Abgebrochen

Abgebrochen #12

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Der Titel dieses Abgebrochen Beitrages trifft es dieses Mal leider mehr, als ich es mir wünschen würde. Er enthält des Weiteren erhebliche Spoiler, weswegen ich das Lesen nur empfehle, wenn ihr das Buch nicht lesen wollt. (Oder wenn euch alternativ die Spoiler egal sind.)

In der heutigen Ausgabe von Abgebrochen geht es um ein Rezensionsexemplar aus dem Hause Penguin. Gerade bei Leseexemplaren ärgert mich ein Abbruch sehr. Aber wie auch bei selbstgekauften Titeln steht die ehrliche Meinung und Leseempfehlung im Fokus.

Cover Abgebrochen Beitrag Frühling KirschblütencaféKlappentext Lizzie Dixon steht vor einem Scherbenhaufen, als sie von ihrem Freund anstelle des langersehnten Heiratsantrags den Laufpass bekommt. Sie kehrt zurück in ihre Heimatstadt und schlüpft bei ihrer besten Freundin Jemma unter, die gerade das alte Café am Marktplatz gekauft hat. Die Renovierung des kleinen Ladens weckt wunderbare Erinnerungen an ihre Jungend, und so erfüllen die Freundinnen sich einen lang gehegten Traum: Lizzie wird Teilhaberin und bietet im Café Nähkurse an. Doch kann sie ihr altes Leben wirklich hinter sich lassen? Und dann ist da noch Ben, der sie zu Schulzeiten nie eines Blickes gewürdigt hat. Als sie gezwungenermaßen zu Mitbewohnern werden, kribbelt es erneut in Lizzies Bauch.

Das Schlimmste an diesem Roman ist, dass er genau mein Guilty Pleasure Muster bedient (Café, Neuanfang, Selbstständigkeit in einem kreativen Beruf) und noch nicht einmal wirklich schlecht ist. Gut, die Protagonistin ist wahnsinnig naiv. Ihre Freunde erinnern an NPC aus Videospielen aber insgesamt ist Frühling im Kirschblütencafé ein toller Sommerroman. Leicht, ohne tiefer zu gehen und wahrscheinlich ein Titel, der sich nebenher gut weglesen lässt. Ich selbst hatte jedoch immer wieder Schwierigkeiten, mich bei (Lese-)laune zu halten. Dieser Umstand ist sicher meinen Erwartungen zu schulden. Ich kenne diese Art von Romanen in- und auswendig. Die Anfänge sind fast und die Enden sind immer identisch. Mir kommt es auf den Weg dahin an. Werden die Figuren die Geschichte tragen? Ist die Reise und die Wandlung der Protagonistin nachvollziehbar? Lassen sich diese Fragen mit ja beantworten, sind unterhaltsame Lesestunden vorprogrammiert.

Bis sich ein stetiger Lesefluss eingestellt hat, wurde Frühling im Kirschblütencafé dann doch auf einmal das, was es sein wollte (sollte?): Ein „Wohlfühlroman“. Mir ist bis heute nicht klar, warum Frauenfiguren in Romanen immer erst von ihrem Freund/Verlobten verlassen oder von ihrem Ehemann betrogen werden müssen, damit sie sich wagen, ihren Träumen nachzujagen. Da dies aber viele solcher Romane betrifft, müssen sich die LeserInnen auch hier wieder einmal mit den Tränen und Hoffnungen der Protagonistin berieseln lassen. Und wenn dann endlich die Tränen getrocknet und die Ärmel hochgekrempelt werden, kommt nicht nur in das brachliegende Café wieder Leben. Lizzies Versuche, das Lokal ihrer Freunde ans Laufen zu bekommen und dabei ihr eigenes kleines Imperium von Nähkursen zu starten war der interessanteste Part der Story. An dieser Stelle hätte es gerne mehr in die Tiefe gehen dürfen. Als der Roman also auch endlich mit erreicht hat, kam der Schlag mit der Abrissbirne. Achtung, ab dem nächsten Absatz werden die angekündigten Spoiler folgen.

