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[Rezension] Meant to be von Claudia Balzer

Bevor die ersten aufbrüllen, den Tab schließen und den Blog in die Wüste schicken: Meant to be ist kein Nackenbeißer, auch wenn das Cover vielleicht etwas anderes vermuten lässt. Ehrlich gesagt finde ich es komplett falsch ausgewählt und mag vielleicht Leser ansprechen, die alles was mit Liebe zu tun hat und unter 4,00 € kostet abgreifen, jedoch nicht die Zielgruppe, die dieser Roman eigentlich verdient. Wie immer ist meine Rezension trotz Rezensionsexemplar ehrlich und so objektiv wie möglich gehalten. Der letzte Abschnitt enthält Spoiler zur Geschichte. Ursprünglich wollte ich diesen Teil eingeklappt darstellen. Weil WordPress mich allerdings damit zur Verzweiflung gebracht hat, muss dieser Part nun uneingeklappt stehen bleiben.

Titel: Meant to be
Autor: Claudia Balzer
Verlag: Forever (Ullstein)
Genre: New Adult
Seiten: 304
Erscheinungsdatum: 05.03.2018
ISBN: 978-3958189614


Lexis Welt ist die Musik. Da ist sie sicher, kennt sich aus und kann ihre Vergangenheit so gut es geht vergessen. Mit Menschen hat sie es nicht so, scheut ihre Berührungen mehr als alles andere auf der Welt. Doch dann tritt Luke in ihr Leben. Gemeinsam sollen sie einen Song für das Plattenlabel, das Lexi gemeinsam mit ihrem Onkel führt, schreiben. Und so sehr es Lexi vor der Zusammenarbeit graut, so sehr ist sie überrascht, dass sie Lukes Brührungen nicht fürchtet, sondern sogar genießt. Aber ihre Vergangenheit holt Lexi unaufhaltsam ein und sie weiß nicht, ob sie Luke vollends vertrauen kann. (Verlag)

Claudia Balzer, Jahrgang 1987, wuchs vor den Toren Dresdens auf, wo sie noch heute mit Mann, Kind und zwei Katzen lebt. Schon im zarten Alter von fünfzehn Jahren hat sie sich in den Kopf gesetzt, ein Buch zu veröffentlichen, bevor sie dreißig wird. Dass sie ihr Ziel sogar deutlich vor ihrem dreißigsten Geburtstag erreicht hat, verdankt sie nicht nur einem ausgeprägten Hang zur Nachtaktivität, sondern vor allem ihrem Lieblingsgetränk: Kaffee. (Verlag)

Vielen Dank an Netgalley und Ullstein Forever für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Meinung

Meant to be ist ein Überraschungstitel, der sich qualitätstechnisch deutlich von anderen Romanen des New Adult Genres abhebt. Hier kommen einige Faktoren zusammen, die ein ingesamt rundes Gesamtbild ergeben.

Auch wenn wieder einmal ein Titel des Genres nicht ohne die düstere Hintergrundgeschichte der Protagonistin auskommen kann, wurde sie meines Erachtens gefühlvoll und ausreichend beleuchtet in die Handlung eingebaut. Dadurch wird Meant to be allerdings auch zu einem Roman, den nicht für „mal eben zwischendurch“ gedacht ist.

Protagonistin Lexi ist hat es mir nicht immer leicht gemacht. Allgemein ist sie mit einer durchsetzungsstarken Persönlichkeit gezeichnet, die ihr auch einen Namen in der Musikindustrie beschert hat. Ihren innerlichen Kampf, den sie Tag für Tag ausfechten muss zeigt sie dabei nicht einmal ihrer besten Freundin, was sie sicherlich anfällig für Einbrüche macht. Verständlich ist es daher für mich, dass sie jemanden sucht bei dem sie sich fallen lassen und dem sie sich gegenüber öffnen kann. Schade ist es dennoch, dass aus ihr eine Frau gemacht wird, die vom Ritter in schimmernder Rüstung gerettet werden muss. Auf der einen Seite stellt es gut dar, wie vielschichtig wir Menschen sind und dass selbst die stärkste Person einen Punkt erreicht, in dem sie nicht mehr kann und Unterstützung braucht. Auf der anderen Seite wird dadurch wieder das typische Klischee des „schwachen Geschlechts“ untermauert, was leider eines der größten Probleme des Genres darstellt. Wäre dies nicht der Fall, hätte es mich hier nicht mit solch widersprüchlichen Gefühlen den Roman lesen lassen. Es ist wirklich bedenklich, was die bisherigen Stars des Genres aus diesem gemacht haben.

