Allgemein, Buch vs. Film

[Buch vs. Film] Pet Sematary

Die Einladung zur Pressevorführung für die erneute Stephan King Verfilmung nahm ich mit gemischten Gefühlen an. Zwischen der Zusage und der Vorführung lag die Buchmesse und somit keinerlei Zeit, das Buch vorab zu lesen, 600 Seiten haben da einfach nicht mehr zwischen gepasst.

Bevor ich mit der Besprechung beginne kommt zunächst auch einmal meine Beichte darüber, dass ich bis zu „Der Friedhof der Kuscheltiere“ keinen einzigen King gelesen habe. Es liegen zwar einige von ihm auf dem SuB (dem Stapel ungelesener Bücher), jedoch hat es nie so richtig gepasst.
Das Gute an der Gesamtsituation war, dass ich den Film komplett voreingenommen schauen konnte. Das Original von 1989 habe ich zwar als Kind einmal gesehen, doch ist mir kein Aspekt des Films in Erinnerung geblieben.

Die Einladung durch den Verleiher beeinflusst in keinerlei Hinsicht meine Meinung. Den Trailer findet ihr wie immer unten.

Originaltitel: Pet Sematary
Deutscher Titel: Friedhof der Kuscheltiere
Filmstart: 04.04.2019
Cast: Jeté Laurence, Jason Clarke
Regie: Kevin Kölsch, Dennis Widmyer

 

Dr. Louis Creed, seine Frau Rachel und ihre beiden Kinder Gage und Ellie entfliehen der Großstadt für ein beschauliches Leben auf dem Land. Ganz in der Nähe ihres neuen Zuhauses und von dichtem Wald umgeben, befindet sich der unheimliche „Friedhof der Kuscheltiere“. Nach einem tragischen Zwischenfall bittet Louis seinen kauzigen Nachbarn Jud Crandall um Hilfe und löst damit ungewollt eine gefährliche Kettenreaktion aus, die etwas abgrundtief Böses freisetzt und das neu gewonnene Familienidyll bedroht. Schnell wird den Creeds klar, dass der Tod manchmal besser ist.

Triggerwarnung
Kindestod.

Hättet ihr es gewusst?
Die Rollen der Kinder sind in Buch und Film vertauscht.

Das ist gruselig
In seinem Vorwort erwähnt King die Parallelen zu seiner Familie, lest da mal rein.


Meinung

Ein zweites Geständnis vorweg. Heute, am Tag an dem der Film in Deutschland in die Kinos kommt, erscheint auch auf meinem Blog ausschließlich eine Besprechung zum Film. Ich habe es wirklich versucht, mit dem Buch. Allerdings konnte ich nicht einmal die magische Grenze von 100 Seiten erreichen. Der Roman war für mich einfach nicht ertragbar. Ich werde weiter unten allerdings noch einmal näher darauf eingehen.

Ich kann leider nicht sagen wann und warum es modern geworden ist, alles was nicht in der Mitte des Screens zu sehen ist, komplett aus dem Fokus zu nehmen. Bei der Neuauflage zu Sabrina hat die andauernde Unschärfe mir bereits tränende Augen beschert. In dem Fall von Pet Sematary, den ich nun auf relativ großer Leinwand sehen musste, hatte ich bereits nach nur wenigen Minuten so starke Kopfschmerzen, dass ich kurzeitig darüber nachgedacht habe, das Kino zu verlassen. Ähnliches passiert mir sonst nur bei unausweichlichen 3D-Varianten. Auch empfand ich die Animation des Waldes, der ja ein wichtiger Bestandteil der Geschichte darstellt, als wirklich sehr schlecht umgesetzt. Der Teil, der mich am meisten gruseln sollte, war der, der mich am meisten belustigt hat.

Filmplakat der Originalfassung

Zuschauer_innen die weder die Erstverfilmung, noch die Romanvorlage kennen, sollten nicht den gleichen Fehler wie ich begehen und bei Pet Sematary einen Horrorstreifen erwarten, in dem es um gruselige Zombiehaustiere geht. Die ganze Prämisse des Haustierfriedhofs bildet nicht nur in dieser Variante den Aufhänger für ein Familiendrama. Viele Horrorromane bauen auf dieser Grundlage auf und so sehr mir dieses Genre zusagt, so sehr ähneln sich diese Filme und Bücher. Und auch Pet Sematary schlägt in diese Kerbe ein und kann sich beim besten Willen nicht von der Konkurrenz abheben.

