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[Rezension] You will Pay von Lisa Jackson

Aufgefallen war mir You will pay wie die meisten Bücher auch, in den sozialen Netzwerken. Besonders auf Instagram bin ich mittlerweile dazu übergangen, Bilder nur anzusehen und zu liken. Für die Bildbeschriftungen und Kommentare bleibt einfach nicht genug Zeit. Dabei hätte ich mir gerade in Bezug auf diesen Thriller die Bewertungen der Bookstagrammer durchlesen sollen. So wäre mir zumindest die Enttäuschung über diesen Fehlkauf erspart geblieben. Warum ich Lisa Jackson aber noch nicht aufgegeben haben, erfahrt ihr in meiner heutigen Rezension.

Titel: You will pay - Tödliche Botschaft
Originaltitel: You will pay
Autor: Lisa Jackson
Übersetzung: Kristina Lake-Zapp
Verlag: Droemer Knaur
Genre: Thriller
Seiten: 528
Erscheinungsdatum: 12.01.2018
ISBN: 978-3426654286

Camp Horseshoe, Oregon: Vor zwanzig Jahren arbeitete eine Gruppe von Jugendlichen als Betreuer in einem Ferienlager. Nachts, wenn ihre Schützlinge im Bett lagen, schlichen sie sich aus ihren Hütten, hatten Sex, feierten wilde Partys mit Alkohol und Drogen, spannen Intrigen – bis etwas gründlich schief ging und zwei von ihnen spurlos verschwanden. Die polizeilichen Ermittlungen dazu liefen ins Leere, die Akte wurde geschlossen. Heute, zwei Jahrzehnte später, tauchen Knochen auf dem Grundstück des Feriencamps auf. Detective Lucas Dalton, einer der damaligen Betreuer, möchte den Fall erneut aufrollen. Zunächst will keiner der ehemaligen Betreuer aussagen. Doch dann erhalten sie einer nach dem anderen ein grausiges Foto mit der unheilvollen Botschaft „You will pay" – „Strafe muss sein“. Und bald darauf geschieht ein Mord. (Verlag)

Lisa Jackson arbeitete nach ihrem Studium zunächst einige Jahren im Banken- und Versicherungswesen, bevor sie das Schreiben für sich entdeckte. Mittlerweile zählt Jackson zu den amerikanischen Top-Autorinnen, deren Romane regelmäßig die Bestsellerlisten der "New York Times", der "USA Today" und der "Publishers Weekly" erobern. Ihre Hochspannungsthriller wurden in 15 Länder verkauft. Lisa Jackson lebt in Oregon. (Verlag)

Meinung

Der Start in der Thriller war bereits sehr holprig, wenn auch das – recht kurze – erste Kapitel noch ein dramatisches Werk erahnen ließ. Denn alles Darauffolgende konnte weder mit dieser Dramatik mithalten, noch in irgendeiner Art und Weise Spannung aufbauen. Gründe dafür, liegen leider einige vor.

Der Schreibstil ist recht einfach gehalten und hält sich nicht nur mit weitläufigen Landschafts- und Personenbeschreibungen zurück, sondern lässt auch wenig Spielraum für die Entfaltung von unterschiedlichen Charakterprofilen. Dies wäre jedoch – gerade im Hinblick auf die große Schar an Figuren – wichtig gewesen, um jedem dieser vielen Charaktere eine eigene Persönlichkeit geben zu können. Die Haupt- und Nebenfiguren sind ingesamt betrachtet sehr eindimensional gehalten, was gerade bei einem Thriller wie diesem, bei denen die Charaktere im Vordergrund stehen, nicht nur hilfreich, sondern auch wichtig gewesen wäre. You will pay sollte eigentlich von seinen Menschen leben. Sie alle verbindet dieser eine gemeinsame Sommer, in dem zwei junge Frauen spurlos verschwunden sind. Der eine ist mehr beteiligt als die andere, dennoch sitzen sie alle im selben Boot und jede Spur kann auf jeden zurückführen. Obgleich dies so ist, wird jeder Charakter auf fast die selbe Art und Weise eingeführt. Egal, ob es sich um Rückblenden oder die Erzählung aus der Gegenwart handelt, nahezu in jedem dieser einführenden Kapitel gibt es einen kurzen Gedankengang, der mit den Worten „Aber wieso denke ich überhaupt darüber nach“ oder „Aber jetzt wollte sie nicht an ihn denken“ einleitet. Und als wären diese Gemeinsamkeiten nicht genug, scheinen auch alle Beteiligten wie eine homogene Masse immer und immer wieder Gedankengänge und Handlungsabläufe zu wiederholen. Ironisch dabei ist, dass alle, durch das Mitgegeben von Charaktereigenschaften tief aus der Klischeekiste, so unterschiedlich wie es nur eben geht, hätten sein müssen/sollen.

