Rezensionen

[Rezension] Audrey & Ich von Lucy Holliday

Der heutige Beitrag ist unfreiwillig länger geworden, als ich es geplant hatte. Es waren auf einmal so viele Empfindungen in meinem Kopf, die unbedingt herauswollten. Ich hoffe, ihr mögt sie trotzdem und ich würde mich freuen, wenn ihr – gerade wenn ihr mir nicht zustimmen könnt – mir eure Meinung dazu dalassen würdet. Normalerweise fallen meine Bewertungen nie so persönlich aus und ich weiß noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Nun erst einmal viel Spaß mit der Review zum ersten Teil der A Girls‘ Night In Reihe.

Titel: A Girls’ Night In - Audrey & Ich (Diven-Reihe, Band 1)
Originaltitel: One night with Audrey Hepburn
Autor: Lucy Holliday
Übersetzung: Marion Herbert
Verlag: Lyx (Bastei Lübbe
Genre: ChicLit
Seiten: 352
Erscheinungsdatum:
ISBN: 978-3736305335

Einen schlimmeren Tag hat Libby Lomax noch nie erlebt: ihre erste Sprechrolle vergeigt und fast den angesagten Filmstar Dillon O'Hara in Brand gesetzt. Hier hilft nur eins: Frühstück bei Tiffany! Doch da sitzt auf einmal Audrey Hepburn - die Audrey Hepburn - neben Libby auf der Couch. Hat Libby den Verstand verloren, oder kann die Stil-Ikone ihr helfen, ihr Leben doch noch in einen Blockbuster zu verwandeln? (Verlag)

Lucy Holliday erstes großes Werk war vier Zeilen lang und hieß: "Der Postbote ist toll". Sie hat es kurz vor ihrem fünften Geburtstag fertiggestellt und es hat ihr so viel Spaß gemacht, dass sie unbedingt Autorin werden wollte. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Wimbledon. Mit A Girls' Night In - Audrey & Ich gab sie ihr Debüt. (Verlag)

Meinung

Bei manchem Buchinhalt wundert es mich sehr, dass dieser sich immer noch gut verkauft. Sehr gut verkauft. Als wäre es immer noch Anfang der 2000er Jahre mit der uns die Welle des ChickLit* überrollt hat. Versteht mich bitte nicht falsch, immerhin gehöre ich genau zu den Leuten, weswegen sich solche Bücher immer richtig gut verkauft haben. Aber selbst in einem solchen Genre erwarte ich nach einigen Jahren doch zumindest ein wenig Weiterentwicklung. Ich bin immer eine der ersten, die schlechte Bewertungen zu – in meinen Augen – schlechten Büchern aus diesem Bereich, oder aber auch aus dem Genre New Adult verfasst. Häufig kommt da, meist von Leuten die meinen Lesegeschmack nicht kennen der Einwurf, ich solle das Buch halt nicht lesen, wenn ich das Genre nicht mag. Aber genau das ist eben der Punkt. Ich mag dieses Genre, so blöd es sich auch manches Mal anstellen und verkaufen mag. Ich mag Geschichten wie die von Mary Kay Andrews, in denen nicht ausschließlich die Liebesgeschichte im Vordergrund steht, sondern in der diese mit dem Lebensweg der Protagonistin gemeinsame Wege geht. Eben jene Geschichten, in denen eine Protagonistin, mit der man sich im besten Fall identifizieren kann, eine Entwicklung durchläuft und sich vielleicht sogar einen Traum erfüllt (und wenn es auch „nur“ der Blumenladen auf der Ecke ist). Diese Storys gab es damals schon und gibt sie auch heute noch. Doch zwischen all den Erscheinungen, die eben nach dem anderen genretypischen Schema ablaufen, gehen sie schnell unter und werden übersehen. So habe ich Bücher des Genres gelesen, in denen zum Beispiel überhaupt keine Liebesgeschichte das Entscheidende war und eben auch Bücher, die sich um eine gewisse shoppingsüchtige Journalistin drehen. Welche mich nun wieder zu Audrey & Ich führt.

Ein Hübsches Cover allein macht keine gute Reihe aus.

Auch wenn ich damals die Reihe um Becky Bloomwood gerne verfolgt hatte, kam für mich irgendwann der Punkt, an dem ich sie einfach nicht mehr ertragen konnte. Was in den ersten paar Büchern noch ganz unterhaltsam war, wurde spätestens mit der Geburt des Kindes nur noch nervtötend und ich musste mich unweigerlich fragen, ob mir die vorherigen Bücher unter dem heutigen Gesichtspunkt immer noch zusagen würden. Und dann fiel mir der erste Teil der A Girls‘ Night In in die Hände. Da ich bereits Bücher wie Jane Austen bleibt zum Frühstück ganz toll fand, wollte ich dieser neuen Reihe unbedingt eine Chance geben. Ich wollte jedoch auch herausfinden, ob Hepburn auch in diesem Werk lediglich auf ihre Schönheit reduziert wird, oder ob mir die – bislang unbekannte Autorin – etwas ganz Neues präsentieren wird. Mein Faible für Reihen sollte an dieser Stelle noch erwähnt sein. Und so waren meine Hoffnungen auf diese Buchreihe, in denen noch andere Persönlichkeiten wie Marilyn Monroe auftauchen sollen, doch relativ hoch angesetzt.

