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[Rezension] Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne

Obwohl ich mir immer wieder vornehme weniger Rezensionsexemplare anzufragen, tauchen ab und an eben jene Vorschläge auf, die sofort mein Interesse erwecken. Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne gehört genau in diese Rubrik, denn seit ich selbst zwei kleine Monster mein Eigen nenne, ziehen mich Bücher diese Art zu gleichen Teilen magisch, jedoch auch mit Skepsis verbunden, an. Ich wünsche euch viel Spaß mit meiner heutigen Rezension und verspreche, mit den anderen offenen zügig hinterher zu kommen, damit diesen Monat nicht weiterhin so viel Leere auf dem Blog herrscht wie bislang.

Titel: Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne
Autor: Andrea Harmonika
Verlag: Bastei Lübber
Genre: Sachbuch | Eltern
Seiten: 256
Erscheinungsdatum:
ISBN: 978-3404609673

Andrea Harmonika leidet unter emotionaler Inkontinenz, faltet Jugendliche im Schwimmbad zusammen und zieht in ihrer Freizeit liebevoll Gemüse groß, das ihre Kinder dankend ablehnen. Manchmal fragt sie sich, ob aus ihnen wirklich verpimpelte Sitzpinkler werden, wenn sie auf jeden Kratzer ein Piratenpflaster klebt und findet, dass früher alles anders, und nicht besser war.(Verlag)

Andrea Harmonika, fast 40, ist von Beruf Nicht-Schriftstellerin und lebt mit ihrer Familie in einem Handvoll-Haeuser-Dorf in Norddeutschland. Seit 2014 schreibt sie ueber den Sinn und Unsinn mit Kindern auf ihrem Blog Unterhaltung auf mittlerem Niveau, wo sie bereits nach 10 Monaten die 1-Million-Klickmarke knackte.(Verlag)

Vielen Dank an Bastei Lübbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

Meinung

Nach dem lesen des Klappentextes war ich neugierig. Würde es eines jener Bücher sein, das ich nur mit Beitritt in einem bestimmten Mütterclub würde genießen können, oder ist es ein Lesegenuss für alle Mütter/Eltern? Für das Buch sprach auf jeden Fall die Empfehlung von Danielle Graf, deren Buch Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn schon oft geerdet hat.

In vielen – mal kleinen, mal größeren – Anekdoten berichtet Harmonika aus ihrem Alltag zwischen sich prügelnden Geschwister, Arschbomben und Seepferchen sowie dem sich verändernden Leben, sind erst einmal die beiden pinken Streifen auf dem Test zu sehen. Da ich ihren Blog und damit die Beiträge, die von diesem aus ihren Weg in den Blog gefunden haben, noch nicht kannte, war der gesamte Inhalt des Buchs neu für mich. Wenn ihr euch diesen zunächst einmal anschauen wollt, könnt ihr >hier< einen Blick darauf werfen.

Was diese Buch in meinen Augen ausmacht – und sich dadurch von anderen seiner Art abhebt – ist dieses starke Gefühl von „ja, genau so ist das“, welches sich beim Lesen einschleicht. Viele der geschilderten Situationen, hätten aus unserem Alltag, viele der gefallenen Sätze aus meinem Mund stammen können. Vor allem jedoch ist es die bildhafte Erzählart der Autorin, welche die Seiten nur so dahinfliegen lässt. Über viele Seiten lang hat mich ihr Humor so häufig zum Lachen gebracht, dass mir zwischenzeitlich im Bauch zog. Doch Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne ist nicht nur eine muntere Aneinanderreihung lustiger Alltagsgeschichten. Dieses Buch schafft den Spagat, an den wichtigen Stellen leise, an ernsten Stellen laut und an den humoristischen unterhaltsam zu sein. War ich eben noch herzhaft am lachen, brachte mich ein einzelner kleiner Satz dazu, innezuhalten, meine beiden Mäuse an mich zu drücken und dann – nach einer kurzen Pause – erst weiter zu lesen. Am meisten überrascht und beeindruckt hat mich allerdings die Tatsache, dass Harmonika ein komplettes Buch über das Leben als Mutter verfasst hat, ohne nur ein einziges Mal mit der Vorurteilskeule zu schwingen. Ich muss zugegeben, dass ich bei jedem neuen Kapitel auf den Punkt gewartet hatte, der mich bislang vom Lesen solcher Bücher abgehalten hat. Und als ob sie dies geahnt hat, hat Harmonika hier und da bewusst kleine Fallen eingebaut, in die ich auch sogleich getappt bin.

Fazit

Ich empfehle Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne nicht nur Müttern/Eltern die einmal das Gefühl haben wollen nicht alleine mit dem alltäglichen Wahnsinn zu sein. Vor allem lege ich es aber jedem ans Herz, der bisweilen nicht verstehen kann, warum die befreundeten/verwandten Eltern kurz vor dem Auswandern an einen ruhigen und kinderlosen Ort stehen oder die unbedingt verstehen wollen, warum wir Mütter auch nach Jahren der Geburt immer noch von unseren Hormonen überrannt werden. Fans den Blogs werden sicher die meisten Geschichten bereits kennen, allen anderen wünsche ich viel Spaß mit dieser Lektüre.*

Edit: Wie durch die Autorin in den Kommentaren angegeben, stammen lediglich acht der Beiträge aus ihrem Blog. Die anderen Kapitel sind allesamt für das Buch verfasst worden.

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*Da ich ihre Fußnoten so gerne mochte, kommt hier eine meinerseits: Auch wenn mir dieses Buch tatsächlich gefallen hat, werde ich „Lustigen Elternbüchern/Lustigen Büchern über Kinder/Kinderkriegen“ weiterhin skeptisch gegenüberstehen.

Coverrechte: Bastei Lübbe

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3 thoughts on “[Rezension] Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne

  1. Wow…ich habe gerade deine Rezension bei Amazon gesehen und beim Lesen auf meine Tastatur geweint. Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, mein Buch nicht nur zu lesen, sondern es auch mit soviel Liebe und Sorgfalt zu rezensieren.

    PS.: Bevor ich mir jetzt die Nase (und die Brille, die mir in der Aufregung beschlagen ist) putzen gehe, eins noch: Von den 60 Geschichten im Buch sind nur 8 Texte aus dem Bog ins Buch gewandert. Die restlichen 52 sind alles komplett neue, bislang unveröffentlichte Texte, die ich im letzten Jahr exklusiv für das Buch geschrieben habe =D

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