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[Serienrezension] Switched

Es gibt Leseflauten, die schnell vorüber gehen und dann wiederum solche, die über Monate anhalten. In so einer befinde ich mich gerade aus (leider) mehreren Gründen. An den Tagen, an denen alles drunter und drüber ging, hat mich Netflix ein wenig aus dem Loch gezogen und so werden in den nächsten Wochen ein paar Reviews zu Serien folgen. Außerdem hoffe ich, endlich mal meine Rezensionen abarbeiten zu können. Drückt mir die Daumen! 

Um was geht es?

Ayumis perfektes Leben ist in Gefahr, als eine eifersüchtige Mitschülerin namens Zenko ihren Körper, ihren Freund und ihr Leben stiehlt. Die Beschreibung auf Netflix ist nicht sehr aufschlussreich, was aber auch nichts schlimmes sein muss, schließlich werden Spoiler dadurch relativ ausgeschlossen. Auch wenn es sich um ein klassisches Schuldrama handelt, kommt durch den Körpertausch von Zenko und Ayumi ein Hauch Übernatürliches ins Spiel. Allerdings beschränkt es sich hierbei lediglich auf dieses, durch den Mond herbeigeführtes Ereignis, welches allerdings den Selbstmord der Person erfordert, die unbedingt den Körper der anderen Person besitzen möchte.
Die Serie ist eine Adaption des Manga Sora wo Kakeru Yodaka, der in Deutschland unter dem Titel Dem Himmel entgegen (drei Bände, abgeschlossen) bei Tokyopop erschienen ist. Da ich den Manga nicht gelesen habe, bezieht sich meine Rezension ausschließlich auf das J-Drama.

Dein Leben gegen meines

Eines wird bereits in der ersten Folge deutlich: Switched aka Sora wo Kakeru Yodaka versucht sich von anderen Shoujo-Titeln abzuheben und es macht für einen kurzen Augenblick auch den Eindruck, als ob dies gelungen wäre. Doch zeichnen sich selbst in diesem, für das Genre relativ düsteren, Drama schnell alte Muster ab.
Ayumi, der Inbegriff der Shoujoprotagonistin, führt das Leben, welches sich Ausseiterin Zenko immer gewünscht hat. Die Leben der beiden Schülerinnen wird dabei zunächst überzeugend portraitiert.

Die Botschaft der Serie lässt sich einfach zusammenfassen. Die gut aussehenden Jungs sind immer die fiesen, wohingegen die nerdigen Underdogs das Herz am richtigen Fleck haben (allerdings von der Protagonistin übersehen werden, weil sie ja nicht so hübsch wie der Love Interest sind). Auf der Seite der Mädchen fehlen auch die Grautöne. Hübsche und beliebte Mädchen sind stets die Guten, und die dicken Schülerinnen mit Pickeln werden zu Recht gemobbt, denn sie sind ja dick und Aussenseiterinnen, es ist schließlich nicht möglich sie anders zu behandeln. Wer viel Shoujo Manga liest, der/dem erzähle ich nichts Neues, allerdings wird dieses Schema hier so auf die Spitze getrieben, dass es grenzwertiger nicht sein (selbst wenn es doch hin und wieder einige Überraschungen gibt).

Gerade am Anfang, als sich Ayumi – in Zenkos Körper – zurecht finden muss wird schnell klar, was Zenko alles ertragen muss. Allerdings wird das Mitleid der ZuschauerInnen nicht auf Zenko, die in diesen Verhältnissen tagtäglich Leben muss, sondern auf Ayumi, die sich plötzlich in einer ganz anderen Welt zurecht finden muss, gelenkt. Aber es ist nicht Zenkos verwahrloste Mutter, die diese regelmäßig zu schlagen scheint, nicht das plötzliche Übergewicht oder der Fakt, dass sie von den meisten auf der Schule gemieden wird. Nein, Ayumis größte Sorge und Schmerzbereiter ist der Umstand, dass ihr Freund sie nicht mehr erkennt. Als sie zufällig (?) ihrer Mutter begegnet wird es zwar kurz dramatisch, aber diese scheint aus Ayumis Gedanken alsbald zu verschwinden. Genau wie der Umstand, dass sie fortan in einem toxischen Haushalt leben muss, in dem es nicht einmal eine Bürste für sie gibt, ist schnell verflogen, denn – ach wie schön – Mr. Friendzone schafft es, dass die anderen wieder mit ihr reden. Solange in der Schule alles in Ordnung ist, spielt alles weitere keine Rolle mehr. Auch das dürfte euch bereits in vielen Manga und Anime bereits begegnet sein.

Netflix: Setzen, 6 – CN: Suizid

Des Weiteren zeigt Folge 3 relativ nah am Anfang einen vollständigen Selbstmord – der später noch zwei Mal in Wiederholung gezeigt wird – von der Ausführung bis zum blutigen Ende. Und das alles, ohne eine Warnung vor der Folge auszusprechen (wie es etwa bei Tote Mädchen lügen nicht gehandhabt wurde). Bei einem so jungen Zielpublikum halte ich dies mehr als fahrlässig (auch wenn die Altersfreigabe bei 16 liegt). Bereits bei Tote Mädchen lügen nicht hat mich die Art und Weise, wie der Suizid gezeigt wurde, schockiert – auch wenn eine Warnung vor der Folge angezeigt worden ist. Der Westen schrieb dazu:

„In der Vergangenheit gab es bereits häufiger Nachahmertaten, die auf bestimmte Formen der Berichterstattungen über Suizide zurückgehen, der sogenannte Werther-Effekt. Der Name ist auf die Selbsttötungen nach Veröffentlichung von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ zurückzuführen. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurden internationale Richtlinien entwickelt, wie über Suizide zu berichten ist. Die Netflix-Serie hält sich allerdings nicht daran. Sie zeigt den Suizid drastisch und detailliert. Hilfsangebote werden jedoch nicht thematisiert.“

Wenn ihr unter Depressionen leidet und/oder suizidale Gedanken hattet/habt, oder aber Freunde/Bekannte/Familie habt, die darunter leiden könnt ihr jederzeit, rund um die Uhr die Hotline der Seelsorge anrufen und euch helfen lassen. Ihr erreicht sie unter der 0800 1110111 und 0800/111 0 222 und 116 123. Auf der Seite der Seelsorge steht euch auch ein Chat bereit, wenn ihr nicht telefonieren könnt/wollt. Außerdem wird dort eine Vor-Ort-Beratung angeboten. Die Hotline ist kostenfrei, anonym und wird auch nicht auf Telefonrechnungen vermerkt.

Webseite: https://www.telefonseelsorge.de/ Hotline: 0800 1110111 und 0800/111 0 222 und 116 123

Fazit

Kann geschaut werden, muss aber nicht. Viele der J-Dramen und auch Shoujo Manga zeichnen ein toxisches Beziehungsbild ab und erklären jungen Menschen fragwürdige Rollenbilder. In Switched verhält es sich nicht anders. Wenn euch das egal ist, weil ihr das Genre kennt könnt ihr mit Sicherheit unterhalten werden. Ein besonderes Erlebnis war diese Serie für mich allerdings nicht. Besonders in Bezug auf den dortigen Umgang mit Suizid würde von der Serie abraten, wenn dies für euch ein Problem darstellt.

 

 

Bildrechte: netflix.com
Linkquelle: https://www.derwesten.de/kultur/fernsehen/offenbar-erste-suizide-durch-netflix-serie-tote-maedchen-luegen-nicht-id211111057.html

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