Der Prolog startet dabei auch recht positiv und gibt einen Einblick in das Leben der, zu diesem Punkt noch dreizehnjährigen und weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallene Libby Lomax. Libby muss sich nich nur mit ihrer, von der Vorstellung von Ruhm besessenen, Mutter und der überaus talentierten Schwester herumschlagen, sondern wird auch noch (mal wieder) von ihrem Vater versetzt. Ein Romaneinstieg, der eine interessante Geschichte verheißt. Könnte man denken. Den die Ernüchterung folgte sogleich im ersten Kapitel. Alleine auf den ersten 70 Seiten konnte ich mit dem Buch das ChickLit Bullshit Bingo mehrfach gewinnen. Auch wenn sie mit Ende 20 nun etwas reifer als ihr Prolog-Ich sein sollte, machte Libby in diesem kurzen Sprung zwischen zwei Seiten einen wahnsinnigen Schritt rückwärts. Was die Autorin anscheinend als liebenswert tollpatschig verkaufen möchte, lässt Libby bei mir in einem derart schlechten Licht darstellen, dass ich teilweise am liebsten in den Roman gestiegen wäre, um sie zur Vernunft zu bringen. Ich hätte also eine trottelige Protagonistin, die ihr Leben innerhalb von Sekunden gegen die Wand fahren kann zu bieten und garniere es mit ihrem Crush auf den widerlichsten Typen, der ihr am Filmset unterkommen kann. Gesteigert wird das ganze durch die gewollte Situationskomik, die durch erzwungene Zufälle herbeigeführt wird und getoppt wird es noch durch den besten Freund, der hoffnungslos verliebt ist und das auch mehrfach sagt, es aber immer noch nicht verstanden wird. Und bevor wieder die ersten Einwände kommen, dass es auch solche Fälle gibt: Ich bin mir dessen bewusst, ich trage zum Zeichen dessen einen Ring am Finger. Und doch kann ich es nicht mehr lesen, wenn es einfach nur als Lückenfüller in die Geschichte gequetscht wird, um künstliche Spannung erzeugen zu können. Und noch einmal nein, es macht mir in keiner Weise Spaß, Bücher zu verreißen. Schon dann erst recht nicht, wenn mich die Autorin von der hinteren Klappe so nett anlächelt. Aber dies ändert leider auch nichts daran, dass die A Girls‘ Night In Reihe und ich nicht mehr warm miteinander werden können.

Der Unterschied im Genre in einem Bild.

Neben all diesen negativen Dingen ist sicher nicht alles an dem Roman zum Haare raufen. Dass sich das Aufbauen der Story seine Zeit lässt, um die Charaktere einzuführen, zum Beispiel. Oder auch die narzisstische Mutter, die dem Goldenen Kind (Libbys Schwester Cass) sämtliche Träume erfüllt und dem Anhängsel (Libby) nur Aufmerksamkeit schenkt, wenn sie sich selbst einen Vorteil dadurch verschaffen kann. In der Art und Weise, wie Lucy Holliday dies darstellt mag es vielleicht unglaubwürdig (ähnlich einer Cinderallestory) anhören, jedoch kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass sich solche Szenen tatsächlich so abspielen können. Und auch der eigentliche Teil der Hauptgeschichte, mit der plötzlich auftauchenden Audrey Hepburn war so nett geschrieben, dass ich das Buch, müsste ich es auf diesen Part beschränken, sehr süß gefunden hätte. Der ärgerlichste Punkt für mich ist, dass Audrey & Ich nicht in erster Linie schlecht ist und grundsätzlich viel Potenzial besessen hätte. Es ist die Art und Weise wie es herunter geschrieben wurde, als ob ein Liste an Elementen, die für einen solchen Roman (angeblich) essenziell sind, abgearbeitet werden müsste.

Fazit

Ein Großteil der ChickLit Romane ist sicherlich lediglich für Unterhaltungszwecke geschaffen worden. Doch zeigen Autorinnen wie Kerstin Gier, Kristina Günak oder Mary Kay Andrews doch in regelmäßigen Abständen, dass auch dieses Gerne tiefergehender sein kann, ohne dabei in die Klischeefalle zu tappen. Wenn man Spaß am klassischen ChickLit Roman hat und (vor allem!) nicht von diesem übersättigt ist, kann man sicherlich hiermit seinen Spaß haben. Eure leicht genervte Miesepetra wird diese Reihe jedoch nicht mehr fortsetzen.