Drei Neuzuänge – Zwei Highlights – Ein Reinfall

Die Sprünge zwischen den Jahren hingegen haben mir recht gut gefallen. Dieses Stilmittel sagt mir in der Regel, wird es gut eingesetzt, zu. Und auch hier sorgen die kleinen Cliffhanger am Ende eines jeweiligen Zeitabschnitts für – immerhin was dies betrifft – dafür, dass einem nicht die Lust am Buch vergeht.

Besonders ärgerlich ist der Umstand, dass der Rückentext ein wichtiges Detail außer Acht lässt. Ob dies nun unabsichtlich geschehen ist oder nicht, mag ich nicht beurteilen können, es hätte mir persönlich aber die Lektüreauswahl im Vorhinein vereinfachen können. Es handelt sich nicht, wie in der Beschreibung angegeben, um ein einfaches Jugendcamp, sondern um ein christliches. Richtig nervtötend wird es jedoch, wenn sich dies – wie hier – auf fast alle agierenden Figuren auswirkt. Praktisch alle wichtigen Charaktere und auch die meisten Nebenfiguren haben eine sehr ausgeprägte christliche Ader. Man kann es halten wie man möchte, für mich persönlich sind Romane/Bücher mit einem religiösen Hintergrund einfach uninteressant.

Den wichtigsten Anteil an Spannung hat sich Lisa Jackson für den Schluss aufbewahrt. Was in manch anderem Buch funktionieren kann, geht hier leider komplett nach hinten los. Von dieser Dynamik kurz vor Schluss hätte der komplette Thriller profitieren können. Ich frage mich daher, ob es einen gewissen Abgabedruck gab bzw. den Druck, ein weiteres Buch zu veröffentlichen. Denn offensichtlich ist das Talent vorhanden, mitreissende Geschichten erzählen zu können.

Fazit

Zu viele Klischees, zu wenig Spannung. You will pay hat mich leider sehr enttäuscht zurück gelassen.

In Bezug auf diesen Thriller und alle bisher von der Autorin erschienen Bücher sollte man sich selbst den Gefallen tun, auf keinem Fall mit diesem anzufangen. Selbst eingefleischte Lisa Jackson Fans haben diesem Werk gerade Mal 2 Sterne Rezensionen auf Amazon und Goodreads gegeben und geben an, dass dies der schwächste Thriller aus der Hand der Autorin sei, denn sie bisher gelesen haben. Aus diesem Grunde würde ich Jackson daher auch noch eine weitere Chance geben, mich zu überzeugen. Wenn Leser, die ihre Bücher sonst mit 4 bis 5 Sternen bewerten, so kritisch rezensieren, muss es sich einfach um einen Ausreißer handeln. Hoffentlich. Daher bleibt abschließend nur zu sagen, You will pay nicht noch einmal. Ein anderer gerne als neuer Versuch.

 

 

 

 

 

 

Coverquelle: droemer-knaur.de

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7 thoughts on “[Rezension] You will Pay von Lisa Jackson

  1. Ich weiß spontan gerad gar nicht ob ich bereits etwas von ihr kenne … das Buch steht zwar auf meiner WuLi und bleibt dort auch vorerst, rutscht aber nun erstmal nach unten. Mein Highlight deiner Besprechung muss ich leider gestehen ist das Gif von dir – herrlichst! 😀

  2. Liebe Nise,

    Von Lisa Jackson habe ich bisher noch nichts gelesen, zumindest nicht das ich mich erinnern würde. Für mich wäre der Umstand, dass es sich um ein christliches Camp handelt auch wichtig gewesen … denn damit kann ich auch so gar nichts anfangen!
    Wie schade, dass wir momentan so viel Pech haben in diesem Genre, ich hoffe bald wieder etwas lesenswertes zu finden!

    Liebste Grüße
    Jenny

    1. Wenn es nur das Camp gewesen wäre, damit hätte ich ja noch irgendwie leben können. Dass die, die dort mal mitgemacht hatten religiös sind.. auch. Aber gerade bei Jugendlichen kann man doch davon ausgehen, dass sie vielleicht noch ihre Meinung ändern bzw. nur wegen den Eltern dort gewesen sind. Dass wirklich alle Figuren in dem Buch ach so christlich sind.. damit kann ich einfach so gar nichts anfangen. 🙁

  3. Von Lisa Jackson habe ich bisher noch kein Buch gelesen. Und von diesem hier lasse ich definitiv die Finger.
    Ich neige sowieso oft dazu, Nebencharaktere zu verwechseln oder nicht mehr genu zu wissen, wer das war (ich kann mir ganz schlecht Nemen merken) und hier scheint die Gefahr auch bei Hauptcharakreren gegeben zu sein.
    Und auch dieser christliche Aspekt macht mich eher skeptisch.
    Also sage ich mal: Danke für die Warnung 🙂

    LG Gabi

    1. Momentan habe ich irgendwie kein Glück, was Thriller angeht. Verwechseln kann man sie sicher gut, wenn einem Namen nicht liegen. Ich finde es echt erstaunlich, wie gleich sie sich alle sind und dass sie aber trotzdem jeder einem langweiligen Klischee entsprechen.

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