Rezensionen

[Rezension] Unter einem Banner von Elea Brandt

Nach Opfermond, meinem ersten Buch von Elea Brandt, war ich schon fast gehypted auf das Erscheinen ihres neuesten Titels Unter einem Banner. Im Gegensatz zu dem düsteren orientalischem Setting von Opfermond sollte mich hier nun das (nicht minder düstere) Mittelalter samt einer Liebesgeschichte, die man sicherlich so nicht häufig in diesem Genre vorfindet, erwarten. Noch mehr habe ich mich allerdings gefreut, als Elea mich bezüglich eines Rezensionsexemplars angefragt hat. Ich danke an dieser Stelle für das Vertrauen in mich und meine Rezensionen. Wie immer ist meine Bewertung trotz allem ehrlich und so objektiv wie möglich gehalten. Ich habe Unter einem Banner als ebook erhalten.

Titel: Unter einem Banner
Autor: Elea Brandt
Verlag: dead soft Verlag
Genre: Mittelalter | Fantasy
Seiten: 442
Erscheinungsdatum: 02.02.2018
ISBN: 978-3960891772

Blutroter Schnee. Brennende Zelte. Sterbende Kameraden. Jede Nacht durchleidet Reykan erneut die Schrecken des Krieges, in dem er mehr verloren hat als nur eine Schlacht. Reykan sehnt sich nach Frieden, aber sein Pflichtgefühl kettet ihn an den Königshof und zwingt ihn mitten in die Unruhen, welche die Hauptstadt in Atem halten. Als feindliche Truppen die Mauern stürmen und der König vor Reykans Augen stirbt, fällt ihm die undankbare Aufgabe zu, den verwöhnten Kronprinzen Benrik in Sicherheit zu bringen. Gejagt von skrupellosen Gegnern geraten die beiden ungleichen Männer immer wieder aneinander, bis Reykan beginnt, hinter Benriks Fassade zu blicken. Doch ihre Verfolger kommen näher und Reykan muss sich fragen, wie viel er wirklich für Benrik empfindet und was er bereit ist, für ihn zu opfern. (Verlag)

Als Kind zweier Germanisten kam Elea Brandt (Jahrgang 1989) schon früh mit phantastischer Literatur in Berührung. Als studierte Psychologin liebt sie es, komplexen Charakteren Leben einzuhauchen, ihre Stärken und Schwächen abzuwägen und spannende Plots zu entwickeln, die den Leser atemlos zurücklassen. In ihrer Freizeit schlüpft die passionierte Rollenspielerin selbst gern in absurde Rollen, entweder mit Würfeln am Spieltisch oder mit Pfeil und Bogen unter freiem Himmel. Daher fühlt sie sich vor allem in den Genres Fantasy, Thriller und Horror zuhause und hat als Mia Neubert bereits mehrere Kurzgeschichten in diesen Genres veröffentlicht. Im Oktober 2017 erscheint ihr erster Fantasy-Roman im Mantikore-Verlag. (Verlag)

Vielen Dank an Elea Brandt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Meinung

Einer der Gründe, warum ich es nicht erwarten konnte Unter einem Banner zu lesen, war meine Begeisterung für Elea Brandts erstes Werk Opfermond. Die dort aufgeführte rohe und brutal ehrliche Welt mit ihren vielschichtigen Charakteren hatte mich recht schnell gefangen genommen. Ein weiterer – und wahrscheinlich auch der Hauptgrund – war die Haupthematik, die in so vielen anderen Romanen des Genres völlig vergessen wird. Ein ganz großes Problem in der Highfantasy stellt in meinen Augen das Fehlen von tiefergehenden Gefühlen der agierenden Figuren dar. Sie ziehen in die schrecklichsten Schlachten, verlieren Kameraden, Freunde und Familienglieder. Sie rauben, morden und gehen dann am Ende der Schlacht als gefeierte Helden hervor und lassen sich durch das Volk bejubeln. Was mir – und sicher einigen anderen Lesern auch – fehlt, ist das Aufkommen von Schuldgefühlen. Das Verarbeiten von Verlusten und das Aufarbeiten des Geschehenen. Ich habe nur wenige Mittelalter- bzw. fantasyromane gelesen, in denen eine solche Gedanken- und Gefühlsaufarbeiten der Protagonisten Erwähnung findet. Schnell nachgedacht fiel mir nur Eragon in der gleichnamigen Jugendbuchreihe ein. Und eben genau dieser Thematik hat sich Brandt in Unter einem Banner verschrieben.

Als ob nicht schon eine verlorene Schlacht und der Verlust von vielen, vielen Kameraden schon genug wäre, verliert Protagonist Reykan das was ihm am teuersten war. Vom einen auf den anderen Augenblick verwandelt sich sein Leben in die Hölle auf Erden und er kehrt als gebrochener Mann aus dem Krieg zurück. Doch nicht er allein hat viel einstecken müssen. Die einfachen Bürger nagen am Hungertuch, während der König sein Versagen durch erhöhte Steuereinnahmen feiern lässt. Als es dann zum Putsch kommt, sieht er sich plötzlich in der Zwickmühle. Denn eigentlich wollte er diesem alten Leben endgültig den Rücken kehren und all dies für immer hinter sich lassen. Doch er gab dem König das Versprechen, dessen Sohnn – der Thronprinz Benrik – in Sicherheit zu bringen und ihn – wenn es sein muss – mit seinem Leben zu beschützen.