Wer jetzt mehr zum Thema der eigenen Erwartungen an Bücher und Genres lesen möchte, sollte unbedingt mal bei Kejas Blogbuch vorbeischauen.

 

*Unter Chick-Lit (wörtlich etwa „Mädels-Literatur“, sinngemäß „anspruchslose Frauenliteratur“) versteht man belletristische Literatur, die sich an Frauen und Mädchen wendet. Die pejorative Bezeichnung stammt aus dem Amerikanischen und setzt sich aus den beiden Wörtern chick und lit zusammen, wobei chick ein umgangssprachlicher und abwertender Begriff für eine junge Frau und lit die Abkürzung für literature, also Literatur ist. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Chick_lit/

Coverrechte liegen wie immer beim Verlag

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9 thoughts on “[Rezension] Audrey & Ich von Lucy Holliday

  1. Liebe Kitsune,
    heute endlich möchte ich mal bei dir vorbeischauen, ich wollte diesen Beitrag von dir ja ganz dringend mal näher lesen.
    Ich gebe zu, ich habe voir einigen Jahren solche Bücher regelrecht verschlungen. Ganz besonders toll fand ich die Bücher von Gaby Hauptmann – ich weiß aber heute nicht mehr, ob ich die noch alle gut finden würde. Mittlerweile habe ich noch ein paar dieser Bücher auf meinem SUB liegen, einige habe ich bereits aussortiert, aber ich kann mich nicht wirklich aufraffen, diese vom SUB zu befreien, einfach aus Angst, dass ich sie nur noch schlecht finde.

    Danke für die tollen Worte, die du hier gefunden hast!

    Liebe Grüße Anett.

    1. Die Bücher von Gaby Hauptmann fand ich „damals“ auch richtig toll aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie jetzt nicht mehr mögen würde. Bei Kerstin Gier bleibt es unverändert. Es gab damals einige Bücher die ich richtig geliebt habe, vielleicht versuche ich sie noch einmal zu lesen um dann einen Vergleich ziehen zu können. Der Teufel ist blond war da eines der Bücher, die ich richtig geliebt habe.

          1. Ja das stimmt, der 2. Teil fehlt, ich hab mir denn nicht gekauft, weil ich nicht sicher war, ob ich die lese 😉

  2. Danke, dass du den Beitrag veröffentlicht hast, ich habe ihn gerne gelesen.
    Meine eigene ChickLit-Lese-Phase war relativ kurz, eine hatte ich mir 13/14 mit der Motivation die Liebe verstehen zu wollen, die zweite mit Anfang 20.
    Ab und zu verirrt sich doch mal wieder ein Buch in meine Hände und ich habe Schwierigkeiten zu benennen, warum es nicht mein Genre ist, aber mir die Geschichten manchmal doch gefallen.
    Dein Beitrag hat mir ein wenig dabei geholfen, es besser zu verstehen.

    *Wenn die Figuren in der Geschichte stark genug sind, die Geschichte zu tragen, ist es eine gute Geschichte.*

    Kerstin Gier kann das zum Beispiel sehr gut, großartig von ihr „Für jede Lösung ein Problem“, leichte Lektüre, ernstes Thema.
    Mein letzter Versuch war „Feel Again“ von Mona Kasten, spricht viele an, ich konnte es nicht zu Ende lesen …

    Vielleicht magst du einen Beitrag schreiben in dem du ChickLit vorstellst, die du gerne gelesen hast, würde mich freuen.

    Liebe Grüße
    Stephanie

    1. Grüß dich. 🙂
      Meine „Höchstphase“ muss so in der Zeit zwischen 17 und 21 gewesen sein. Also da, wo jetzt alle New Adult lesen. *greisenstimme* Aber das gab es ja zu meiner Zeit noch nicht. *greisenstimme ende*
      Ich denke die gut gemachten Bücher des Genres lesen wir deswegen so gerne, weil man gut dabei abschalten kann, es (teilweise) eine Art Wohlgefühl aufruft und weil sie ja eigentlich immer ein Happy End haben.
      Ja, Kerstin Gier kann das wirklich sehr gut, weswegen sich ihre Jugendbücher eigentlich genauso lesen. ^^
      Feel Again ist übrigens New Adult.
      Ich weiß nicht so recht, ob ich einen solchen Beitrag hinbekommen würde, da die meisten Romane doch schon etwas zurück liegen. Ich weiß halt nicht, ob sie mir heute noch gefallen würden. Aber ich könnte mal ein paar Bücher von Mary Kay Andrews zusammengefasst vorstellen.

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