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[Rezension] Mein Weihnachtswunsch bist du von Jenny Hale

Cover Mein Weinachtswunsch bist du

Nach langer Zeit hatte ich endlich mal wieder Lust darauf, an einer Leserunde teilzunehmen und Lesejury sei Dank, hat es auch direkt geklappt. Das Buch selber hat mich mehr enttäuscht, als unterhalten. Dafür war der Austausch mit den anderen TeilnehmerInnen wirklich toll. Liebe Grüße an euch, falls ihr euch hierhin verirren solltet.

Einstieg hui, Rest eher pfui

In dieser winterlichen Geschichte geht es in erster Linie um die alleinerziehende Leah sowie um ihre Tochter Sadie. Da sich die beiden keine großen Sprünge erlauben können, richten sie sich ihr Leben so gut es geht in einem kleinen Häuschen ein und hoffen darauf, eines Tages auf das Anwesen ihrer Großmutter bzw. Urgroßmutter ziehen zu können. Der Beginn des Romans und somit auch der Teil der Leseprobe, der mich zum Buch hat greifen lassen, las sich recht vielversprechend. Grund dafür war dass mit Leah – so schien es – endlich mal eine bodenständige Protagonistin vorlag, die aufgrund ihrer Mutterrolle sich zu behaupten weiß. Dazu noch ihre beiden Freundinnen, die jede auf ihre Art so liebevoll wirkten. Ja, ich dachte hier eine weihnachtliche Unterhaltung in den Händen zu halten, die schöne Lesestunden versprechen könnte. 

Doch leider ging es mit der Nachricht, dass Leah das Grundstück zur Hälfte erben würde, direkt bergab. Während des Lesens des Romans haben mich einige Details nicht so sehr gestört, wie es nun im Nachhinein hervorkommt. Mit einigen Tagen Abstand zum Werk wirken die negativen Punkte einfach noch störender als vorher.

Im ersten Drittel erfährt Leah, dass ihr Jugendfreund David die Hälfte des Erbes antreten wird, was sie – zu Recht – ziemlich verwirrt. Im zweiten Drittel passiert relativ wenig und wenn, dann sehr widersprüchlich und im letzten Teil läuft alles furchtbar schnell in einem kitschigen Happy End zusammen. Nein, so habe ich mir diese Lektüre nun wirklich nicht vorgestellt. 

So viele Logikfehler

Stell dir vor, deine Großmutter besitzt ein riesiges Anwesen, das Grundstück ist so groß, dass du gar nicht weißt wo es anfängt und aufhört. Sie veranstaltet dort seit Jahrzehnten Hochzeiten und andere Events und du willst zwar nicht dass sie stirbt, aber dennoch freust du dich schon darauf, dass du es irgendwann erben wirst, denn du bist ja alleinerziehend und kommst trotz zwei Jobs nicht über die Runden. Es wäre ja auch verrückt, wenn du in dieses riesige Haus bereits jetzt mit deiner Tochter ziehen würdest, nicht? Ich meine, wo käme denn sonst der Stoff für einen Roman her, wenn deine Familie dich einfach nicht im Stich lassen würde. Klingt schon komisch, oder? Keine Sorge, es wird noch absurder.

Dann also stirbt Leahs Nan und sie möchte zusammen mit Sadie endlich ein neues Leben beginnen, da wird ihr auch schon mitgeteilt, dass eine Hälfte des Erbes an David geht. Der David, mit dem sie als Kind immer bei ihren Besuchen bei ihrer Nan gespielt hat. Begründet wird dies in einem Brief ihrer Großmutter mit dem Hinweis darauf, dass David ja ein ganz Feiner ist. Er selbst gibt dann auch noch zu, dass das alles früher seiner Familie gehört hat und diese dann Grundstück samt Haus an Leahs Familie veräußert hatte. 