Grob lässt sich Pet Sematary in zwei Hälften teilen: Die mit den Jumpscares und die mit dem Splattern.
Im ersten Teil, in dem die Familie mit ihren Eigenarten und der Konfrontation mit den neuen Lebensumständen vorgestellt wird, werden die Zuschauer_innen mit all den Informationen überschwemmt, die Teil des Romans waren und irgendwie ihren Weg in die Verfilmung finden mussten. So ist da beispielsweise Rachel, die Mutter, mit ihren Dämonen der Vergangenheit, die immerhin für den ein oder anderen Schockmoment sorgten. Was in der Buchvariante noch funktionieren mag, lässt hier lediglich viele Fragen zurück. Rachels Vorgeschichte um die Erkrankung ihrer Schwester wirkt krampfhaft eingesetzt, um ihre Angst vor dem Tod zu rechtfertigen und will sich nicht so recht ins Gesamtbild einfügen.

Die Beziehung zwischen Vater und Tochter nimmt den größten Teil der Geschichte ein. Hier finde ich die Umsetzung des Vaters um einiges besser, als die im Roman. Der Horror um seine Entscheidung bezüglich seiner Tochter ist nachvollziehbar und auch bildgewaltig umgesetzt. Die Szene, in der Louis erschüttert auf dem Bett liegt und ihm rinnen die Tränen an den Wangen herab, ist mir von allen am eindrucksvollsten in Erinnerung geblieben. Auch gefiel mir die Dynamik der Verbundenheit der beiden. Der Wahnsinn, der langsam aber sicher von Louis gebrauch macht, ist wahrscheinlich die größte schauspielerische Leistung des gesamten Films.

Völlig an den Haaren herbeigezogen ist jedoch das Verhalten derjenigen Menschen und Tiere, die aus der Erde wieder hervor steigen. „Ich bin tot, also werde ich nun zur Mordmaschine und bringe alles um, was mir über den weg läuft, den hey, ich bin tot!“. Es funktioniert leider nicht, beim besten Willen nicht. Die Figuren wirken hierdurch unfreiwillig komisch und besonders die Schlussszene könnte so auch in einer Horrorkomödie eingesetzt werden.

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass es sich bei Pet Sematary um ein Familiendrama über einen Vater handelt, der zu allem bereit ist, um sein Kind wieder bei sich zu haben. Dabei reiht sich leider ein Genreklischee nach dem anderen aneinander, so dass der Film ohne seine Jumpscares und Splattermomente überhaupt nicht funktionieren würde. „Manchmal ist der Tod besser“ gilt leider auch für dieses Remake.

Wer konnte mich mehr überzeugen

Da ich den Roman abgebrochen habe, macht dieses Mal die (neue) Verfilmung das Rennen. Dabei hat mir dieser Film noch nicht einmal zugesagt. Für einen DVD-Nachmittag mit Freunden mag er ganz unterhaltsam sein, aber hätte ich Geld für eine Vorführung ausgegeben, wäre das sehr ärgerlich gewesen. So richtig empfehlen mag ich beides nicht. Mir ist bewusst, wie alt das Buch ist und aus diesem Grunde, werde ich einem der neuen Romane von King auch noch eine Chance geben.

Immerhin musste ich nicht alleine leiden, sondern hatte Alper von Cinema Strikes Back an meiner Seite

Der Roman zieht und zieht sich. Wie bereits oben erwähnt, findet (auch in diesem Buch mal wieder) der wahre Horror innerhalb der Familie statt. Aus diesem Grund ist es auch legitim, viele (viele) Seiten dem Zwischenmenschlichen zu widmen. Wenn diese dann einigermaßen Spannung aufweisen würden. Der Roman enthält einfach zu viele langatmige Passagen und kann dadurch keinen konstante Spannung aufbauen. Nachdem ich entschieden hatte, das Buch so nicht weiter lesen wollen, habe ich einige darauffolgende Stellen bis zum Ende hin nur noch quer gelesen. Nicht jeder Autor kann sich erlauben, bei einem Roman von einer Länge von etwa 600 Seite, das Tempo erst ab der Hälfte anzuziehen und seine Spannung auf diese letzten 300 Seiten zu verlegen. Doch hier hilft selbst der Name King einfach nicht darüber hinweg und so ist dieses Buch für mich der Flop des letzten Monats geworden.

Ich würde so gerne mal wieder einen Horrorroman lesen, der um des Horrowillens existiert. Für Tipps bin ich deswegen sehr dankbar. Hinterlasst mir doch einen Kommentar, oder schreibt mich per Mail/Twitter an. Vielen Dank.

Weitere Meinungen

Cinema Strikes Back

André Hecker auf Letterboxd

Buch kein Rezensionsexemplar/selbstgekauft

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