Rezensionen

[Rezension] Feminist Fight Club von Jessica Bennett

Der Ratgeber Feminist Fight Club ist leider nicht das gewesen, was ich mir darunter vorgestellt, bzw. davon erhofft hatte. Ein Ratgeber für Erfolg im Beruf? Ja. Ein Ratgeber für gleichberechtigtes Arbeiten? Leider nein.

Meinung

Eigentlich könnte Feminist Fight Club ein Ratgeber sein, der an keiner Arbeitsstätte fehlen sollte. Doch ist die Kluft zwischen dem, was das Buch sein könnte und dem, was es tatsächlich ist, zu groß dafür. Der Ansatz, konkret existierende Probleme zu nehmen und direkte Lösungsvorschläge zu liefern ist hervorragend und wird von vielen anderen Büchern der Art schlechter umgesetzt. Verschiedenste Szenarien werden vorgestellt und dann jeweils direkt dazu erläutert, wie darauf reagiert werden kann. Und genau deswegen ist es so schade, dass selbst hier nicht auf das Verwenden von Stereotypen verzichtet werden konnte. Laut der Autorin sind „wir“ Frauen nämlich weder in der Lage Publikumssportarten zu mögen, noch Gefallen an Lesertag und Squash zu finden und würden natürlich immer einen Nikolas Sparks Film bevorzugen. Hinzu kommen sich wiederholende Sätze in Form von „Frauen sind so, Männer können das“. Gerade in einem Buch wie diesen erwarte ich, dass davon Abstand genommen wird. Ein Beispiel ist der Rat, sich größer zu machen um autoritärer zu wirken. Aber sind nicht das Problem die, die auf andere wegen ihrer körperlichen Eigenschaften herabsehen und diese danach beurteilen? Mir ist durchaus bewusst, dass der Titel des Buchs Feminist Fight Club lautet. Allerdings wünschen wir uns doch ein Umdenken a l l e r in unserer Gesellschaft. Sollte da nicht der Ansatz von beiden Seiten kommen? Nicht mehr unterdrücken lassen und nicht mehr unterdrücken? Vielleicht ist es nur das, was ich zwischen den Zeilen herausgelesen habe. Doch hier und da lesen sich die Aussagen, als ob „wir“ uns wie Männer verhalten müssten, um Anerkennung im Job zu erhalten, anstatt dass wir (alle) so akzeptiert werden wie wir sind, unabhängig von unserem Geschlecht.

So sehr gerade am Anfang des Buchs darauf plädiert wird, dass wir „Frauen“ zusammenhalten müssen und uns gegenseitig unterstützen sollen, so oft wandelt sich der Text im weiteren Verlauf genau ins Gegenteil um. Das Verhalten von anderen Frauen am Arbeitsplatz, die der eigenen Karrriere im Weg stehen, wird damit begründet, dass sie weiblich sind. Das bestimmte Verhaltensmuster seit Generationen anerzogen werden, findet keinerlei Erwähnung. Die #rosahellblaufalle lässt grüßen.

Es ist des Weiteren auch zu einfach gedacht, sich selbst statt „Das schaffst du nie – Gib doch einfach auf – Die ist um Welten besser als ich“ Sätze wie „Du hast es dir verdient – Du bist gut genug“ immer wieder aufzusagen. Mangelndes Selbstvertrauen kann auch auf den Umstand zurückgeführt werden, dass Menschen aufgrund ihrer Geschlechterzuordnung diskriminiert werden. Allerdings lässt sich eine Depression, die aus welchen Gründen auch immer aufgetreten ist, nicht mit den einfachen Beispielen, die im Buch angeboten werden, „mal eben schnell“ besiegen.

Das Buch ist sehr auf den amerikanischen Markt ausgelegt. Der deutsche Verlag ist darauf eingegangen und hat immer wieder Zahlen aus Deutschland und Österreich hinzugefügt. Ingesamt liest sich der Ratgeber, der sehr aus der Sicht einer Person und deren Arbeitsumfeld geprägt ist, jedoch vielmehr nach einem Problemlöser für amerikanische ArbeitnehmerInnen in Berufen aus der Wirtschaft, den Medien usw.

Auch wenn eine Stelle mit einem kleinen Sternchen versehen darauf hinweist, dass es auch noch andere Menschen gibt, die sich als Frauen verstehen ist Feminist Fight Club sehr auf eben jene Frauen ausgelegt, die mit einer Vagina zur Welt gekommen sind. Insgesamt war mein Eindruck, dass sich Jessica Bennett sehr auf die beiden klassischen Rollen Mann und Frau eingeschossen hat, was für mich genau das Gegenteil von Feminismus darstellt. Wenn es selbst die Autorin eines feministischen Ratgebers nicht schafft, Geschlechterklischees zu überwinden, haben wir noch einen weiten Weg vor uns.

Fazit

Der Großteil der Übungen und Lösungsvorschläge ist mit Sicherheit nützlich für den Alltag. Einige Situationen waren mir leider nur allzu vertrauet. Allerdings erscheinen einige Hinweise bzw. Ratschläge zu einfach gedacht. Außerdem konzentrieren sie sich fast ausschließlich auf das Arbeiten im Büro. Ein paar weitere Einsichten aus anderen Berufszweigen wären von Vorteil gewesen.
Feminist Fight Club ist mit Sicherheit ein guter Ratgeber für offensiveres Auftreten am Arbeitsplatz, der in vielen Fällen Augen öffnen wird. Die Übungen und Lösungsvorschläge sind dabei mal mehr, mal weniger, gut umsetzbar. Ich hätte mir u.a. weniger Stereotypen gewünscht und einen Ratgeber, der für alle Frauen gedacht ist und nicht nur für die mit einer Vagina.

Feminist Fight Club ist ein weiteres Buch „wir gegen die“. Echte Equality findet sich hier nicht, dafür aber einige nützliche Tipps für Reaktionen auf unangemessenes Verhalten am Arbeitsplatz.

 

Rezensionsexemplar
Cover und Klappentext: Bastei Lübbe

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