Sowohl Leah als auch David haben ihre eigene Vorstellung davon, was sie mit dem Anwesen in Zukunft machen möchten. Aber weil diese Wünsche kollidieren, kommt David auf die großartige Idee Leah auszubezahlen. Mit dem berauschenden Beitrag von 1.000.000 Pfund (oder waren es Dollar, ich weiß es schon gar nicht mehr). Die Autorin überschlägt sich mit Beschreibungen des Hauses und des Gartens, ohne dass sich jemals ein klares Bild ergeben kann, denn in jeder erneuten Beschreibung sieht alles plötzlich ganz anders aus. Eines ist auf jeden Fall sicher: Sowohl Bausubstanz als auch Grundstück, alles muss wirklich sehr groß sein. Alleine deswegen ist diese Summe einfach nur lachhaft. Dazu kommt, dass sich Leah mit dem Geld nicht nur eine Immobilie erwerben, sondern auch noch ein eigenes Geschäfts eröffnen und dann auch noch davon leben möchte. Entweder hat Jenny Hale hier keinerlei Recherche betrieben, oder es war ihr einfach egal. Aber selbst von einem „Weihnachtsroman“ darf zu erwarten sein, dass sich die AutorInnen ein wenig mehr Mühe mit dem Gestalten des Inhalts geben.

Wenn er hübsch ist vergesse ich alles andere

Es ist jedes Mal aufs Neue ein Ärgernis, wenn die tollste Protagonistin auf einmal zum hirnlosen Zombie mutiert, sobald ein gut aussehender Mann involviert ist.
Leah läuft schmachtend einem Mann hinterher, der ihren langjährigen Traum mit dem Hinhalten eines Schecks in Sekunden zerstört und anstatt dass sie sich einfach von ihm und dem Grundstück fern hält geißelt sie sich selbst, in dem sie dort erst einmal einzieht. Dies geschieht mit der Begründung, dass sie noch einmal dort zusammen mit ihrer Tochter das Weihnachtsfest verbringen möchte. Es entzieht sich sämtlicher Logik, dass sie sich und auch Sadie das Leben schwer macht, in dem sie tagelang vorgibt, der glücklichste Mensch der Welt zu sein obwohl sie innerlich eingeht. Um das Ende vorweg zu nehmen (Achtung, Spoiler) sollte erwähnt werden, dass nichts – wirklicht nichts – Romantisches daran ist, dass David ihr gnädiger Weise erlaubt, dort weiter zu wohnen, weil er sich in sie verliebt hat. Wäre dem nicht zu, würde sie bis ans Ende ihrer Tage in ihrem zugigen Häuschen wohnen und hoffen, ihre Tochter eines Tages doch auf eine Gymnastikschule schicken zu können. 

Davids Charakter wird des Weiteren ausschließlich von Leah nacherzählt. In dem einen Sommer hat er dies getan, in dem anderen das. In der Gegenwart besticht er lediglich durch Geldgeschenke. Wären nicht Leahs Freundinnen sowie ihre Tochter, wären selbst die Figuren dieses Romans ein Reinfall gewesen.

Figuren die auf- und wieder abtauchen

Um den Mittelteil, der sich wahnsinnig zieht, interessanter zu gestalten, kam mit einer mysteriösen Person ein wenig mehr Aufruhr in das Leben von Leah. Zu ihrem Entsetzen, hatte ihre Großmutter sich erdreistet, eine Jugendliebe zu haben. Welch ein Verbrechen! Doch statt hier anzusetzen, wird die Suche nach diesem Menschen einfach bis kurz vor Ende des Romans nicht mehr erwähnt. Irgendwann ist die Person einfach da und alle freuen sich. Hurra.

Zu viel ist einfach zu viel

Es wirkt, als ob Jenny Hale einfach zu viel für einen Roman gewollt hatte. Die Beziehung zwischen Leah und ihrer Tochter, die Beziehung zwischen Leah und David, ihre Freundinnen, das „geheime Doppelleben“ der Großmutter und das aufgeben von Träumen ist doch recht viel für so ein kurzes Buch, das dann trotz allem die meisten Zeit nichts erzählt. Interesse Erzählstränge werden einfach nicht wieder aufgegriffen und das Ende kommt rasch und total versüßt daher. 
Und aus diesem Grunde kann ich für „Mein Weihnachtswunsch bist du“ auch keine Leseempfehlung aussprechen. Der Roman ist nicht komplett ein Desaster, aber er ist auch einfach nicht interessant genug um Lebenszeit darauf zu verschwenden. Ich habe euch hier und hier andere winterliche Romane verlinkt, mit denen ihr sicher mehr Spaß haben werdet.

Rezensionsexemplar
Bildquelle: Bastei Lübbe

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