„Sobald mich jemand näher kennenlernt, versucht er immer, mich vor mir selbst zu retten oder mir zu helfen oder es besser zu machen oder mich zu heilen. Aber das kann niemand.“ – Pos. 2054

Der heimliche Star dieser Geschichte stellt für mich der männliche Protagonist Luke dar. Sicherlich mag er fantastisch aussehen, dennoch passt er so gar nicht in die Rolle des sonstigen New Adult Love Interests. Weder handelt es sich bei Luke um einen „Fake Bad Boy“, noch um den klassischen „super männlichen“ Gegenpart. Einfühlsam und immer mit den richtigen Worten auf den Lippen schaffte er somit nicht nur Lexis Herz im Sturm zu erobern. In Zeiten, in denen sich Leser mehr Diversität wünschen, und diese dann entweder gar nicht oder eben schlecht umgesetzt wird, sind die gut gezeichnete Figuren, die natürlich unser Gesellschaftsbild widerspiegeln, eine wahre Bereicherung.

Wie eingangs erwähnt, ist dieser Roman keine leichte Kost, die sich nebenbei schnell weg lesen lässt. Der Fixpunkt von Meant to be wurde klar auf das Drama gelegt. So setzt sich der Roman mit dem Aufarbeiten von alten – körperlichen wie seelischen – Wunden sowie dem Umgang mit Verlusten auseinander. Stellt man sich darauf ein und lässt dies auf sich wirken, ist Meant to be ein Roman der berührt und zu Herzen gehen kann. Betrachtet man ihn reichlich nüchtern, oder ist abgelenkt, kann einem die Dramatik schnell zu viel werden. Dennoch ist dies der Punkt, was Meant to be von anderen Büchern des Genres unterscheidet. Ich wäre mit all dem zu 100 % zufrieden gewesen, hätte es einen wirklich korrekten Umgang mit der Verarbeitung der Vergangenheit von Lexi gegeben. Um hierauf kurz eingehen zu können, komme ich ohne Spoiler nicht aus. Wenn ihr diese überspringen wollt, bitte direkt zum Fazit scrollen.

Lexis wohl größten Problem, welches ihren ganzen Alltag lahm legt und sie daran hindert, ihr Leben normal leben zu können ist der Umstand, dass sie Berührungen von anderen Menschen nicht ertragen kann. Dies geht so weit, dass  selbst die Umarmungen ihrer besten Freundin oder ihres Onkels, bei dem sie praktisch (ab einem gewissen Punkt in ihrem Leben) aufgewachsen ist, dazu führen können, dass sie in Panik ausbricht. Und so blickt Lexi auf einen dunklen Teil ihrer Jugend zurück, in dem sie sich mit Alkohol und härteren Drogen betäuben musste, um wenigstens ein wenig Körperkontakt zu anderen Menschen zu erfahren. Und dann eines Tages trifft sie auf Luke und ist so fasziniert vom ihm, dass ihr seine Berührungen nichts anhaben können. Ich möchte nicht, dass man mich falsch versteht. So schön sich diese Vorstellung auch lesen mag wirkt sie für mich nicht nur unrealistisch, sondern auch völlig falsch. Die Lexi, die sämtliche Entfernungen zu Fuß zurück legt, weil sie sich nicht traut, mit den öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren, lässt sich plötzlich von einem Fremden anfassen? Ein langsameres Heranführen bzw. Herantasten hätte ich mir daher sehr gewünscht, aber dies betrifft lediglich meine persönliches Empfinden. Sollte sich von euch jemand beruflich damit befassen, würde ich ich sehr über eure Einschätzung dazu freuen.

Fazit

Meant to be ist ein gefühlvoller Roman mit leichten Schwächen, der mich allerdings mit seinem schönen Schreibstil und den tollen Figuren überzeugen konnte. Diversität wird ebenso natürlich eingebaut wie ein männlicher Protagonist, der nicht die klassischen Bad Boy Eigenschaften des New Adult Genres bedient. Es wird definitiv nicht mein Lieblingsroman, jedoch würde und werde ich sicher wieder einen Roman von Claudia Balzer lesen wollen.

 

 

Coverrechte: Ullstein Buchverlage

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3 thoughts on “[Rezension] Meant to be von Claudia Balzer

  1. Oh wow, dem Cover und Titel nach zu urteilen hätte ich dieses Buch nie angefasst, aber jetzt wandert es auf jeden Fall auf die Wunschliste 😍
    Den Spoiler hab ich zwar gelesen, habe aber nicht das Gefühl, dass es mir viel Story vorwegnimmt.
    Eher bin ich jetzt neugierig auf die Umsetzung!

    Liebste Grüße
    Jenny

    1. Guten Morgen Liebes. Ich habe mir das schon gedacht. Du bist da sicher nicht die einzige. Wenn ich nicht für Forever bloggen würde und den Newsletter mit dem Klappentext gelesen hätte, wäre es wahrscheinlich auch nicht auf dem Reader gelandet. Was ich total vergessen hab und unbedingt noch einbauen muss: Der Typ auf dem Cover ist weiß. Luke ist es nicht. 😳

      1. Okay, das finde ich aber wirklich fail 😅 mich stört es ja immer total, wenn auf dem Cover Personen zu sehen sind und nicht mit den Protas übereinstimmen 🙄 dann bin ich während des Lesens immer irgendwann verwirrt, wenn sich rausstellt, dass die Person ganz anders aussieht 😅

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