Lizzie, die ihren untreuen Exfreund immer noch nicht hinter sich lassen konnte, nähert sich (wer hätte es nicht geahnt) ihrem Jugendschwarm Ben an. Natürlich muss bei einer Rückkehr in das Dorf der Kindheit immer die ehemalige Große Liebe, oder – wie in diesem Fall – der damalige Schwarm anwesend und verfügbar sein. Kurzzeitig sind sich die beiden erst einmal feindselig gegenüber eingestellt, doch auch das legt sich rasch und die beiden merken, dass sie sich in ihrer Jugend relativ anziehend fanden. Dabei schleppt Ben DAS große Geheimnis schlechthin mit sich herum. Bis zum Erbrechen wird die Auflösung immer wieder nach hinten verschoben. Anlässe, es zu erwähnen, gibt es jedoch im Übermaß und so werden die LeserInnen künstlich auf die Folter gespannt. Bens Grund, in die alte Heimat zurück zu kehren und bei Freunden unter zu kommen ist recht banal. Er hat sich von seiner Freundin getrennt. Der Grund ist dann auch die eine Sache, über die Ben vorher nicht sprechen wollte. Seine Exfreundin wurde schwanger. Gesagt hat sie ihm nichts. Aber zum Glück wühlt Ben gerne im Müll herum und findet einen positiven Schwangerschaftstest. Als sie von einer angeblichen Geschäftsreise nach Hause kommt, konfrontiert er sie mit dem Test und sie eröffnet ihm, dass sie in einer Klinik gewesen ist, um die Schwangerschaft abbrechen zu lassen. Dies alles erzählt er Lizzie und die beiden stimmen den Chor der Empörten an.

Vielleicht mag es albern sein, aufgrund dieser einen Stelle den Roman wegzulegen. Allerdings wurde ich bis zu diesem Punkt nur recht dürftig unterhalten. Würde es sich um eine tiefgründigere Geschichte handeln, in dem auf diesen Teil des Plots weiter eingegangen wird, hätte ich mit Sicherheit weiter gelesen. Da dieser Punkt allerdings ausschließlich als Aufhänger dient, Lizzie und Ben zusammen zu bekommen (beide wurden durch die ExpartnerInnen verletzt), ist einfach nur ein Schlag ins Gesicht für alle, die für die Abschaffung von § 219a kämpfen.

„O Gott“, rief ich entsetzt, „wie konnte sie nur? Wie konnte sie das tun?“
– Seite 216

Tja Lizzie, du hättest sie einfach selbst fragen können. Aber absurde Beschuldigungen einer Person die du überhaupt nicht kennst, nur um deinem Love Interest zu gefallen sind sicherlich viel einfacher. Es passt allerdings zu ihrem Charakter, der nicht mehr als ein Fähnchen im Wind ist.

Ob meine Reaktion übertrieben ist, mag dahingestellt sein. Vielleicht wird sogar im weiteren Verlauf noch einmal näher darauf eingegangen. Da der Roman (wie bereits erwähnt) jedoch nicht das Gefühl auslöst, ihn unbedingt beenden zu wollen, war das für mich der Anlass, ihn an dieser Stelle zu beenden. War ich zuvor noch leicht enttäuscht, eine schlechte Auswahl getroffen zu haben, wandelte sich diese Enttäuschung an dieser Stelle in Wut um. An Romanen, die auch dem Genre ChicLit eingeordnet werden können, hat mich schon immer gestört, dass (meist amerikanische) zweifelhafte Wertevorstellungen unbedingt eingearbeitet und vermittelt werden müssen. Dabei reicht die Bandbreite von Bodyshaming über Lookismus bis hin zu Sexismus. Diese Art von Bashing war allerdings tatsächlich mal etwas Neues und es ist mir auch völlig egal, ob es die persönliche Meinung der Autorin darstellt oder nicht. Was soll das denn darstellen? Ein kunterbunter Sommeroman, der „dunkle“ Themen nur anstreift, um eine Begründung für eine Beziehung zu finden? Das ist bei New Adult Romanen schon nervig bis untragbar.

Damit keine Missverständnisse aufkommen. Solche „Hindernisse“ gehören durchaus in Romane. Ich persönlich lese lieber Bücher in denen nicht alles glatt läuft und in denen den Protagonistinnen/Protagonisten einiges zugemutet wird. Miese Charaktereigenschaften zählen ebenso dazu wie Figuren, die dafür geschaffen sind, dass sie gehasst werden sollen. Allerdings zielt hier alles darauf ab, die Protagonistin und ihren Freund-to-be in einem besseren Licht strahlen zu lassen. Es wird direkt klar, die beiden sind die Guten. Die Exfreundin ist das Böse in Person, ohne dass nur ansatzweise hinterfragt wird, was sie zu dieser schwerwiegenden Entscheidung gebracht hat. Oder wie sie sich selbst damit fühlt.

Aus diesem Grund/diesen Gründen gibt es von mir keine Empfehlung für Frühling im Kirschblütencafé. Wenn ihr daran interessiert seid, kann ich euch beizeiten einen Beitrag mit Romanempfehlungen zusammenstellen, in denen die Themen Café, Neuanfänge usw. besser rübergebracht worden sind.

 

Rezensionsexemplar
Klappentext und Cover: Penguin Verlag

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