexemplare abbrechen zu müssen, aber dieses Buch würde mich ansonsten in eine erneute Leseflaute stürzen, dabei bin ich gerade erst aus der alten wieder aufgetaucht“!

Was wurde abgebrochen?

Daten
Titel: Housten Hall – Schatten der Vergangenheit
Autor: Mary Cronos
Verlag: Feelings
Seiten: 598
Preis: 1,99 € ebook | 16,99 € TB
Genre: Fantasy
Erschienen: 02.01.208

Klappentext
Anthony lebt allein auf dem Familienlandsitz Houston Hall in Nordengland, seit seine ganze Familie einem schrecklichen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Der Tod der Eltern und der geliebten Schwester haben den aufstrebenden Anwalt aus Edinburgh zu einem anderen Menschen gemacht; die Dorfbewohner halten ihn für wunderlich, manche gar für verflucht. Nachdem er die letzte Haushaltshilfe gefeuert hat, steht überraschend eine junge Frau vor der Tür, die sich auf die Stelle bewirbt: Mary Smith. Mit Mary beginnt Anthony wieder am Leben teilzunehmen und lässt sogar – wenn auch zögerlich – Gefühle zu. Doch er weiß nicht, wen er in sein Herz lässt: Mary weiß um die Wahrheit hinter dem Unglück seiner Familie. Sie weiß um die Monster, die nicht nur sein Leben bedrohen, denn sie stellt sich ihnen schon seit 200 Jahren in den Weg. Als plötzlich eine Totgeglaubte wieder auftaucht, ist Mary sicher, dass er in großer Gefahr schwebt. Nun muss sie kämpfen, um zugleich Houston Hall und ihre Liebe zu Anthony zu retten.

Houston Hall und ich, es sollte einfach nicht sein. Ich bedanke mich dennoch bei Feelings für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Wenn man regelmäßig für einen Verlag liest und rezensiert kann es leider auch vorkommen, dass hin und wieder Romane dabei sind, die einem nicht so sehr gefallen wie die anderen. Wer meinem Twitteraccount oder aber eben auch der Abgebrochen Reihe folgt weiß, dass ich schnell darin bin, mich von leidigen Büchern zu entledigen. Allerdings versuche ich Rezensionsexemplare in 90% der Fälle immer zu beenden. Warum also habe ich bei diesem Roman das Handtuch geworfen?

Um dies verstehen zu können muss ich vielleicht noch erwähnt haben, dass ich gerade erst eine Leseflaute überwunden habe, die mich so arg erwischt hatte, dass sie mir sogar das Bloggen vermiest hat. Bereits im November 17 gab es kaum Beiträge und der Dezember stand quasi komplett im Zeichen der Blogpause. Es gab vielerlei Gründe, auf die ich vielleicht in einem anderen Post einmal eingehen werde. Und nun, wo nicht nur das Lesen wieder Freude bereitet, sondern auch das Verfassen von Blogbeiträgen wieder geschmeidiger von der Hand geht will mich dieser Roman also herausfordern. Wenn man für bestimmte Verlage wie Feelings bloggt, werden einem in regelmäßigen Abständen gleich mehrere Bücher zum Rezensieren angeboten, aus denen man dann eins, oder sogar mehrere auswählen kann. Von allen, die im letzten Aufruf aufgelistet waren, hat mir Houston Hall direkt auf Anhieb am meisten zugesagt. Und vielleicht ist auch deswegen die Enttäuschung noch ein wenig größer.