Die Art und Weise, wie Reykan gezeichnet wurde hat mir gut gefallen. Sein hadern zwischen dem stumpfen Ausführen von Befehlen und dem Handeln nach vernünftigem Menschenverstand war für mich sehr greifbar. Ebenso Reykans Absturz, nach dem Erleiden seines Verlustes. Deswegen war es fast schon schade, dass seine Wandlung, dank Benriks Hilfe, doch rascher abgehandelt wurde, als ich es mir zunächst vorgestellt hatte. Die düstere Atmosphäre zu Beginn – inklusive der Anfangsschlacht – stellten für mich das Highlight der Geschichte dar. Was nicht heißen soll, dass mir der Rest von Reykans Reise nicht gefallen hat. Der weitere Verlauf wirkt – im Kontrast zum Anfang – zunächst ruhiger, dies geschieht jedoch, ohne an irgendeiner Stelle die Spannung zu verlieren. Der Handlungsbogen nimmt eine andere Gewichtung an, was für das Gesamtwerk gut funktioniert. Die Mischung aus mittelalterlichem Setting und Liebesgeschichte ist dabei auch sehr ausgewogen und ich würde auch gerne mehr hiervon lesen. Allerdings wäre ich einem reinen Highfantasy Roman (ohne Romantik) von Brandt auf keinen Fall abgeneigt gegenüber eingestellt.

Da bereits das Setting Erwähnung gefunden hat, möchte ich hier direkt anknüpfen. Brandts besonderes Talent liegt auf dem Schaffen von Welten. Bereits die düstere Welt von Opfermond war besonders zu lesen. Dreckig, brutal und ehrlich. Jedoch immer so positiv bildhaft, dass ich das Gefühl hatte, vor Ort zu sein. Und auch in Unter einem Banner begannen sich rasch die ersten Bilder in meinen Kopf zu bannen. Besonders hilfreich ist dabei, dass sämtlich erwähnte Namen (egal ob Orts- oder Personennamen) sehr einprägsam sind. Es gibt nur wenig Fantasyliteratur, bei der ich mich nicht bemühen muss, dass meine größte Aufmerksamkeit in das Behalten der vielen komplizierten Namen fliest. Ich denke es ist eine Kunst für sich, solche Welten so zu schaffen, dass der Leser sich direkt in dieser zurechtfindet. Brandt scheint sie offensichtlich zu beherrschen.

In der Liebesgeschichte treffen zwei scheinbar klassische Charaktere aufeinander. Der trinkende, talentierte und mürrische Gebrochene trifft auf den eitlen, kampfunerfahrenen und aufmüpfigen Königsspross. Die Entwicklung der beiden lässt sich dadurch schon früh erahnen, ist jedoch mitreißend verfasst worden. Für meinen persönlichen Geschmack hätte diese Entwicklung gemächlicher voranschreiten können, ich verbuche dies allerdings auf „Meckern auf hohem Niveau“.

Fazit

Unter einem Banner ist eines der wenigen Büchern der letzten Monate bei denen ich genau das bekommen habe, was der Klappentext mir versprochen hat. Alleine dafür bekommt der mittelalterliche Fantasyroman schon eine Leseempfehlung von mir. Mein Herz gewinnen konnte er allerdings durch die bildhafte Welt und den authentisch gezeichneten Protagonistin. Unter einem Banner empfehle ich daher allen Freunden des düsteren Mittelalters, Schwertkämpfen, Liebe und Intrigen.

„Die Autorin erzählt in einer überzeugenden Art und Weise, mit der sie spannende Kampfszenen genauso meistert wie sie beispielsweise Verzweiflung oder zarte, zögerliche Gefühle glaubhaft rüberbringt und die es möglich macht, sich in die Geschichte fallenzulassen und darin zu versinken.“

Gabis Laberladen

Coverrechte: dead soft Verlag

Könnte dir auch gefallen

3 thoughts on “[Rezension] Unter einem Banner von Elea Brandt

  1. Ich schließe mich Deiner begeisterten Rezension voll und ganz an. Auch wenn man wie ich von der Seite der Gay Romance kommt und den Fantasy-Anteil wohlwollend mitnimmt, ist das Buch rundum gelungen.
    „Opfermond“ steht schon ganz weit oben auf meiner Leseliste.

    LG Gabi

    1. Hallo Gabi 🙂

      Es gibt ja eigentlich kaum Historisches, in dem nicht auch Romantik vorkommt. Hier finde ich die Mischung sehr gelungen.

      Opfermond ist um einiges düsterer, berichte mir unbedingt wie es dir gefallen hat. 🙂

      Nise

  2. Vielen Dank für deine schön, ausführliche Rezi. <3 Wie schon bei "Opfermond" hab ich echt das Gefühl, dass die Aspekte, die mir beim Schreiben wichtig waren, optimal bei dir angekommen sind.

    Was die Charakterentwicklung angeht, hätte ich mir gerne wirklich noch mehr Zeit gelassen, aber letztlich geht man doch immer einen gewissen Kompromiss ein zwischen "was ist glaubwürdig" und "was bringt die Handlung voran". Wenn das einigermaßen stimmig war, bin ich sehr glücklich.

    Zitat: "Allerdings wäre ich einem reinen Highfantasy Roman (ohne Romantik) von Brandt auf keinen Fall abgeneigt gegenüber eingestellt."
    Wäre die Brandt auch nicht. 😉 Gerade die Ausgestaltung der Schlacht- und Kriegsszenarien hat mir echt Spaß gemacht (wenn man das so sagen kann). Schauen wir mal, was kommt.

    Auf jeden Fall lieben Dank für deine Rezi und deine interessanten Gedanken zum Buch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.