Rezensionen

[Rezension] Bevor es Weihnachten wird von Kerstin Hohlfeld

Frau Grinch persönlich berichtet euch heute mal wieder über einen Weihnachtsroman… und warum ich ihn lieber nicht gelesen hätte.

CN: Magersucht/Burn-Out/Victim Blaming

Meinung

Der größte Fehler dieses Romans ist sein Versuch, um jeden Preis modern sein zu wollen.

Es werden viele Probleme und Elemente in den Raum geworfen, um dann in nicht mal 300 Seiten einfach zu verpuffen. Dabei werden Krankheiten wie Essstörungen und Burn-Outs total unreflektiert thematisiert, ohne dass nur ein einziges Mal auf die wirklichen Gefahren eben dieser eingegangen wird.

Wie auch in ihren anderen Weihnachtsroman, Bevor die Stadt erwacht, erzählt Kerstin Hohlfeld hier die Weihnachtsgeschichte neu. War es im Vorgänger noch eine lockere winterlich, kitschige Geschichte perfekt für die Adventszeit, war dieser Roman leider ein totaler Fehlkauf.

Protagonistin Sophia durchlebt ihren Wandel von der karrierehungrigen Einzelgängerin, die in der einen Sekunde noch ihrer neunjährigen Nichte erzählt, sie seie zu fett, zu einem Familienmensch, der nichts lieber macht, als ihrer Mutter in der Suppenküche zu helfen.

Um die Kritik eingangs wieder aufzugreifen seien natürlich die Aktivitäten ihrer Familie erwähnt. Vom helfen in der Suppenküche, über die Umstrukturierung des Tante Emma Ladens in einen Unverpacktladen bis hin zur Lebensmittelrettung und Foodsharing ist wirklich alles dabei, was in einem Roman über Berlin nicht fehlen darf. All diese Elemente sollten mein Aktivistinnenherz eigentlich höher schlagen lassen, würde es nicht so gewollt und aufgesetzt wirken. Sophias Familie wirkt genauso sympathisch, wie sie es selbst eben nicht sein soll. Statt Geistern, die ihre zeigen sollen, wie schrecklich sie sich die meiste Zeit ihren Mitmenschen gegenüber benimmt, sind es hier ihre Mutter, Oma usw. die es urplötzlich schaffen, diesen Menschen in einem komplett anderen zu verwandeln.
Dass so ein Plotverlauf für einen Weihnachtsroman typisch ist, geschenkt. Dass Sophia seit ihrer Kindheit so viel Ballast mit sich rumschleppt und den LeserInnen vermittelt wird, dass sie das alles einfach so hinter sich lassen kann.. nein das funktioniert leider nicht.

Um ein wenig zu spoilern sollen ihre ehemaligen Klassenkameraden einmal ins Rampenlicht gerückt werden. Die haben Sophia bis zu ihrem Abschluss das Leben zur Hölle gemacht. Die typischen Bullys die ihr u.a. immer wieder vor Augen geführt haben, sie seie zu dick. Viele Jahre später, in denen sie sowieso schon zu wenig isst, lässt eine dumme Wette ihrer Arbeitskolleginnen Sophias Ängste noch mehr Besitz von ihr ergreifen und sie entschließt sich zu einer Nulldiät. Und – was für ein Zufall – natürlich begegnet Sophia einer der Klassenkameradinnen, die sie immer wieder verletzt hat. Diese erzählt ihr, dass sie es ja auch nicht leicht gehabt hat und dass Sophia es verstehen muss, dass sie deswegen alles abbekommen musste. Ging einfach nicht anders. Und weil natürlich noch eins oben drauf gesetzt werden muss passiert lustiger Weise ihrer Nichte dann aktuell genau das Gleiche! Dieser Roman ist aber auch wirklich voll mit Zufällen, verrückt. Sophias Tipp an die Kleine, sich an ihre Freundinnen zu halten wäre ja fast noch schön, wenn sie ihr nicht auch raten würde die Bullys einfach Bullys sein zu lassen. Sie haben es ja schließlich auch nicht leicht.

Lediglich die letzten paar Kapitel versprühen den winterlichen Zauber, den der Klappentext verspricht und bewahren den Roman davor, ein kompletter Flop zu werden.

Fazit

Wenn ihr auf der Suche nach Weihnachtsromanen seid, kann ich euch meinen Beitrag empfehlen, der die nächsten Tage online geht. Oder aber ihr schaut euch den letzten dazu an. Bevor es Weihnachten wird erhält keine Leseempfehlung, dafür rattert die Handlung viel zu schnell runter. Die märchenhafte Wandlung von Sophia wirkt null überzeugend und ihre jahrelangen Probleme mit ihrer Essstörung sollten auch nicht so unkommentiert bleiben. Gerade der Einstieg in den Roman empfand ich wahnsinnig frustrierend und aufwühlend. In einem Roman, der Magersucht zum Teil oder im Ganzen thematisiert, spricht gegen die Einarbeitung nichts. In einem Weihnachtsroman, der mit den Worten „Warmherzig, winterlich – wundervoll“ angepriesen wird, wirkt es einfach nur fehl am Platz. Auch ist ihre plötzliche Wandlung kaum nachvollziehbar und auch das Happy End wirkt aufgesetzt.

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