Ich konnte nur schwer, wenn nicht sogar gar überhaupt nicht in die Handlung finden. Nach den ersten 20% hatte ich bereits den ersten Verdacht, dass ich einen langen Atem brauchen werde, würde ich dieses Unterfangen durchziehen wollen. Gegen eine gute Einführung in die Story, die gerne auch ein wenig mehr Zeit in Anspruch nimmt, habe ich nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Allerdings muss diese für mich auch einen Mehrwert haben, die Geschichte aufbauen und mich mit den Figuren vertraut machen. Weder wurde ich gut unterhalten, noch hatte ich das Gefühl, langsam einen Zugang zum Protagonisten aufbauen zu können. Über das Fehlen von Spannung hätte ich noch hinwegsehen können, wäre auf diesen Seiten etwas passiert, dass mich neugierig auf den weiteren Verlauf gemacht hätte. Der einzige Lichtblick, der mich dann auch zum Weiterlesen animierte, waren die Auszüge aus den Aufzeichnungen der Chronik von Duighreach, die an den Beginn eines jeden Kapitels gestellt wurden. Diese Auszüge, die nie mehr als eine Seite ausfüllten, lieferten mehr Einblick in die Vergangenheit der Geschichte und gaben mehr Preis, als all die vielen Seiten dazwischen.

Nach ca. 40% habe ich mich nun gegen das Buch und für einen Abbruch entschieden. Vielleicht mag ich nicht die Zielgruppe sein und in anderen Bewertungen und Rezensionen werden dann die Loblieder auf diesen Roman gesungen, die er eventuell verdient hat. Doch meinen Geschmack hat er in keiner Weise getroffen. Die Hauptstory plätschert nur so dahin und zeigt bis zu dem Punkt, an dem ich es bei Seite gelegt habe, keinerlei Hinweis darauf, Spannung zu entwickeln. Protagonist Anthony, dem es an Charakterfestigkeit fehlt und dessen Handlungen dadurch willkürlich wirken, stolpert von einer Ohnmacht in die nächste und muss dabei jedes Mal von seinem geheimnisvollen Dienstmädchen Mary errettet werden. Wenn sie ihn nicht gerade zurück auf sein Zimmer tragen muss, verfolgt Mary ihn durch das Anwesen, dass man meinen könnte, sie sei ein Stalker. Ich erkenne die Absicht, dass sie mysteriös und unheimlich wirken soll. Dies wird allerdings durch die Berechenbarkeit, mit der sie überall dort auftaucht, wo er sich auch aufhält, zerstört. Gleichzeitig ist sie für eine geisterhafte (?) Erscheinung auch einfach zu aufmüpfig und forsch. Der Roman ist mit seinen 598 Seiten nicht gerade ein schmales Bändchen und muss sicherlich hier und da aufgefüllt werden. Muss ich jedoch viele, viele Seiten (und in meinem Fall eben 40%) lang immer wieder lesen, wie Anthony Akten und Aufzeichnungen wälzt, sich dann auf die Suche nach einem geheimen Raum macht (und ihn nicht findet), stürzt/sich den Kopf stößt usw., verarztet wird und sich in Unterhaltungen mit Mary begibt, die ein unangenehmes Gefühl von Fremdschämen bei mir verursacht … dann muss ich einfach irgendwann die Reißleine ziehen.

Ich wollte dieses Buch wirklich mögen und ihm eine gerechte Chance geben. Doch sich immer wieder aufraffen zu müssen den Reader überhaupt wieder in die Hand zu nehmen ist nicht das, was ich unter einem Lesevergnügen verstehe. Es ist wirklich sehr schade und ich kann nicht oft genug betonen, wie unangenehm mir der Abbruch von Rezensionstiteln ist, aber Houston Hall hatte einfach nicht das besondere Etwas, was in mir den Wunsch auslösten konnte, weiterlesen zu wollen.

Coverrechte: Feelings Verlag

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3 thoughts on “Abgebrochen #10

  1. Ich breche inzwischen ohne schlechtem Gewissen ab. Warum soll ich mich quälen? Klar, bei Rezensionsexemplaren vom Verlag ist das schon schwieriger und kann verstehen, dass man diese doch zu Ende lesen möchte um dem Autor und dem Verlag eine möglichst umfassende und konstruktive Kritik liefern zu können. Aber wenn es gar nicht mehr geht und die Leselaune deswegen total in den Keller geht…

  2. Man kann, man soll ja nicht alles lesen. Manchmal soll man sich zwingen, wenn man sich vorher Rechenschaft darüber abgibt wieso man das Buch nicht lesen will, aber normalerweise empfindet man schon richtig.

    Liebe Grüße,
    Thomas.

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